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Lek. Willy Krüger (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugOsnabrück, am 13.09.2008 (Lutherkirche) Sonstige Ansprache |
Wochenschlussandacht
Gott:
Du lässt die Dinge nicht, wie sie sind.
Du gibst Hoffnung, wo sich Resignation ausbreitet.
Du bringst Leben, wo der Tod zu herrschen scheint.
Wir bitten dich:
Lass uns all das Wunderbare im Alltag erfahren und mit anderen teilen lernen.
Auf dass dein Reich auf Erden Gestalt annimmt.
Liebe Gemeinde,
unser Thema heute Stolpersteine.
Stolpersteine – ja da gibt es viele verschiedene Arten über zwei möchte ich heute nachdenken:
1. Das Projekt Stolpersteine
Im Jahr 1997 rief der Kölner Künstler Gunter Demnig das Projekt "Stolpersteine" ins Leben.
"Stolpersteine" sind zehnmal zehn Zentimeter große Betonwürfel, die mit einer beschrifteten Messingplatte versehen sind. Auf der Platte eingraviert sind der Name, das Geburts- und Todesdatum eines Menschen, der während der nationalsozialistischen Diktatur in der Zeit von 1933 bis 1945 ermordet wurde. Die Steine werden vor den Häusern verlegt, in denen jene Menschen freiwillig gelebt oder gearbeitet haben.
So findet das Gedenken nicht weitab des Alltags, beispielsweise an Gedenkstätten oder zu festgelegten Tagen, sondern in der Mitte des Lebens statt. Im Dezember 2006 beschloss der Rat der Friedensstadt Osnabrück das Projekt auch hier bei uns in Osnabrück zu realisieren und beauftragte die Verwaltung, einen Vorschlag für die Umsetzung des Projektes "Stolpersteine" unter Einbeziehung der Bürgerschaft zu erarbeiten.
Mit den "Stolpersteinen" soll in Osnabrück an die einzelnen Bürgerinnen und Bürger erinnert werden, die Opfer des NS-Regimes wurden. Sie waren unsere Nachbarn. An dem Ort, von dem aus sie verfolgt, vertrieben oder deportiert wurden, soll ihrer gedacht werden.
Diese Stolpersteine kann man und darf nicht übersehen. Im übertragenen Sinne "stolpert" man über sie und um die Inschrift zu lesen, muss man sein Haupt beugen.
2. Kommen wir zu den Stolpersteine in unserem Leben,
den Steinen, denen wir gerne aus dem Weg gehen würden.
Spontan fällt mir dazu eine Rolltreppe ein.
Komisch werden Sie sagen,
wo sind denn da Stolpersteine.
Eine Rolltreppe geht doch automatisch werden Sie jetzt einwenden.
Richtig.
Doch manchmal geht nichts mehr.
Wer kennt das nicht in seinem Leben?
Stufen werden zu Stolpersteinen was sich bewegen sollte,
steht still.
Ja wirklich, wer eine Rolltreppe hinaufgeht glaubt über Steine zu stolpern.
Wir alle kennen die Stolpersteine in unserem Leben:
Unsicherheit –
Krankheit –
Bedeutungslosigkeit –
Schwäche –
Einsamkeit –
Diese Stolpersteine, sie gehören zu unserem Leben.
Und wir fragen uns warum liegen immer wieder solche Stolpersteine auf unserem Lebensweg?
Gott stellt uns immer wieder vor solche Herausforderungen,
aber er hilft uns darüber hinweg.
Er zeigt uns immer wieder seine Treue und Liebe.
Er ist der helle Morgenstern,
doch wie sollen wir erfahren wie hell er strahlt,
wenn wir niemals der Dunkelheit ausgesetzt waren?
Gott ist unser Retter!
Und deshalb müssen wir erst durch schwere Zeiten gehen,
um zu erfahren, dass Gott uns rettet.
Widerstände und Niederlagen,
selbst die heftigsten, sind niemals nur schlecht.
Tatsächlich wendet Gott alle Dinge zum Guten.
