Mittwoch, der 8. September 2010
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Prediger Klaus Kükenshöner
über: Markus 10, 32-45

Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 22.08.2008
Sonstige Ansprache

Rundfunkandacht im Evangeliumsrundfunk unter der Rubrik: "Bibel heute".

Also, da muss man erst mal drauf kommen! Gerade noch mit der furchtbaren Tatsache konfrontiert, dass mein Herr und Meister Jesus mit Sicherheit in Kürze ermordet wird und: schwups! schnell noch an mein künftiges eigenes Wohl denken...!

Also, ich weiß nicht, was ich - wenn ich Jesus gewesen wäre - mit diesen beiden Jüngern gemacht hätte, die sich mit ihrer unverfrorenen Frage – gerade jetzt - vor mir aufgebaut hätten. "Haut ab!" hätte ich wahrscheinlich gerufen, "ihr seid ja nicht gescheit!"

Aber: ich bin nicht Jesus. Kann es auch niemals werden oder sein. Deshalb hätte ich auch nicht die Überwinderkraft besessen, über die Jesus als der Sohn Gottes verfügt hat. Es wird dennoch sehr schwer für ihn gewesen sein, auf diese egoistischen Forderungen – wenigstens nach außen – ruhig und sachlich einzugehen.

Jesus antwortet – wie so häufig – mit einer Gegenfrage: "Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?" Und: spätestens jetzt hätten diese beiden Männer, die sich seit etwa drei Jahren in der unmittelbaren Nähe Jesu aufgehalten hatten, die Dreistigkeit ihrer Forderung einsehen müssen. Aber nein, nun sind sie einmal so weit gegangen, nun gib es kein zurück mehr: "Ja, das können wir", ist ihre Antwort.

Also, als ich das zum ersten Mal gelesen hatte, blieb mir fast die Luft weg! Das können doch nicht Jünger Jesu seien! Haben die denn gar nichts kapiert? Hatte Jesus ihnen nicht noch kurz vorher gesagt: "Ihr wisst nicht, was ihr bittet"? Jedoch: Jesus nimmt sie beim Wort! "Ja, ihr werdet ... den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde."

Wenn die beiden Jünger, Jakobus und Johannes, vor ihrer Frage richtig zugehört hätten, wüssten sie doch, auf was sie sich mit "Kelch und Taufe" einlassen. Was damit auf sie zukommt. Das "Kelch und Taufe" Leiden und Sterben um ihres Glaubens willen bedeutet!

Ich war nicht dabei und kann nur vermuten, dass die beiden so ungefähr ahnten, was eines Tages als Christen auf sie zukommt. Aber: sie hatten ja ein Ziel vor Augen: Mitregieren, mitbestimmen, mitherrschen! Ist das denn eigentlich nicht doch ganz legitim? Als Preis am Ende des Laufs? Hat denn nicht ausgerechnet einer dieser Jünger, Johannes, am Ende seines Lebens genau das aus dem Munde Jesu gehört? "Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!" Worte, die uns bis heute in der Offenbarung als Trost und Zuversicht überliefert sind? Wem gebührt denn eine Krone? Dem Herrscher! Also: ist doch eigentlich alles in Ordnung!?

Nein! Weil zwischen Jesus und den beiden Jüngern ein absolutes Missverständnis vorliegt bei der Beurteilung des Begriffs: "herrschen"!

"Herrschen heißt dienen!" Auf diese kurze Formel hat Jesus alle anderen Vorstellungen zusammengestrichen. Das konnte damals den beiden Jüngern Jakobus und Johannes nicht gefallen und das gefällt mir heute auch ganz und gar nicht!

Es kann doch nicht sein, dass ich um meines Glaubens willen auf meine Karriere verzichten muss? Ja, wofür mache ich denn das alles? Damit es mir und meinen Lieben eines Tages besser geht. Damit ich mir nicht mehr von jedem hergelaufenen Vorgesetzten sagen lassen muss, was ich tun oder lassen soll? Ich bin doch kein Diener...!

