|

Pfr. Mark Meinhard
über:
kein konkreter bibl. BezugHiltpoltstein (bei Nόrnberg), am 19.07.2008 (Kappel Jugendheim) Sonstige Ansprache |
Openair Jugend-Gottesdienst
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.
"Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul, sie wird niemals so sein, wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten."
Tja, wenn ich euch jetzt fragen würde: "wer hat's gesagt?" was würden für Antworten kommen: "meine Eltern", "der Lehrer sowieso", "der Pfarrer". Nun, ich löse es auf: ausgerufen wurde die Klage über die verdorbene Jugend vor über 3000 Jahren in Babylon, einer Kulturhauptstadt der damaligen Zeit.
Hat sich was geändert bis heute? Wohl kaum die Klagen sind die gleichen geblieben. Das, was euch v.a. vorgeworfen wird, ist, dass ihr einfach nicht so seid, wie die vor euch! Aussehen wird bemängelt ihr habt das Mädchen auf unserem Plakat gesehen: so was hat's aber früher nicht gegeben! Mein Gott: die Sprache könnt ihr nicht vernünftig reden? Früher hätte noch jeder jeden verstanden?! Und erst diese schreckliche Musik eigentlich mehr Lärm als irgendwas sonst. Früher hat freilich jedermann Volksmusik gehört!
Es ist alles Unsinn, denn von jeher musst die Jugend versuchen einen eigenen Weg zu finden, und der führt eben erst einmal dazu, dass man vom bekannten Weg abweicht. Die Mittel, um zu empören sind im Prinzip gleich. Nur, dass heute die Rolling Stones gewissermaßen zu den etablierten Gruppen gehören, ja da gehen sogar alte Menschen hin. Nun gut: die da spielen, sind selber schon alt. Aber damals war es Rebellion, diese Gruppe zu hören und sie zu spielen. Mit der Sprache ist es nicht anders was hat in Deutschland sich nicht alles mit dem Ende des Weltkrieges geändert: die Amis kamen ins Land und brachten den Jazz und den Rock, sie brachten Cola und vieles mehr die Sprache trug davon Zeugnis. Die meisten, die heute jammern, wie unser Babylonier vor 3000 Jahren, haben früher selbst ihre kleine Revolte gehabt.
Und das Aussehen? Was war das doch für ein Aufstand, als die Röcke kürzer (bei den Damen) und die Haare länger (bei den Herren) wurden. 1892 lässt der Schriftsteller Oscar Wilde eine Figur in seinem Stück "Lady Windermeres Fächer" sagen: "Die heutige Jugend ist grässlich. Sie hat nicht den geringsten Respekt vor gefärbten Haaren."
So kann sich's wandeln!
Worum geht's eigentlich? Hören wir eine Geschichte von Jesus nach dem Markusevangelium: "Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie."
Oft genug schiebt sich vor unsere Wahrnehmung der Verstand und die Tradition. Beides ist wichtig das wissen wir eigentlich auch gut genug. Aber manchmal können sie auch etwas überlagern. Jesus sieht das deutlich. Er fragt nicht: wie wollen die denn beten können sollen sie doch erst mal lernen, richtig in Sprache der Tradition zu reden! Er sagt auch nicht: solche Musik können wir bei uns in der Bewegung nicht brauchen! Und schon gar nicht fragt er nach dem Aussehen denn es gibt keine Vorbedingung im Äußeren, um zu ihm gehen zu können. Jesus nimmt die Kinder, also die noch-nicht-Erwachsenen an, legt die Hände auf sie und segnet sie. Er kämpft sich durch seine Jünger durch, die ihn abschirmen wollen und stellt diesen gegenüber sogar fest: nur, wer glaubt wie ein solches Kind, wird in das Himmelreich kommen.
Wow: was für ganz andere Kriterien stellt Jesus auf! Vertrauen darf man auf Gott, wie ein kleines Kind noch auf seine Eltern vertraut. Vertrauen darf man auf Gott, wie man in der ersten Liebe seinem Partner in die Augen schaut. Alles, was äußerlich ist, fällt ab. Auch übrigens und das habt ihr im Anspiel am Schluss so schön dargestellt auch die Leistung, gerade die Leistung zählt vor Gott nicht viel. "Die haben im Leben noch nichts geleistet." So ist es! Aber Jesus dreht den Spieß um und sagt: ihr mit eurem Leisten-wollen! Unsinn so, als ob ihr die Welt in Händen halten könntet. So, als ob ihr bestimmten könntet, wann es regnet und wann die Sonne scheint. Es ist genau andersherum: Gott kümmert sich um euch, er kommt euch entgegen. Hört auf, es euch da erarbeiten zu wollen und macht es wie die Kinder: vertraut ihm euer Leben an!
Viele von euch wissen das, auch wenn sie es vielleicht nicht sagen könnten: dort, wo ihr euch am meisten euch vergesst, wo ihr euch fallen lassen könnt in eine Beziehung hinein (etwa in der Musik, etwas in der Liebe), dort habt ihr am meisten davon begriffen, wie es sein kann in einer Beziehung mit Gott. Sich ihm anvertrauen, nicht krampfhaft es machen zu wollen, nach außen allen Maßstäben zu entsprechen, die eh durch die Zeiten hindurch sich wandeln werden, weil es menschliche Maßstäbe sind, sonder "Ja" zu Gott sagen, die Hände zu öffnen, sich fallen lassen und zu sagen: ich bin bereit Herr, füll du mir meine Hände!
Ihr habt es vorhin gehört: im Original von den Monkees aus dem 60er Jahren (übrigens: damals Revolution heute: Oldie-Kanal): "I'm a believer" bezogen auf die Liebe, die auch in der Heiligen Schrift das stärkste Bild von Gott ist, singen sie: "Then I saw her face now I'm a believer not a trace of doubt in my mind". Kein Zweifel mehr, sondern Vertrauen; hier:, dass Gott für mich da ist. Wer so glauben kann, wie die Jugend es uns manchmal vorführt, in dem, wie sie ihr Leben lebt: radikal, ohne doppelten Boden, vertrauensvoll in die Beziehung der Liebe eingehend, der wird das Reich Gottes ererben.
Amen.
|