Mittwoch, der 8. September 2010
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P. Ralf Crüsemann (evangelisch)
über: Römer 6, 19-23

Hattingen (Nordrhein-Westfalen), am 15.07.2008 (Krankenhaus Kapelle der Klinik Blankenstein)
Sonstige Ansprache

P : Begrüßung:

Guten Abend, liebe Patienten, Besucher und Mitarbeiter,
ich möchte Sie, hier aus der Krankenhauskapelle, begrüßen mit dem Wochenspruch aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 5, Verse 8 + 9!

8 Denn ihr wahret weiland Finsternis;
nun aber seid ihr ein Licht in dem HERRN.

9 Wandelt wie die Kinder des Lichts,
die Frucht des Geistes,
ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit...

Ich lese Ihnen aus dem Römer Brief, Kapitel 6, die Verse 19 - 23

(Predigttext)

Liebe Zuhörer,
gestern Abend im Dienst, das Telefon läutet.

Wie schon so oft an diesem Tag, hebe ich den Hörer ab und melde mich artig mit: "Klinik in Blankenstein, Crüsemann, guten Abend."

Doch es folgt Stille, nach einem Moment des Rauschens im Hörer, kommt von mir die typische Nachfrage:

Hallo, hier ist die Klinik Blankenstein, hören Sie mich?

Wieder ein Moment der Stille, "Hallo", dann eine nervöse, etwas zaghafte Stimme, die antwortet:

Oh –entschuldigen Sie bitte, da bin ich wohl falsch verbunden.
Klick, das Gespräch ist beendet.

Ich sitze noch einen Moment, mit meinem Telefonhörer in der Hand, und lege dann ebenfalls auf.

Dann kommt mir der Gedanke auf:

"Tja, falsche Nummer gewählt, ist schnell passiert", oder "war der Anrufer überrascht und hat schnell das Gespräch beendet, hatte er mit jemand ganz anderem unter dieser Telefonnummer gerechnet?"

Natürlich weiß ich das nicht.
Geht es uns oft nicht auch so, bei dem Wunsch, ein Gebet an Gott zu richten!?

Hallo, guten Abend lieber Gott, hörst Du mich?
Ich habe da eine Bitte an Dich!

Stille! Telefonrauschen?
Hallo Gott, melde Dich doch bitte!

Wenn uns jemand auffordert: "Nun sag doch was", dann versagt uns erst recht die Sprache.
Aber seien sie gewiss, Gott versteht auch unser Schweigen.

Vielen ist das Gebet deshalb verleidet, weil sie die Antwort Gottes vermissen.

Sie gehen von der richtigen Voraussetzung aus, dass zum Gespräch zwei gehören. Dass also das Gebet nicht ein Monolog sein kann.

Viele Wissenschaftler nehmen an, dass es auf anderen Sternen intelligente Wesen gibt.

Daher schickt man Radiowellen in den Weltraum und hofft, auf diese Weise irgendeinen Kontakt zu bekommen.

Niemand aber weiß, ob diese Botschaft aufgefangen wird.
Ist es nicht mit dem Gebet ähnlich?

Wir schicken Worte des Lobes, des Dankes, der Klage und der Bitte in die Unendlichkeit.
Aber auf welche Weise erfahren wir eine Antwort?

So sehr diese Schwierigkeit beeindruckt – könnte es nicht sein, dass der Ausgangspunkt falsch ist?

Wir sollten nicht zuerst fragen, ob Gott uns hört, sondern ob wir auf Gott hören.
Das erste Wort beim Gebet hat nicht der Beter, sondern Gott.

Und er hat längst zu uns gesprochen.

Nicht Gott antwortet im Gebet, sondern unser Gebet ist Antwort auf das, was Gott sagt.
Am Anfang des Betens steht deshalb nach dem Stillwerden das Hören.

Ja, aber spricht denn Gott wirklich zu mir?
Oder bilde ich mir da nur etwas ein? Höre ich da nur das Echo meiner eigenen Wünsche?

Natürlich darf ich nicht das Sprechen Gottes als "wunderbare Stimme" oder als eine innere Erleuchtung erwarten.

Gott spricht mich in allem an, was mir begegnet: in den Ereignissen und Erlebnissen dieses Tages, in einem Buch, einem Wort, einem Brief, in Stimmungen und Gefühlen, in Menschen, die mir begegnen, in der Zeitung...

Hören auf Gott heißt hinhören auf die eigene Situation, auf die Umstände der Zeit; auch auf die Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten des Alltags.

Es käme also darauf an, die Augen und Ohren offen zu halten.

Nichts ist so klein, dass es nicht in ein Gebet gehörte.

Wir dürfen Gott nicht so sehr im Außergewöhnlichen suchen, wir müssen das Alltägliche auf Gott hin "abklopfen".

Wie sieht das nun konkret aus?

Wir suchen aus allem, das uns begegnet, den Anruf Gottes herauszuhören und darauf zu antworten.

Am Morgen könnte ein solches Gebet lauten: "Herr, was willst du, dass ich heute tun soll?"

Alles, was der Tag voraussichtlich bringen wird, nehme ich in den Blick und überlege, wie ich es im Sinne Jesu bewältigen kann.

"Wie würdest du handeln?"

Ich nehme also gleichsam im Sinne einer "Vorausmeditation" ein Ereignis, einen Menschen schon vorher in meine Besinnung, mein Gebet hinein.

Vielleicht werde ich dann später genau dasselbe sagen, was ich auch sonst gesagt hätte.

Aber es wird wahrscheinlich anders gesagt.
Und auch anders aufgenommen.

Ob sich die kleine Pause dieser Besinnung, ob sich dieses Gebet dann nicht schon rein menschlich gelohnt hat?

Das eigentliche Wort Gottes aber an uns ist Jesus Christus.
In Jesus Christus hat sich Gott selbst ausgesprochen.

Mein Gebet ist Antwort auf Jesu Reden und Handeln.
Ich muss hinhören im Bewusstsein: Hier bist du selbst gemeint, hier spricht dich Gott an.

Der Blinde, der Lahme, der Hungrige – das bin ich.
Ein Gebet, das mit dem Hören beginnt, wird nie langweilig.

Weil einem der Stoff zum Gebet nie ausgeht.

Und weil ein solches Gebet mit dem Leben zu tun hat, weil ständig andere Situationen mich ansprechen.

Liebe Zuhörer:

Denken Sie doch heute Abend vielleicht über folgendes nach:
Wie kann ich meine Beziehung zu Gott klären?

Beten und sprechen sie mit anderen Menschen darüber und beten Sie darum, daran etwas positiv zu verändern.

Amen!

© Ralf Crüsemann 2008

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