Und in meiner Gemeinde? Ich kann doch jetzt nicht einfach hinter meinen Vorstandsposten zurückgehen! Ich trage doch Verantwortung. Da muss ich doch genügend Einfluss nehmen können. Da kann ich doch nicht ständig "bitte, bitte" sagen. Oder: alles selbst machen...!

Also: ich verstehe das nicht, Jesus.

Aber, ich ahne, was Jesus damit meint und warum er es nicht nur Jakobus und Johannes, sondern allen zwölf Jüngern erklärt: Er selbst, Jesus, von dem sie immer noch meinen, er würde in Kürze das höchste politische Amt in Israel übernehmen, übernimmt die Rolle des Dieners. Und nicht, um sich nur verprügeln und töten zu lassen, sondern, um allen Menschen damals und heute zu beweisen: meine Liebe zu den Menschen wird die Welt retten!

Das entspricht nun mal nicht meiner menschlichen Vorstellung vom Herrschen! Klar: ich bin ja auch nicht blind und sehe, was so mancher mit der Macht anstellt, die ihm übertragen wurde. Da brauche ich ja gar nicht weit schauen. Ich will ja keinen Namen nennen…Oder doch?: mein Name könnte doch auch eines Tages Gesprächsstoff sein, wenn ich mit Macht – und sei sie noch so klein und unbedeutend – ausgestattet würde. Oder: habe ich meine kleine und unbedeutende Macht – z.B. als Vater – noch nie zum Herrschen über meine Kinder missbraucht? Habe ich meine Macht als der einzige Geldverdiener in meiner Familie noch nie zur Erpressung gegenüber meiner Frau eingesetzt? Oder: sei es nur in Form von Besserwisserei? Habe ich es immer verstanden, meine Macht als leitender Angestellter nicht zum Herrschen, sondern zum Dienen einzusetzen?

Hatte ich dann nicht oft genug die Sorge, mich lächerlich zu machen? Hatte ich dann nicht oft genug Grund zur Sorge, meine Autorität zu verlieren? Mich vor meinen Untergebenen innerlich zu entblößen?

"Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein!" Das hat Jesus so gesagt. Und weiter: "Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern das er diene und! sein Leben gebe als Lösgeld für viele." Das hat Jesus so gelebt. Ohne wenn und aber. Er, der genau das nicht nötig gehabt hätte, Er der Sohn Gottes, des Allerhöchsten. Er hat's getan. So gelebt! Und die Welt gerettet!

Das macht mich ruhig und zuversichtlich. Ich brauche die Welt nicht mehr retten. Ich will aber Frucht bringen. Für meinen Herrn und Heiland Jesus Christus. Deshalb brauche ich wieder ganz neu die Erkenntnis für mich ganz persönlich: Herrschen heißt dienen! Ich will auf Jesus, der es mir und der ganzen Welt vorgelebt hat, vertrauen, dass mir nichts verloren geht, dass ich meine Ehre nicht verliere, wenn ich auch so leben und handeln will. Schließlich haben die Jünger es auch vermocht. Nicht immer in ihrem Leben. Aber immer wieder und dann auch immer öfter. So konnten sie das Rettungswerk Jesu ganz in seinem Sinne fortführen. So kann ich das Rettungswerk in seinem Sinne in meinem Leben fortführen. So kann ich Frucht bringen. Ich brauche keine Machtbefugnisse, keine Insignien. Ich brauche Kraft zum Überwinden. Und die schenkt mir Jesus. Er wartet nur darauf, dass ich ihn darum bitte.

Meine Frau, meine Kinder, meine Nachbarn, meine Kollegen, meine Schwestern und Brüder in der Gemeinde brauchen keinen machtbesseren Karrieretyp. Sie alle brauchen Liebe. Gottes Liebe. Und die will ich gern und dienend weitergeben. Denn: er hat mich zuerst geliebt.

Danke, Jesus!

© Klaus Kükenshöner 2008
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