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Gemeindereferentin Monika Dittmann (katholisch)
über:
Johannes 4, 1Wiesbaden, am 23.02.2008 (St. Josef-Kirche Dotzheim) Sonstige Ansprache |
Bildbetrachtung
(Sieger Köder, Frau am Jakobsbrunnen)
"Ich habe Durst" – ein Satz, den wir schon oft gehört oder selbst gesprochen haben.
Aber das Grundbedürfnis "Durst" hat eine doppelte Bedeutung:
Durst kann man nach Getränken haben – so wie Jesus, als er zur Mittagshitze am Brunnen ankam.
Durst kann man auch nach dem Leben haben. Dieser Durst lässt sich nicht nebenbei stillen, denn dieses Bedürfnis sitzt rief im Menschen; wir sprechen auch von Sehnsucht.
In jedem Menschen liegt diese Sehnsucht mehr oder weniger verborgen. Tief im Herzen kennt jeder das Verlangen nach einem erfüllten und gelingenden Leben; nach einem Leben, das nicht nur von Essen, Trinken, Schlafen, Arbeiten und Genießen lebt, sondern zu einer Tiefe findet, die trägt – auch in schweren Zeiten und auch dann, wenn man an den eigenen Grenzen zu scheitern droht.
Bei manchen Menschen ist diese Sehnsucht verschüttet oder von allerlei Aktivitäten und Betäubungen, Konsum oder Oberflächlichkeit überlagert. Manchen gelingt es, indem sie alles einmal ausprobieren, viel zu erleben, aber innerlich bleiben sie leer, trocken und karg.
Dafür ist die Frau am Jakobsbrunnen ein Beispiel.
Ihre Leere versucht sie, mit vielen verschiedenen Beziehungen zu ertränken – aber der Lebensdurst bleibt ungestillt. Jesus spricht dies sehr deutlich an. Der Frau ist dies vielleicht sogar tief in ihrem Inneren bewusst. Aber bis sie tief in sich hinein schauen kann, bedarf es dieser Begegnung am Brunnen.
Schauen wir uns nun das Bild an.
Es wurde von Sieger Köder gemalt, einem Pfarrer, der für seine biblischen Motive bekannt ist.
Die Frau steht am Brunnenrand und schaut in die Tiefe. Aus unserer Sicht schauen wir eher von unten der Frau entgegen. Wir sehen den gemauerten Brunnenrand, von oben fällt Licht herein. Das Licht des Himmels spiegelt sich auf dem Grund.
Jeden Tag steht sie dort am Brunnen.
Alleine. Keiner ist mit ihr, alle meiden sie.
Alleine holte sie Wasser – denn das ist Aufgabe der Frau.
Alleine sorgt sie für das Leben - keiner trägt ihr den schweren Krug.
Alleine, in der Mittageshitze, wenn sie keiner Anderen in den Weg läuft und so auch keine schiefen Blicke erntet.
Allein geht sie durch die Welt.
Und jetzt hier am Brunnen ...
Sie kommt ins Gespräch mit diesem Juden.
Der nimmt sie ernst,
der weckt in ihr Neugierde, Sehnsucht.
Der meidet sie nicht,
geht sogar auf ihr Fragen und Stammeln ein.
So kommt sie auch ins Gespräch mit sich selbst, mit ihrem Leben.
Kann das alles gewesen sein?
Hat mein Leben nicht mehr zu bieten?
Allmählich spürt sie ihren Durst,
den Durst nach Sinn und Tiefe,
nach Leben und Erfüllung.
Tief hinein schaut sie,
in ihr Leben,
in ihr Herz,
Ganz nach unten,
ganz tief hinein in ihr eigenes Leben,
in die Tiefe wirft sie ihren Blick.
Sie geht sich selbst auf den Grund.
Und ganz unten,
dort spiegelt sich das Licht des Himmels.
Am Boden des Schachtes schimmert es hell.
