|

Di. Klaus Becker (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugBergheim/Erft (Nordrhein-Westfalen), am 05.07.2008 (Kirche Niederaußem) Sonstige Ansprache |
"Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne."
(4. Mose 6, 23 - 27)
"Der HERR segne dich" – im kirchlichen Rahmen ist der Segen, liebe Gemeinde, eine feste Größe: er schließt den Gottesdienst ab, kein Gottesdienst ohne einen Segen. Dann kennen wir den Segen bei der Taufe: das Kind wird gesegnet, die Eltern und Paten werden gesegnet. Bei der Konfirmation werden die Konfirmanden eingesegnet. Die Hochzeit in der Kirche wird häufig damit begründet, dass man den Segen Gottes für das gemeinsame Leben haben möchte. Und auch am Ende des Lebens gibt es den Segen, die so genannte Aussegnung: sei es zu Hause, bevor der Verstorbene aus dem Haus getragen wird oder in der Friedhofskapelle, wenn wir zusammen mit dem Verstorbenen in das Segenswort hinein genommen werden: der Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
Im Alltag, liebe Gemeinde, begegnet uns das Wort Segen vor allem im Bereich von Geburtstagen und Jubiläen: Viel Glück und viel Segen wird gesungen, herzliche Segenswünsche ausgesprochen, Gottes Segen gewünscht. Wir kennen auch Worte wie: meinen Segen hast du! Dazu kann ich meinen Segen geben. Er muss es erst noch absegnen. Auch sprechen wir von einem gesegneten Alter.
Sie merken, liebe Gemeinde, wie sehr das Wort Segen unser Leben begleitet, es ist uns selbstverständlich, aber ist uns auch der Segen selbstverständlich?
Blicken wir einmal in die Bibel. Sie kennt verschiedene Segensereignisse:
Da ist z.B. der Segen für Noah, nach der großen Flut, die alles Leben dahingerafft hat, außer dem auf der Arche. Ich will die Erde hinfort nicht mehr verfluchen um der Menschen willen. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das ist ein ungeheures Versprechen Gottes. Es ist so etwas wie ein Ur-Segenswort, das uns da gegeben ist. Jeden Tag neu wird dieser Segen sichtbar im Sinne der Fruchtbarkeit, der Lebenskraft, die in dieser Schöpfung steckt. Jeden Tag wird neues Leben geschaffen, wird Leben erneuert, wird die Kraft zuteil, dass unser Leben weiter voranschreitet.
Das ist für uns so selbstverständlich und normal, dass wir uns darüber überhaupt keine Gedanken machen. Und doch ist es das Segenshandeln Gottes, das dies hervorbringt, es ist die Lebenskraft Gottes, die unsere Welt jeden Tag neu, ja jede Stunde und Sekunde am Leben erhält. Segen wird sichtbar in der Schöpfung, in der Welt um uns herum.
Die Bibel, liebe Gemeinde, erzählt uns, dass der Mensch herausgehoben wurde aus der Schöpfung: Und Gott segnete Mann und Frau und sprach: seid fruchtbar und mehrt euch und fülltet die Erde. Macht sie euch dienstbar, bebaut und bewahrt sie.
Gottes Beziehung zum Menschen sieht so aus, dass er eine ganz besondere Nähe zum Menschen haben wollte. Der Mensch empfängt einen eigenen Segen. Der Mensch wird dadurch ausgezeichnet, dass er an dem Segenshandeln mitwirken kann. Nur dass der Mensch dieses Handeln auch in eine andere Richtung lenken kann.
Menschliches Handeln, liebe Gemeinde, kann zum Segen oder zum Fluch werden. Es gibt genügend Beispiele für solches Handeln: angefangen von dem Entdecken des Metalls, das zum Nutzen des Menschen, aber in den Waffen auch zum Schaden des Menschen eingesetzt werden kann, über die Atomkraft, deren Energie sinnvoll sein kann, deren Abfallprodukte bis hin zur Atombombe jedoch ein Fluch des menschlichen Leben sind.
Segen, liebe Gemeinde, heißt also auch Verantwortung übertragen zu bekommen, sein Handeln zu überprüfen und seine menschlichen Grenzen zu erkennen. So sehr wir Menschen auch Gesegnete sind. Wir haben die Welt nicht in der Hand. Wir sind nicht Gott, auch wenn wir uns manchmal dafür halten. Gesegnet sein, das ist das wunderbare Wissen, dass wir an Gottes Leben schaffender Kraft Anteil haben, dass wir am Bau seiner Welt mitwirken dürfen. Aber dieses Wissen wird zur Hybris, zur menschlichen Überheblichkeit, wenn daraus nicht auch Demut entsteht, die Gott die Ehre gibt und sich in allem Handeln an ihn bindet. Im Segen leben, heißt sich als Geschöpf verstehen, über dem der Schöpfer steht.
Liebe Gemeinde!
Abraham hörte von Gott die Worte: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Darin wird das ausgesprochen, was ich eben gesagt habe. Abraham lebte unter dem Segen Gottes und handelte im Einklang mit seinem Gott. Dabei war sein Leben kein besonders gutes. Aber er hat gerade darin spüren können, dass Gottes Segen eben höher ist, größer ist, als die menschlichen Erfahrungen, und dass Gottes Segen sich durchhält, selbst wenn wir es kaum spüren.
Liebe Gemeinde!
Segen ist und bleibt etwas für den Menschen Unverfügbares. Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne, heißt es in unserem Predigttext im Anschluss an den gottesdienstlichen Segen. Segen ist eine Bitte, es ist die Bitte darum, dass Gott seinen Segen sichtbar machen möge, dass seine Lebenskraft wirksam werde in unserem Leben, dass wir es erkennen, darauf vertrauen und danach leben.
"Der HERR segne dich und behüte dich." Er lasse dich teilhaben an der Kraft der Schöpfung, des Lebens und des Fortbestandes. Und er sei dir nahe als der, der dir Schutz bietet, vor dem, was diese Lebenskraft bedroht. Und das sind nicht immer große Angriffe von außen, das können auch ganz kleine, in uns selber liegende Dinge sein, die das Vertrauen und die Kraft zunichte machen können. Davor möge der segnende Gott uns behüten.
"Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig." Vor Gott zu stehen, das macht uns aus unserer Sicht klein und lässt uns oft als solche erscheinen, die diesem Gott doch nichts zu bieten haben, ihm nicht gerecht werden. Doch das Antlitz Gottes ist von Liebe geprägt ist, wie wir in Christus erfahren haben. So soll auch die Liebe über uns leuchten, eine Liebe, die uns annimmt als Sünder, und die uns aufrecht vor Gott stehen lässt. Das Angesicht der Liebe soll uns herausholen aus dem Dunkel, es soll uns erleuchten und erfüllen und so unser und das Leben anderer hell machen.
"Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden." Dieses Angesicht der Liebe soll auf uns liegen und Teil von uns werden, auf dass wir den Frieden, den Gott uns durch diese Liebe schenkt auch weitergeben können. Er schenke dir seinen Frieden. Es geht nicht um menschlichen Frieden, sondern um seinen Frieden, seinen allumfassenden Frieden, der viel weiter reicht als unser menschliches Friedensdenken. Dieser Friede Gottes soll über uns kommen, damit wir aus diesem tiefen Frieden das Leben gestalten können.
Gottes Segen stärke uns!
Amen.
|