Mittwoch, der 8. September 2010
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Prediger Klaus Kükenshöner
über: Apostelgeschichte 5, 17-33

Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 29.05.2009
Sonstige Ansprache

Rundfunkandacht im Evangeliumsrundfunk unter der Rubrik: "Bibel heute".

Ein Wunder! Ein Wunder?

Also ehrlich: irgendwie habe ich mir die Umstände eines Wunders anders vorgestellt. Spektakulärer meine ich. Da werden Gefangene durch einen Engel aus dem Gefängnis befreit - und, was machen die Befreiten? Laufen sie jubelnd durch die Straßen? Besuchen sie ihre Freunde und Bekannten, um ihnen das tolle Erlebnis zu erzählen? Nichts von alledem: sie gehen ihrer Arbeit nach, so, als wäre nichts geschehen!?

Allen voran ein Mann, der eigentlich Fischer von Beruf war. Jetzt arbeitete er als Prediger. Er vertrat eine Glaubensrichtung, die damals in Jerusalem im Prinzip verboten war. Er, Petrus und einige andere Männer, die in den vergangenen 3 Jahren mit diesem Jesus von Nazareth unterwegs waren, behaupteten öffentlich, dass dieser Jesus von Nazareth von den Geistlichen des Landes ans Kreuz geschlagen und auf bestialische Weise hingerichtet worden war. Und sie behaupteten ferner öffentlich, dass dieser Jesus von Nazareth Gottes Sohn sei und von den Toten auferstanden sei.

So war es noch gar nicht lange her, nämlich am vergangenen Pfingstfest, dass sich diesen Männern um Petrus an einem einzigen Tag über 3.000 Menschen angeschlossen hatten und nun ebenfalls diese Behauptungen unter den Menschen verbreiteten.

So geschah das Unausweichliche: die bloß gestellten Geistlichen und politischen Führer des Landes schlugen zurück, in dem sie ihre Macht ausübten. Sie ließen Petrus und die anderen Apostel ins Gefängnis sperren. In der Hoffnung, dass sich die Bewegung ohne ihre Anführer - tot laufen? würde. Für den Erfolg dieser Taktik lagen aus der Vergangenheit konkrete Beispiele vor. Bei mehreren so genannten Anführern brach die Bewegung auseinander, als diese starben; also auf ihre Anhänger keinen Einfluss mehr nehmen konnten.

Petrus und die Apostel zu töten, wagten sich die hohen Herren zunächst nicht. Sie fürchteten sich vor ihrem eigenen Volk. Denn: viele Menschen hatten durch den Dienst der Apostel die Botschaft von der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus angenommen und etliche hatten an sich selbst Heilung von Krankheit und Not erlebt oder waren Zeugen bei der Heilung anderer geworden.

Also: wegsperren. Ein sicheres Mittel. Dachten sie. Gott sah das anders. Gott wollte keine Unterbrechung bei der Verbreitung seiner frohen Botschaft zulassen. Die Zeit drängte: die ganze Welt sollte es erfahren: Jesus lebt! Das Grab ist leer! Aus Gnade dürft ihr selig werden!

Gott schickt seinen Boten. Einen Engel. Nichts kann Gottes Boten aufhalten. Keine geschlossenen Türen, keine Gefängnismauern. Er befreit Petrus und die anderen Gefangenen. Und: er erteilt ihnen einen klaren Auftrag: "Lasst euch nicht aufhalten. Geht direkt wieder in den Tempel und verkündet allen die Botschaft von dem Leben, das Jesus gebracht hat!" Da blieb eben keine Zeit zum Feiern! Trotz Wunder!

Meine Gedanken wandern quer über den Erdball. Nach Nordkorea. Oder Somalia. Dort und an vielen anderen Stellen auf dieser Welt sitzen heute, im Jahr 2009, Apostel, Jünger Jesu um ihres Glaubens Willen im Gefängnis. Nicht nur eine Nacht. Nächte lang, Monate, Jahre! Manche schon ihr ganzes Leben lang. Und: kein Wunder in Sicht? Kein Engel Gottes unterwegs?

Was ist los? Braucht Gott diese Frauen und Männer nicht in der Freiheit? Hat er genug Leute, die sein Evangelium predigen? Hat Gott diese verfolgten Christen vergessen?

Nein, hat er nicht. Unzählige Beweise seiner Hilfe durch Wunder geschehen tagtäglich an und durch diese geschlagenen Schwestern und Brüder: Mitgefangene kommen zum Glauben an Christus. Gefängnisaufseher nehmen die Vergebung ihrer Sünden an. Post und andere Nachrichten der erbauen und muntern die Gefangenen auf. Und: auch Türen und Mauern öffnen sich für manche Gefangene. Ähnlich, wie damals in Jerusalem.

"Gott weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod" dichtete Paul Gerhard in seinem Lied: "Du meine Seele, singe"? Ich verstehe das so: Gott hält für jede Situation die richtigen Leute bereit, die richtige Botschaft und: wenn es sein muss, das richtige Wunder bereit. Oft für mich nicht nachvollziehbar. Aber dann wird mir deutlich: Gottes Handeln ist souverän. Aber nicht diktatorisch, sondern gnädig. Das hat schon König David in seinem Leben erfahren und uns durch seinen Psalm 103 hinterlassen: "Gott handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten." So aus dem 103. Psalm.

Eine gute Nachricht für alle, die um ihres Glaubens willen leiden müssen: Gott ist wie ein Vater, der sich über seine Kinder erbarmt. Niemals wird er sie im Stich lassen. Auch dann nicht, wenn ich als Außenstehender nichts davon merke oder sehe.

So danke ich meinem Gott, dass er nicht nur Petrus und die anderen Apostel damals aus dem Gefängnis befreite, damit die frohe Botschaft in die Welt getragen werden konnte. Ich danke meinem Gott, dass er Organisationen, wie z.B. "Opendoors", die sich um verfolgte Christen weltweit kümmern, ins Leben rief und bis heute gnädig und barmherzig unterstützt. Damit die gefangenen und verfolgten Schwestern und Brüder bis heute besucht werden können und Trost, Erbauung und Befreiung erleben.

Ja, Gott ist groß!

© Klaus Kükenshöner 2009
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