Selbst im tiefsten, schwärzesten Loch finden sich Spuren des Himmels.
Wie tief wir auch schauen müssen in die Abgründe unseres eigenen Selbst –
es spiegelt sich dort der Himmel!
Die Frau sieht den Lichtschein im dunklen Abgrund.
Aber sie sieht noch mehr.
Wie in einem Spiegelbild sieht sie das eigene Gesicht.
Ob sie vor sich erschrickt?
Ob sie sich überhaupt anschauen mag?
Welches Bild sie von sich hat?
... vielleicht kein Gutes.
Sie weiß ja, welches Leben sie führt.
Die Konfrontation mit sich selbst macht Mühe.
Aber – und das stellt alles auf den Kopf:
Sie sieht nicht nur sich selbst,
sie sieht Jesus an ihrer Seite.
- Bild auf den Kopf drehen –
Sie ist nicht mehr alleine.
Jesus schaut sie an.
Sie spürt:
Er taxiert mich nicht,
bewertet mich nicht.
Es ist kein abschätziger Blick.
Es ist ein Blick, der geht durch und durch,
Wärme, Licht durchflutet sie.
Wenn wir es riskieren, tief in uns hineinzuschauen,
dann erkennen wir nicht nur uns selbst,
sondern wir finden Gott als liebenden Gegenüber.
Tief in ihrem Innern findet die Frau das, was ihren Durst nach Leben stillen kann.
Tief verborgen in sich selbst entdeckt sie jemanden,
der sie anschaut,
der ihr Ansehen gibt.
Dieses Ansehen kann sie sich nicht selbst erarbeiten oder erobern.
Sie kann es sich nicht verdienen,
auch nicht mit viel List ergattern.
Dieses Ansehen findet sie tief in sich,
auf dem Grund,
in der tiefsten Tiefe ihres Lebens –
dort begegnet sie Jesus.
Hier stößt sie auf die lebendige Quelle des Lebens.
In IHM füllt sich ihre Leere,
durch IHN wird ihr Leben lebendig.
Wir finden das Wasser des Lebens,
die Ströme, die unserem Leben wirklich Fülle und Lebendigkeit schenken,
das Wasser, das unseren Lebensdurst stillt,
unsere Sehnsucht nach Mehr nur in Jesus.
Der Durst nach dem Leben wird gestillt,
wenn wir Jesus entdecken,
wenn wir ihn anschauen können,
mit ihm im Gespräch sind,
ja,
auch dann, wenn wir unser Leben erst einmal auf den Kopf stellen müssen,
umkehren müssen und entdecken, wie tief die Abgründe und Finsternisse in uns sind.
Gerade in der Tiefe unseres Lebens,
da ist Jesus gegenwärtig.
Wenn wir ausgetrocknet und dürre sind,
wenn unser Leben nicht mehr fruchtbar erscheint,
dann finden wir in IHM die Quelle unseres Lebens.
Die Frau
- wir haben es im Evangelium gehört –
lässt alles stehen und liegen und läuft zurück ins Dorf.
Sie hat gemerkt:
Dieser Fremde ist ganz und gar von Gott,
vom göttlichen Leben durchdrungen.
Und es sprudelt nur so aus ihr heraus...
Sodass viele Menschen zum Glauben an Jesus kamen.
Sie wird selbst zu einer Quelle, die Leben spendet.
Jesus zu finden,
macht lebendig.
Jesus zuzulassen – auch zu unseren verborgenen Tiefen und Abgründen –
schenkt neues Leben.
Und das enthält Jesus niemandem vor.
Wer seine Sehnsucht nach wirklichem Leben nicht überspielt oder gar übergeht,
abtötet durch Sucht, Konsum, Oberflächlichkeit oder Aktivität,
der findet bei Jesus die Fülle des Lebens:
Wer von dem Wasser trinkt, das ER gibt, wird niemals mehr Durst haben –
So sagt er es der Samariterin,
so sagt er es auch uns.
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