Mittwoch, der 8. September 2010
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Prediger Klaus Kükenshöner
über: Psalm 46, 0

Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 22.11.2009
Sonstige Ansprache

Rundfunkandacht im Evangeliumsrundfunk unter der Rubrik: "Bibel heute".

Es war ein heißer Sommertag. Der letzte Schultag vor den Sommerferien. Ich war 12 Jahre alt; in der Schule hatten wir die "musische Woche" fast hinter uns. Es fehlten an diesem Samstag im Rahmen der "Bundesjugendspiele" nur noch die Schwimmwettbewerbe. So sehr ich mich auch mit den "Trocken"-Sportarten, wie Laufen, Springen usw. schwer tat: Schwimmen war meine Welt. Da konnte ich mein Punktekonto für eine Urkunde noch entsprechend auffüllen.

Es ging auf Mittag zu, wir Kinder wurden noch im Schwimmbad von den Lehrern in die Ferien verabschiedet und die schönste Zeit des Jahres lag nun vor uns.

Ich hatte Glück: wir wohnten damals ganz in der Nähe des Schwimmbades, so dass ich für den Nachhauseweg nur etwa 10 Minuten benötigte. Darüber war ich an diesem Tage ganz besonders froh - nicht nur, weil meine Mutter und meine jüngeren Geschwister sicher schon mit dem Mittagessen auf mich warteten - sondern weil sich mittlerweile eine riesige schwarze Wolkenwand am Himmel aufgebaut hatte. Leise und grollend war ferner Donner zu hören und hin und wieder wurde diese schwarze Wand durch grelle Blitze erhellt.

Ich hatte damals als Kind eine furchtbare Angst vor Gewittern. Auch dann, wenn ich zu Hause war und eigentlich in Sicherheit. So ging es mir auch an diesem Tag. Noch vor den ersten Regentropfen - quasi in der "Ruhe vor dem Sturm" - hatte ich mein Zuhause erreicht. Offenbar hatten alle auf mein Kommen gewartet, um endlich mit dem Essen beginnen zu können.

Und dann ging es Schlag auf Schlag! Es wurde tatsächlich stockdunkel, Regen wie aus Kübeln, Blitz auf Blitz mit dem dazugehörenden Donner lösten ein regelrechtes Inferno aus. Das eingeschaltete Licht erlosch bereits nach 3 Minuten - irgendwo war eine Stromleitung getroffen worden.

Ich war wie gelähmt. Keinen Bissen von dem Mittagessen hätte ich herunterwürgen können. Und, was mich an diesem Tag noch besonders erstarren ließ, war die offensichtliche Angst meiner Mutter. Auch sie saß stumm und vornübergebeugt am Tisch und starrte ins Leere. Nun schien mir alles verloren! Meine Mutter konnte mir nicht wie sonst bei einem Gewitter helfen, mich nicht trösten, mir nicht mehr die Angst nehmen.

So vergingen ein paar Augenblicke, in denen sich zig-fach Blitz und Donner ablösten. Dann raffte sich meine Mutter auf und sagte: "Kinder, wir wollen beten". Und dann beteten wir alle. Miteinander, nacheinander - ich weiß es heute nicht mehr so genau. Auch nicht, was ich gebetet habe. Aber ich weiß, dass ich zwischendurch immer wieder geschrien habe: "Herr Jesus hilf! Bitte, bitte, hilf!"

Fast eineinhalb Stunden vergingen, bevor wir merkten, dass das Unwetter langsam aber sicher weiterzog. Der Strom war immer noch abgeschaltet. Die ersten Geräusche, die von außen her wieder zu vernehmen waren, waren Feuerwehr-Sirenen. Aus allen Richtungen. Später erfuhren wir, dass der Blitz an diesem Tag allein in unserem Dorf fünfmal eingeschlagen hatte. Zwei Häuser brannten völlig ab. Menschen waren jedoch nicht zu Schaden gekommen.

Außer einigen Furchen in unserem Garten, die das reißende Regenwasser in den Sandboden gezogen hatte, erinnerte schon bald nichts mehr an dieses Unwetter.

Aber: mit mir war etwas Besonderes geschehen: von diesem Tag an hatte ich keine Angst mehr vor einem Gewitter. Schlimme und weniger schlimme Gewitter habe ich seitdem erlebt. Im Auto unterwegs, im Flugzeug über den Blitzen, im Freien unter einem Haustür-Vordach. Die Angst ist bis heute nicht zurückgekehrt.

Vieles von dem, was im Psalm 46 beschrieben wird, habe ich damals als 12-jähriger so empfunden. Was hat aber die Angst besiegt? Ich habe damals unmittelbar die Hilfe Gottes gespürt. Ich habe direkt die Erhörung unserer Gebete erfahren. Wir blieben bewahrt, auch als uns meine Mutter wegen ihrer eigenen Angst nicht mehr trösten und beruhigen konnte. Gott brachte damals Frieden und Zuversicht in unsere Familie und in mein pochendes Herz. Voller Überzeugung kann ich heute aus der Erinnerung an diesen furchtbaren Tag mit dem Psalmdichter sagen: "Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg."

Das Leben hat mich gelehrt, dass es schlimmeres als ein schweres Unwetter gibt: Unfälle, finanzieller Druck, zerbrochene Beziehungen, Krankheit und Tod. Jedoch: keines dieser Ereignisse und Bedrohungen konnte mir meine Zuversicht auf die Hilfe Gottes rauben. In aller Angst blieb die Gewissheit: "Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg."

Auch, wenn ich nicht weiß, ob meine Familie und ich von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise noch getroffen werden; auch, wenn ich nicht weiß, ob in meinem Geist oder Körper Krankheiten des Alters verborgen schlummern - weil ich die Zukunft nicht kenne - so ist mir nicht bange: "Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg."

Und wenn das schlimmste Ereignis, das ich mir vorstellen kann, ein Krieg ausbrechen sollte, habe ich dennoch die Zusage meines Gottes aus Psalm 46: "Er (der Herr der Heerscharen, der Gott Jakobs) setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde; er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Lanzen, im Feuer verbrennt er die Schilde."

So bin ich auf dem Weg nach Hause. Die schwarze Wand der Zukunft schreckt mich nicht mehr. Ich weiß es und glaube fest daran: "Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg."

© Klaus Kükenshöner 2009
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