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Burak Özüak
über:
Lukas 19, 1-10Bochum, am 19.01.2008 Sonstige Ansprache |
Jugendgottesdienst
Einstieg und Hinführung zum Thema
Menschen begegnen Jesus.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich froh bin darüber, auch zu den Menschen zu gehören, die Jesus begegnen dürfen. Dennoch glaube ich, dass die Begegnungen mit anderen Menschen oder die Umstände im Laufe unseres Lebens darüber entscheiden, ob wir überhaupt und wie wir Jesus begegnen.
Es gibt zwei verschiedene gefühlsmäßige Art und Weisen, wie ich Menschen begegnen kann. Ich möchte anhand zwei Erlebnisse kurz beschreiben, wie diese aussehen könnten:
Zwischen meinem dreizehnten und vierzehnten Lebensjahr, fing ich langsam an seltsame und verwirrende Gefühle in meinem Inneren zu entdecken. So ganz plötzlich wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass nicht nur das Leben um mich herum kompliziert ist, sondern dass es in meinem Inneren ein ebenso kompliziertes Leben gibt.
Am deutlichsten wurde mir das, als ich damals Anfang der Neunziger bei einem Kumpel im Zimmer saß... Vor mir saß mitunter eine Person, die sehr anziehend, bezaubernd war. Ihr Anblick löste in mir ein Verlangen aus. Mich überkam der Wunsch, sie kennen zu lernen, ihr noch näher zu begegnen. Noch nie zuvor hatte ich im Inneren solche Gefühle. Ich war hin- und hergerissen, einerseits wurde ich von so schönen Gefühlen überschwemmt, dass ich Inmitten alldessen was ich bis dahin erlebt hatte nicht wusste, wo ich diese schönen Gefühle einordnen sollte.
Andrerseits hatte ich auch ein nicht so schönes, ja ein komisches Gefühl in mir. Womöglich könnte ja dieses Verlangen enttäuscht werden, wenn diese Person meinen Wunsch sie kennen zu lernen abweisen würde. Irgendetwas schien mich innerlich zu drängen, ohne dass ich es richtig verstehen konnte. Ich wollte diese Person unbedingt kennenlernen.
Ich möchte diese Form der Begegnung mit einem Menschen, wie ich sie damals hatte als Sehnsucht nach lebendiger Beziehung bezeichnen.
Einige Jahre später begegnete ich einer Frau, die den Wunsch hatte mich näher kennen zu lernen. Die Art und Weise wie sie diesen Wunsch nach Nähe ausdrückte fand in körperlichen intimen Begegnungen statt.
Unausgesprochen machte sie mir deutlich:
"Ich möchte dich jetzt, aber nicht morgen. Ich möchte etwas von dir, aber ich möchte dich nicht."
Diese Form der Begegnung mit einem Menschen, möchte als die Form des Zugreifens bezeichnen.
In beiden Erlebnissen, fand einmal eine Begegnung in der Form Sehnsucht nach lebendiger Beziehung indem ich jemanden begehrt habe und das andere mal in der Form des Zugreifens statt, in der mich jemand begehrt hat.
Der Unterschied liegt zunächst mal darin, wenn ich jemanden begehre, also in der Form Sehnsucht nach lebendiger Beziehung, dann hat das in den meisten Fällen etwas mit einem inneren Wusch, einem inneren Drang zu tun. Da habe ich die Sehnsucht und den Wunsch etwas von meinem Herzen herzugeben.
Und wenn jemand begehrt wird, also in der Form des Zugreifens begehrt, dann möchte ich etwas von dieser Person an mich reißen. Etwas von seiner Bekanntheit, Beliebtheit, von seiner Popularität. In dieser Form des Zugreifens habe ich selten etwas herzugeben, außer meine Bedürfnisse befriedigt zu bekommen.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich schon beide Formen bei meinen Begegnungen auch mit Jesus angewandt habe.
Aber bevor ich da näher drauf eingehe, wollen wir mal gucken, wie andere Menschen Jesus begegnen.
Dies möchte ich entlang der Geschichte von Zachäus in Lukas 19, 1 - 10.
Erklärung zurzeit Jesu Zollstationen > Checkpoints > Eintritt
-- Aufgabe von Zachäus - wandelnder Geldtransporter mit Bodyguards
-- Zockt die Leute ab - hat Kohle bis zum abwinken, muss sich um gar nichts sorgen
-- Jericho - Großstadt, Villa Zachäus - hört das Jesus in der Stadt ist - wollte Jesus unbedingt sehen
(Predigttext: Lukas 19, 1 - 4)
Vertiefungsphase
Ich frage mich: "Warum einer, der eigentlich alles hat, was man mit Geld kaufen kann, die Sehnsucht hat Jesus zu begegnen?"
