Mittwoch, der 8. September 2010
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Pfr. Abbas Schah-Mohammedi (evangelisch)
über: kein konkreter bibl. Bezug

Berlin, am 07.11.2009
Sonstige Ansprache

Liebe Leserin, lieber Leser,
eine Geschichte der Rabbinen erzählt: Als das Volk Israel trockenen Fußes durch das rote Meer gezogen und wundersam vor den verfolgenden Ägyptern gerettet worden war, stimmte Mirjam, die Schwester des Mose ein Jubellied an:

Lasst uns dem Herrn singen,
denn er hat eine herrliche Tat getan,
Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.
Und alle Frauen sangen mit ihr.
(2. Mose 15, 20 + 21)

Da stimmten auch die Engel im Himmel mit ein und priesen diese herrliche Tat Gottes.

Gott aber gebot ihnen zu schweigen. Er sagte:
Wie könnt ihr so jubeln? Die da im Wasser umgekommen sind, sind auch meine Kinder.

Ist es so, dann waren auch Jesu Feinde Gottes Kinder. Aber im Gegensatz zu Mirjam, verspürt Jesus keine Schadenfreude. Im Gegenteil, er entlastet seine Feinde souverän mit einem "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun".

Dennoch hat auch Jesus Angst gekannt und Glaubenskrisen waren ihm nicht unbekannt. Das Evangelium erzählt, als Jesus in der Versuchung stand seinen Glauben an Gott zu verlieren, da, im Garten Gethsemane, als er vor Angst zitterte und ihm der Schweiß wie Blutstropfen herunter lief, als er am Kreuz rief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" da hat er das einzig richtige getan, er vergab seinen Feinden das Böse, dass sie ihm antaten: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Er spricht gut von seinen Feinden. Jesus weiß: Wenn einem Schlechtes mit Gutem vergolten wird, tut es ihm oft mehr weh, als wenn man ihm Gutes mit Schlechtem vergilt.


Das Kreuz war die größte Erniedrigung für Jesus und wurde doch zu einem Triumpf, als Gott ihn von den Toten auferweckte.

Vergib ihnen! Vergebung ist ein anderes Wort für Liebe. "Man muss die Menschen lieben, wenn man sie ändern will", hat Johann-Heinrich Pestalozzi einmal gesagt. Einfach ist das nicht. Auch für Jesus war es nicht einfach. Feinde sind nicht allein Menschen. Krankheit und Leid, böse Erfahrungen und Katastrophen sind auch nicht gerade unsere Freunde.

Der Rat des Mannes, den ich im Krankenhaus kennenlernte und der selber durch viele Tiefen gegangen war, hat mich nachdenklich gemacht: Wenn dir etwas Unangenehmes zustößt, das du eigentlich hassen müsstest, versuch es zu lieben, vielleicht gewinnst du eine positivere Einstellung zu ihm. Recht hatte er, sage ich jetzt nach Jahre langer eigener Erfahrung. Ich muss mich mit meiner Situation arrangieren, statt ständig dagegen zu opponieren. Da kann schon aus Bösem noch etwas Gutes werden.

Das Kreuz Jesu, das an sich nichts Gutes war, hat sich am Ende in sein Gegenteil verwandelt. Es wurde zum Heil für alle Menschen. Warum? Weil Jesus dazu Ja gesagt hat. Er hat es als Gottes guten Weg für ihn akzeptiert. Sind wir als Christen nicht alle Zeugen dafür? Liebe macht, dass alles hässliche schön wird.

Mit Liebe wachsen sogar Pflanzen besser, behauptet unsere Nachbarin. Mit Liebe könnte sie Pflanzen, die beinahe verdorrt waren wieder aufpäppeln; manchmal jedenfalls, sagt sie.

Mich wundert das nicht. Liebe sorgt oft im Leben dafür, dass etwas wächst. Liebe tut ja sogar Gegenständen gut, die nicht leben. Man merkt es, wenn eine Wohnung mit Liebe eingerichtet ist.

Für Christen ist Liebe von Anfang an zentral. "Gott ist Liebe", ist das kürzeste christliche Glaubensbekenntnis.

Dass man auch in einer größeren Gemeinschaft von Menschen ohne miteinander verwandt zu sein, liebevoll miteinander umgeht, diese Erfindung hat das Christentum zum wachsen gebracht. Bis dahin galt Liebe nur in der Familie.

Die Christen waren es, die das ausgeweitet haben bis hin zu Feindesliebe. "Liebet eure Feinde", sagt Jesus und erhebt die Liebe zum Maßstab aller Dinge.

Von Friedrich von Bodelschwingh stammen die Worte: "Dank und Liebe bleiben die großen Mächte, die mehr Siege gewinnen als alle Heere der Welt." Der Apostel Paulus hat darauf den größten Hymnus verfasst, der bis heute seinesgleichen sucht:

"Wenn ich mit Menschen- und Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle ... Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen." (1. Korinther 13)

Ich wünschte, ich könnte, wie Jesus meinem Feind wünschen, dass er auch in den Himmel kommt.

© Abbas Schah-Mohammedi 2009
http://www.blindendienst.de

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