Denken wir doch einmal an die vielen Geschichten im Alten Testament. Die Israeliten hatten viele Prüfungen zu bestehen.
Sie beklagten sich bei Mose:
"Hast du uns hierher gebracht,
damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan?"
Und Mose antwortete:
"Habt keine Angst! Wartet ab und seht wie der Herr uns retten wird."
Wir alle wissen, das Rote Meer teilte sich und sie entkamen den Ägyptern.
Als sie Gott gehorchten,
wurde ihre Notlage zu einer wunderbaren Rettung.
Liebe Gemeinde,
schwere Zeiten zeigen uns,
was es heißt sich unter die Autorität Gottes zu stellen,
um dann zu sehen wie er handelt.
Ich bin mir sicher, das hat ein jeder hier von uns schon in seinem langen Leben erfahren.
Mit Gott sind wir auf der sicheren Seite –
um bildlich zu sprechen auf der Überholspur.
Wenn wir über unsere Stolpersteine hinweggehen wollen, wenn wir uns in schwierigen Situationen an Gottes Barmherzigkeit festhalten wird er uns nicht fallen lassen.
Wie haben wir im Psalm gebetet:
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
das sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Es ist wahr - manchmal lastet viel auf uns,
zieht hinab, bedrückt, lähmt.
Manchmal sehen wir nicht mehr,
wie es vorangehen soll.
Im Brief des Paulus an die Galater 6, 2 steht
"Einer trage des anderen Last so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."
Ja, es ist sein Gesetz!
Und es soll für die gelten,
die mit Christus verbunden sind.
Doch wie geht es uns dabei,
wenn wir uns so von Christus in die Pflicht nehmen lassen?
Es sind oft schwere Stunden,
die uns an die Grenzen unserer Belastbarkeit führen.
Es kann sogar sein, dass wir innerlich ausgepumpt und leer sind und der Atem geht uns buchstäblich aus.
Vielleicht kommen wir auch dahin,
dass wir zu Gott schreien:
Ich kann nicht mehr!
Hilf mir, die Steine auf meinem Weg sind zu groß!
Alles das wartet auf uns,
wenn wir Christi Gesetz zu unserem Maßstab machen.
Aber noch etwas anderes können wir erfahren:
Es gibt Zeiten,
in denen spüren wir,
da trägt ja noch einer mit an unserer Last!
Ja, dann ist es nicht einmal die halbe Last,
die wir empfinden.
In solchen Zeiten erfahren wir,
was dieses Wort eigentlich bedeutet:
Einer trage des anderen Last.
Wenn wir es wirklich tun,
sind wir zu zweit unter der Bürde,
die wir zu tragen haben.
Christus selbst ist es der mit uns trägt!
Er, der ja mit allem Leid der Menschen vertraut ist,
kommt uns zu Hilfe.
Er lädt sich auf die Schulter,
was für uns zu schwer ist.
Er gibt die Kraft, die uns durchhalten und nicht verzagen lässt.
Jesus nimmt und trägt unser Kreuz.
Was bekommt er da aufgeladen?!
Was wird ihm da angehängt?!
Denken wir zurück an die Lesung:
Tragen wir unser handliches Kreuz,
vertrauen wir auf Jesus, Gottes Sohn.
Wir sollten uns gegenseitig tragen,
uns gegenseitig helfen,
unseren Weg zu gehen und nicht über Steine zu stolpern.
Das macht doch eigentlich die Menschlichkeit und die Christlichkeit unseres Lebens aus.
Wie gut tut das unserer Lebensgemeinschaft,
wenn es so etwas gibt,
wie christliche Nächstenliebe.
Manchmal müssen wir uns einfach mit leeren Händen auf den Weg machen und dann erleben wie Gott etwas daraus macht.
Vertrauen wir ihm.
Gehen wir unseren Stolpersteinen nicht aus dem Weg,
Gott wird uns durch seinen Sohn Jesus Christus darüber hinweghelfen.
Im Vertrauen auf Gottes Gnade und Güte möchte ich gleich mit ihnen singen:
Stern, auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh,
Führer dem ich traue, Stab an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.
Amen.
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