Im Text heißt es: "Und er begehrte Jesus zu sehen, wer er wäre, ..."
Man könnte meinen, es wäre zunächst die Popularität Jesu oder die Neugier gewesen, die Zachäus dazu bewegt hat Jesus zu begegnen, denn es steht ja:
"Und er begehrte Jesus zu sehen, wer er wäre, ..."
Wer ist dieser Mensch, der Blinde sehend macht, der unheilbar Kranke wieder gesund macht, ja sogar tote Menschen zurück ins Leben auferweckt? Ich mein, dass sind ja nicht nur Geschichten die aus dem engsten Kreis von Jesus erzählt werden, sondern dass berichten Menschen, die bei diesen Ereignissen Augenzeugen waren und mit Jesus nichts am Hut hatten. (Man denke dabei nur an die Speisung der 5000!)
Ich muss ehrlich gestehen, mich würde das auch brennend interessieren, wer derjenige ist, der solche Shows abzieht.
Dennoch glaube ich nicht, dass es nur die Neugier war, die Zachäus dazu befähigte Jesus sehen zu wollen. Zachäus gehörte zu den Menschen, die keine Probleme hatten jegliche Bedürfnisse, die sie so haben zu befriedigen.
Er konnte sich alles leisten, was man für Geld kriegen konnte. Und er hatte sicherlich diese Macht alles haben zu können, voll ausgekostet.
Ich muss an die letzten 15 Jahre meines Lebens denken, die geprägt waren von Drogen, Sex und mein Leben als DJ in der Hip Hop Szene.
Mein Lebensstil sah wie folgt aus:
Donnerstagabends anfangen Drogen zu konsumieren und in den Club auflegen gehen. Danach Chillout bei irgendeiner Frau, die ich am Abend kennengelernt hatte. Dann Freitagabend der nächste Club, selber Ablauf: Drogen konsumieren, die Puppen tanzen lassen und Chillout und weiter gehts in den nächsten Club.
Montagmorgens kam ich dann nach Hause und wollte nichts mehr wissen. Den einzigen Körperkontakt den ich dann hatte bis Donnerstagabend war mit meiner Bong. So ging das Woche für Woche exakt sieben Jahre lang.
Wenn ich Geld ausgeben wollte, war genug da. Wollte ich Sex, ein Anruf genügte. Hatte ich Lust nach L.A. zu fliegen, war ich am nächsten Tag dort. Meine Wohnung war Alarmgesichert, mit Kameras ausgestattet, ein Rottweiler an meiner Seite und vor der Tür ein Jeep und ein 540er BMW.
Mir fehlte es an nichts könnte man meinen, ich hatte keine Probleme irgendein Bedürfnis dass ich hatte zu befriedigen. Aber hinter all diesem Leben zwischen Sex, Drogen und Nightlife, stieg sehr deutlich aus meinen inneren der Schrei auf: "Liebt mich denn niemand? Sorgt sich denn niemand wirklich um mich? Gibt es niemanden, der an meiner Seite bleibt, wenn ich am Boden zerstört bin, wenn mir zum Heulen zumute ist? Gibt es niemanden, der mich an der Hand nimmt und mich spüren lässt, hier gehörst du her?"
Ich glaube, dass auch Zachäus diesen Schrei in sich vernommen hatte und dieser ihn dazu veranlasste, die Begegnung mit Jesus zu suchen.
Irgendetwas schien auch Zachäus innerlich zu drängen
(Übrigens im englischen wird dieser Vers "Und er begehrte Jesus zu sehen, wer er wäre, ..." wie folgt übersetzt:
And he sought to see Jesus who he was;
Und er suchte Jesus zu sehen, wer er war. Suchen = Sehnsucht?
Entlang der Straße auf der Jesus kommt, geht es zu > PH TH > klettert auf einen Baum
-- Jesus sieht Zachäus > Zachäus komm runter, ich muss bei dir im Haus einkehren
(Predigttext: Lukas 19, 5)
Vertiefungsphase
Irgendwie bin ich jetzt enttäuscht von Jesus. Eigentlich müsste doch Gott nur zu den Menschen lieb sein, die auch zu ihm lieb sind. Bei so vielen Menschen, die ihn umgeben, die sicherlich ein gottgefälliges Leben geführt haben, sieht Jesus ausgerechnet Zachäus, der mit Sicherheit durch das abzocken der Leute, kein gottgefälliges Leben geführt hat und spricht ihn auch noch beim Namen an!
