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Gemeindereferentin Monika Dittmann (katholisch)
über:
Johannes 14, 15-21Wiesbaden, am 26.04.2008 (St. Josef Dotzheim) Sonstige Ansprache |
Vorabendmesse zum Sonntag Rogate
Im eben gehörten Evangelium kündigt Jesus seinen Abschied an. Es ist eine Unterweisung an die Jünger, mit denen er vorher das Mahl gehalten hat – jetzt, vor seiner Passion.
Er wird sie verlassen.
Sie werden zurückbleiben.
Wie wird es weitergehen?
In einem Gedicht (gekürzt) beschreibt der dt. Lyriker Erich Fried (1921-1988) das, was uns in solcher Situation, im Abschiedsschmerz, befällt:
"Das Leben wäre vielleicht einfacher wenn ich Dich gar nicht getroffen hätte.
Weniger Trauer,
auch nicht so viel von dieser machtlosen Sehnsucht
Das Leben wäre vielleicht einfacher,
wenn ich Dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben."
Auch für die Jünger wäre es nicht ihr Leben,
wenn sie Jesus nicht getroffen hätten,
ihn einfach vergessen, wegschieben könnten.
Er hat ihrem Leben Erfüllung geschenkt.
Sie haben zu einem Leben gefunden,
das ihnen ein neues und lebendiges Gottesbild vermittelt hat,
Ein Leben, das sich radikal geändert hat,
weil Jesus ihr Begleiter, Lehrer und Freund geworden ist.
Und nun spricht er vom Weggang.
Aber es sind nicht einfach Abschiedsworte, die verhallen.
Es klingt wie ein Vermächtnis, ein Testament.
Jesus verbindet die Abschiedsworte mit der Unterweisung seiner Jünger; mehr noch:
Die Worte werden zu einer grundlegenden Orientierung für die nachösterliche Gemeinde.
... und damit auch für uns,
die wir uns auf den Auferstandenen berufen,
auf ihn getauft sind,
ihn bekennen und feiern.
"Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen".
Er sorgt sich um uns.
Er will nicht, dass wir auf uns gestellt sind.
Er will die Beziehung zu uns nicht abbrechen,
sie ist ihm wichtig.
Es ist eine Liebesbeziehung.
Und so verheißt er seinen Geist.
Den Geist,
den die Welt,
all die, die nicht in einer Beziehung zu Jesus stehen,
nicht empfangen können.
Wenn wir das Wort "Geist" hören,
dann denken wir vielleicht an Zeitgeist – und beklagen ihn.
Oder wir denken an den Klassengeist, der oft zu wünschen übrig lässt, weshalb Kinder in einer Klasse leiden. Oder wir denken an "Teamgeist" – und denken an das mehr oder weniger gelingende Miteinander von Menschen, Kollegen oder einer Mannschaft.
Was meint Jesus?
Zwischen ihm und dem Vater besteht Einklang.
"Wer mich sieht, sieht den Vater"
Nichts trennt den großen Gott und Jesus, den Menschen.
Zwischen ihnen gibt es keine Vorbehalte,
keine Abgrenzung,
keine Konkurrenz.
Vater und Sohn -
sie stehen für die Liebe und das Vertrauen,
das ungeschmälert und unverletzbar ist und Beziehung stiftet.
Diesen Geist verspricht Jesus denen,
die ihr Leben an ihm ausrichten.
Er ist nicht zu sehen,
er wird nicht nachweisbar sein durch Fingerabdrücke.
Der heilige Geist offenbart sich in seinen Wirkungen.
Er stiftet Beziehung,
Beziehung, die Frieden und Vertrauen ermöglicht.
Beziehung, die trägt –
auch in schweren Zeiten;
auch dann,
wenn wir rufen mögen:
"Mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Der heilige Geist lässt sich spüren und entdecken;
Er lässt sich finden in Anschauungen,
in Haltungen und Einstellungen von Menschen.
Wer vom heiligen Geist berührt, erfüllt ist,
der steht für das Leben ein,
der kann trotz negativer Lebenserfahrungen aus der Zuversicht leben.
Wer vom heiligen Geist bewegt und durchdrungen ist, der offenbart mit seinem ganzen Leben die österliche Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod.
Der lebt die Hoffnung,
der ist Überbringer von Hoffnung und Zuversicht,
er ist Bote für die Liebe Gottes.
Das, was Jesus vorgelebt hat, die konsequente Hingabe an den Vater, das kindliche Vertrauen in die Liebe Gottes, der ungekürzte und unaufgebbare Weg der Liebe, auch der Feindesliebe der unaufgebbare Weg, auf dem er das Gottesbild der Menschen korrigiert, - auch in Angst und Todesgefahr ...
...das wird später durch die Menschen in der nachösterlichen Zeit offenbar,
die Jesus lieben,
lieben auch wenn er nicht mehr an ihrer Seite durch das Land zieht.
"Wenn ihr mich liebt und meine Gebote haltet" –
das ist der einzige Anspruch, den Jesus an uns hat.
Er hat kein Gebot im Sinne "Du sollst" hinterlassen.
Er hat uns ein Beispiel gegeben,
kurz bevor er diese Worte gesprochen hat:
Er hat sich klein gemacht,
hat sich die Hände schmutzig gemacht,
hat sich gebeugt vor seinen Schülern,
war bereit zu dienen...
Bei der Fußwaschung macht er es augenfällig,
und in seiner Kreuzigung vollendet er seinen Liebesdienst.
Dieses Gebot,
diese Lebenshaltung als eigenen Lebensmaßstab zu wählen,
das bewahrt uns in seiner Liebe.
Und das ist zugleich der Geist,
den er in unsere Herzen gießen will.
Glaube ist eine Herzenssache.
Glaube kann man nicht mit dem Verstand lernen.
Wer sich mit ganzem Herzen auf Jesus einlässt, dessen Herz lernt glauben, dessen Herz lernt lieben, dessen Herz lernt auch, mit den eigenen engen Grenzen umzugehen, die uns immer wieder so lieblos machen.
Wer sich mit ganzem Herzen auf Jesus einlässt,
dem erschließt sich das, was Jesus von sich und dem Vater sagt:
"Ich bin in meinem Vater"...
und diese Einheit,
dieser Lebensgeist dieser Einklang verwirklicht sich mehr und mehr auch in unserem Leben.
Denn "Ihr seid in mir und ich bin in euch!"
Diese Verheißung Jesu gilt -
nicht nur seinen Jüngern,
sondern uns,
die wir oft tastend und zögerlich, aber immer wieder aufs neue –
uns auf den Weg machen,
Jesus selbst in unserem Leben den ersten Platz einzuräumen.
"Haltet Jesus in eurem Herzen heilig"
hörten wir in der Lesung.
Auch wenn es manch schwere Entscheidung fordert,
auch, wenn es manchen Spott einbringt.
Auch, wenn uns das Zeugnis manchmal nur schwer über die Lippen kommt.
"Das Leben wäre vielleicht einfacher,
wenn ich Dich, Jesus, nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben."
Ob wir das so sagen können?
Bleiben wir ein wenig in der Stille und spüren wir dem nach, was uns mit Jesus verbindet,
und welche Spuren Er schon in eigenen Leben hinterlassen hat.
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