Donnerstag, der 9. September 2010
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P. Jörg Arndt (evangelisch-lutherisch)
über: kein konkreter bibl. Bezug

Havetoft (bei Flensburg), am 04.12.2009
Sonstige Ansprache

Ich habe Ihnen heute mein wichtigstes Arbeitsgerät mitgebracht.

Na gut, wenn man die Bibel mitrechnet, ist es natürlich das zweitwichtigste, aber auf jeden Fall ist es unverzichtbar für mich: Mein Papierkorb. Gerade in der Adventszeit kann man Gott nicht genug danken für diese Erfindung. Es kommt ja sowieso schon viel Post. Aber im Advent ist es noch schlimmer. Jede Menge Kataloge und Werbesendungen zum Beispiel.

"Kaufe dies, kaufe das, alles supergünstig, furchtbar nützlich, muss man haben, und wenn du kein Geld hast, ist auch egal, zahlen kannst Du später. Wie willst Du denn weiter leben können, ohne Flachbildfernseher? Wie willst du glücklich sein, wenn du die neueste Kollektion aus dem Modehaus nicht hast und nicht den schönen Teppich aus dem Räumungsverkauf? Und gerade zu Weihnachten musst Du doch deine Liebsten mit kostbaren Geschenken bedenken!"

Das ist die Botschaft der Hochglanzkataloge und Werbebeilagen. Gut, dass es Papierkörbe gibt! Oder die vielen Spendenaufrufe, die sich gerade in der Adventszeit häufen. Spenden sie hier, spenden sie da, allen geht es schlecht. Für hungernde Kinder und für Blinde in der Dritten Welt, für die Verbreitung von Bibeln und das SOS-Kinderdorf, den Tierschutzverein und irgendwelche obskuren Hilfswerke – und bei Aktionen Mensch kann man sogar ein Jahreslos für die Lotterie kaufen, mit dem sich viel Geld gewinnen lässt. Dabei spende ich doch schon so viel!

Früher hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, solche Sachen ungeöffnet weg zu schmeißen, heute bin ich froh, wenn ich es schaffe, die Wanderdünen auf dem Schreibtisch einigermaßen in Schach zu halten.

In der Theorie habe ich einen leeren Schreibtisch vor Augen, auf dem nur der eine Vorgang liegt, den ich gerade bearbeite. In der Praxis türmen sich diverse Stapel und ich kämpfe darum, den Überblick zu behalten und neben dem ganzen Papierkram nicht die Menschen zu vergessen, für die ich eigentlich da bin. Und dazwischen steht der Papierkorb. Er ist mein Retter. Alles was da hinein kommt, muss mich nicht mehr beschäftigen!

"Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!" Dieses Prophetenwort aus Sacharja 9, 9 ist die Kernbotschaft der Adventszeit. Darum geht es, dass der König zu uns kommen will und wir uns auf seine Ankunft vorbereiten. Wir sollen aufräumen, ausmisten in der Wohnung, auf dem Schreibtisch und in unserem Herzen, damit wir fröhlich Weihnachten feiern können. Der Papierkorb als Symbol der Adventszeit!

Ich habe vor kurzem eine niedliche Geschichte gelesen von einem Mann, der beim Aufräumen nach Weihnachten einen der kleinen Engel zurückbehalten hat, die eigentlich zu seiner Krippe gehören.

"Du bleibst noch ein bisschen", sagte er zu ihm, "ich kann gut noch ein bisschen länger Weihnachtsfreude brauchen."
"Da hast du aber Glück", sagte der Engel. "Ich kann nämlich sprechen und außerdem heiße ich Heinrich."

Das Besondere an Engel Heinrich aber war, dass er einen kleinen Papierkorb in seinen Händen hielt. Der Mann hatte bisher nicht so genau hingesehen. Er hat immer gedacht, dass der Engel ein Geschenk für das Krippenkind in der Hand hatte, aber nein, es war ein Papierkorb! Und weil es ja ein sprechender Engel war, fragte er ihn: "Warum hast du einen Papierkorb bei dir?"

"Das wirst Du schon noch sehen", sagte der Engel, der Heinrich hieß, und schmunzelte.

Schon am nächsten Tag sollte der Mann es erfahren. Er kam nach Hause und war ziemlich ärgerlich. Er hatte ein bisschen Streit mit seinem Nachbarn, und natürlich hatte dieser blöde Typ ihn nicht gegrüßt, als sie sich eben draußen begegnet waren. Schlagartig war seine gute Laune verflogen.

Grummelnd ging er in sein Haus, als er plötzlich das feine Stimmchen von Engel Heinrich hörte.

"Wirf es rein!", sagte er und streckte ihm seinen Papierkorb entgegen.
"Was denn?"
"Na, deinen Ärger! Hier, wirf ihn rein!"
"Ich, Äh, wie, wieso, ich weiß nicht..."

"Na, du wolltest doch, dass deine Weihnachtsfreude noch ein bisschen bleibt, oder? Also musst du wegwerfen, was sie behindert. Los, wirf deinen Ärger hier hinein!"

Und der Mann tat es. Er nahm seinen Ärger, zerknüllte ihn wie ein Blatt Papier und warf ihn in den Korb, den der Engel ihm entgegenstreckte. Sofort fühlte er sich besser. Und als er dem Nachbarn das nächste Mal begegnete, konnte er ihm sogar so freundlich zulächeln, dass der ihm ganz aus Versehen einen guten Tag wünschte.

Als nächstes warf der Mann seine Sorgen in den Papierkorb, als er sein Auto in die Werkstatt gebracht hatte, und sich Gedanken darüber machte, wie teuer das wohl werden würde. Er warf seine Ängste in den Papierkorb, als er zum Zahnarzt musste, und seine Müdigkeit, die ihn vom Beten abhalten wollte.

Und so allmählich wurde es ihm zu einer guten Gewohnheit – immer wenn ihn Sorgen oder Ärger oder negative Gefühle überkamen, streckte ihm der Engel Heinrich den Papierkorb entgegen und sagte: "Wirf es rein!"

Und tatsächlich – noch nie zuvor hatte der Mann die Weihnachtsfreude so lange im Herzen behalten wie in diesem Jahr. Eines Tages begann er darüber nachzudenken: "Heinrich, wie kommt das eigentlich, dass der Papierkorb nie voll wird? So viel, wie ich da hinein geworfen habe, müsste er längst überlaufen!"

"Oh", sagte der Engel, "Das kommt, weil ich die Dinge, die du da hinein getan hast, gleich weitergebe."

"Du gibst sie weiter? An wen denn?"

"Na, an das Kind in der Krippe", sagte Heinrich, "Ich bin doch ein Krippenengel, schon vergessen?"

"Aber du kannst doch das arme Jesuskind nicht mit meinem ganzen Sorgen belasten!", wandte der Mann ein. "Na klar kann ich das", sagte der Engel. "Dafür ist es doch in diese Welt gekommen! Es will den Menschen nicht nur die Schuld abnehmen, sondern auch alles was sie sonst belastet. 'All eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch', diesen Satz hast du vielleicht schon einmal in deiner Bibel gelesen!"

"Ja, aber...", wollte der Mann widersprechen, doch der Engel ließ es ihm nicht zu. Er streckte ihm seinen Papierkorb entgegen. "Wirf es rein", sagte er, "nicht grübeln. Einfach freuen!" So wünsche ich uns allen solch einen Papierkorbengel in unserer Nähe, der uns all das abnimmt, was unserer Weihnachtsfreude im Weg steht.

Gott segne Sie!

© Jörg Arndt 2009
http://www.kirche-havetoft.de

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