Irgendwie schon krass!
Die Geschichte von Zachäus kommt nur im Lukas-Evangelium vor. Nirgendswo wird erwähnt das Jesus Zachäus kannte. Ein Kapitel vorher in Lukas 18, 9ff ist zwar von einem Zöllner die Rede, aber das es Zachäus sein könnte wird nicht erwähnt.
Ich glaube, dass Jesus als er Zachäus sah, dessen Sehnsucht nach lebendiger Beziehung wahrgenommen hat. Seine innere Not erkannt hat. Gespürt hat, dass dieser Zachäus durch seinen Lebensstil keinen inneren Frieden gefunden hatte.
Kennt ihr die Geschichte, mit der Frau die Jesu Klammotten berührt? Die Geschichte steht in Lukas 8, 40 ff.
Selbe Situation, Jesus zieht wieder durch die Gegend und ist umgeben von Leuten auf der Straße, da merkt er wie ihn jemand unten am Kleid berührt und Jesus sagt:
46 Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist.
Ich glaube, die gleiche Kraft ist es, die Jesus beim Anblick von Zachäus erkennen lässt, dass dieser mit seinem bisherigen Leben unzufrieden ist und die Sehnsucht nach lebendiger Beziehung hat.
Er spricht ihn darauf hin beim Namen an. Und wenn Jesus jemanden beim Namen anspricht, schwingt immer folgendes mit:
Jesaja 43, 1 Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Zachäus jumpt runter, kann es nicht fassen, dass ausgerechnet er von Jesus angesprochen wird
(Predigttext: Lukas 19, 6)
Vertiefungsphase
Jetzt könnte ich einen frommen Spruch loslassen, der ungefähr so geht:
Jesus will auch in dein Haus einkehren!
Aber ich hüte mich davor, denn ich habe zu viele schlechte Erfahrungen damit gemacht, Jesus wie eine Kopfschmerztablette zu verabreichen.
So ungefähr nach dem Motto:
Woohh, das Leben bereitet dir Kopfschmerzen, hier nimm Jesus.
Woohh, du hast Liebeskummer, hier nimm Jesus und dir wird es besser gehen.
Woohh, du hast Beef mit deinen Eltern, mit deinen Freunden oder in der Schule mit deinen Lehrern, hier nimm Jesus.
Viel zu oft habe ich Jesus, in der Form des Zugreifens missbraucht.
Viel zu oft habe ich versucht einen Deal mit Gott zu machen.
Viel zu oft habe ich auf Gott Druck ausgeübt, in dem ich versucht habe mit ihm schlau umzugehen.
Viel zu oft bin ich mit Jesus Gassi gegangen, als sei er ein Schoßhund.
Das ist Bullshit!
Jesus, ist wie ein Rottweiler! Schon mal mit einem Rottweiler spazieren gegangen? Der zieht und tut macht wie es im passt in alle Himmelsrichtungen. Wenn Jesus dich packt, dann geht er mit dir Wege, die du von dir aus nicht gegangen wärst.
Aber er geht diese Wege nie mit dir ohne dein Einverständnis.
"Zachäus ich muss heute in dein Haus einkehren!"
"Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden."
Zachäus hätte genauso gut auf dem Ast sitzen bleiben und sagen können:
"Alter Stress mich nicht und zieh weiter!"
Jesus wäre deswegen nicht beleidigt gewesen und hätte ihm ganz bestimmt auch kein schlechtes Gewissen eingeredet.
Jesus kann mit solchen Abweisungen umgehen.
Wenn es sein muss, wartet Jesus solange unter dem Baum, bis derjenige, den er beim Namen ruft, die Sehnsucht nach lebendiger Beziehung hat.
Eigenes Beispiel mit Baum und Jesus
Schluss
Ich möchte schließen mit dem letzten Vers aus unseren Text:
"Jesus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist"
Zitat: Xavier Naidoo
"Ohne den Vater, den Sohn und den heiligen Geist sind wir verloren.
Ich sags dir damit du es weißt.
Doch mit dem Bekenntnis zu ihm wird es wahr. Jesus ist Sieger. Jesus ist für dich da. Fürchte dich nicht"
Amen.
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