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Mandy Trompelt (evangelisch)
über:
Jeremia 28, 1-17Leubsdorf/Sachsen (bei Chemnitz), am 06.02.2008 Sonstige Ansprache |
Es gibt schon uneinsichtige Leute. Ich mein, dass kann ja schon passieren, den falschen Zug erwischen. Aber dann so uneinsichtig sein? Dabei ist die Lösung doch so einfach, am nächsten Bahnhof umsteigen und die gute Frau kommt zu ihrer Schwester an den Bodensee.
Doch Moment mal, wer einmal sitzt, der sitzt. Im Zug war es warm und bequem. Umsteigen bedeutet ins Kalte gehen? Wozu das, wo sich die Dame doch so sicher ist? Kennen sie das auch? Saßen sie vielleicht schon mal im falschen Zug? Ich kenne diese Sorge gut. Bin ich doch während meiner Ausbildung 3 Jahre zwischen München und Zwickau hin und hergependelt.
Zum Glück hängt am Zug nicht das Leben. Bahnhöfe mit Umsteigemöglichkeiten gibt es viele.
Aber wie ist das mit unseren Leben. Sind Sie sicher im richtigen Zug zu sitzen. Ich meine, wissen Sie, das ihr Leben so wie Sie es jetzt leben, richtig ist? Das wäre schon katastrophaler, wenn man nach 20 Jahren feststellt, ich sitze im falschen Zug.
Das, worauf ich mein Leben aufgebaut habe, funktioniert nicht. Manch einer musste das schon schmerzlich erfahren. Da war der Arbeitsplatz, der mit der Wende wegbrach. Die Beziehung die auseinander ging. Das gute Leben, was man sich plötzlich so nicht mehr leisten konnte... Kennen sie solche Situationen?
Die sind ungleich schwerwiegender, als ein falscher Zug nach Konstanz.
Meistens fallen solche Ereignisse nicht vom Himmel. Sie kündigen sich an. Manchmal ist diese Ankündigung allerdings sehr leise. Und immer stört sie. Nein, sein Leben ändern ist nicht bequem. Wer will das schon. Wir haben es uns doch gut eingerichtet, wie die nette Dame in ihren Abteil.
Deshalb hört man besser nicht hin. Man redet sich ein, so schlimm wird es am Ende doch nicht.
So ging es auch den Israeliten 594 v. Chr. Sie standen unter der Zwangsverwaltung Babylons. Die Elite war nach Babylon abgeführt. Nebukadnezar setze Zedekia als König ein. Nun mussten sie von der Gnade Babylons leben, Tributzahlungen wurden fällig. Keine rosigen Zukunftsaussichten.
Doch da kommt ein Silberstreif am dunklen Horizont. Israels Nachbarvölker bereiten einen Aufstand gegen Nebukadnezar vor. Das war ein Wagnis, aber für die Freiheit nimmt man Risiken in Kauf. Zedekia rechnet sich gute Chancen aus. Die Hofpropheten reden den Volk Mut zu: Gott ist mit uns, wagt den Aufstand.
Doch da ist mitten in der Euphorie eine andere Stimme Jeremia. Er beurteilt die Lage völlig anders. Was sollen solche kleinen unbedeutenden Völker schon gegen eine Großmacht wie Babylon ausrichten? Ein Aufstand ist von vornherein zum Scheitern verurteilt! Jeremia hält nicht hinterm Berg mit seiner Meinung. Er verdeutlicht sie sogar mit einer Zeichenhandlung. Er trägt ein hölzernes Joch auf seinen Schultern. Seine Botschaft ist eindeutig: Lasst das Träumen. Ihr habt keine Chance gegen Babylon. Beugt euch unter sein Joch. Das ist Gottes Wille!
Und nun stand Wort gegen Wort. Die Hofpropheten traten im Namen JHWH auf und Jeremia beansprucht das für sich auch. Obwohl er doch ein Nichts im Vergleich zu ihnen war. Die Situation ist neu.
Die Wahrheit lag nicht auf der Hand. Alle behaupteten von sich im Namen JHWH zu reden. Doch beide sagten das Gegenteil. Keiner wollte zurückstecken.
Einen Höhepunkt erreichte der Streit im Tempel.
(Predigttext: Jeremia 28, 1 – 4)
Die Worte gehen runter wie Öl. Hananja macht Mut. Er spricht dass öffentlich aus, was alle hören wollen. Gott ist mit uns. Das erntet natürlich Zustimmung. Hananja redet im Namen JHWH. Lange war ER völlig uninteressant für Israel. Doch jetzt in der Not, braucht man JHWH wieder. Aber ER ist eben kein Strohhalm an den ich mich mal so schnell klammern kann. Er ist keine Pille, die ich mal so schnell Schlucken kann und dann wird alles nicht so schlimm. Wer auf Gott nicht hören willen, den will Gott auch nicht mehr hören. Israel hatte JHWH Geduld schon zu lange strapaziert.
Hananjas Worte klingen gut und ermutigend. Auch Jeremia empfindet das. Aber er hat seine Zweifel. Die Karten stehen eindeutig gegen Israel. Da gab es für ihn kein Zweifel. Gott hat Gericht angekündigt. Oder doch nicht.
Sollte sich Jeremia geirrt haben? Vielleicht lag er wirklich falsch.
(Predigttext: Jeremia 28, 5 – 9)
Darf ein Prophet so reden? Darf er Zweifeln und sich unsicher sein? Ich höre in Unsicherheit aus Jeremias Worten. Was soll er nun sagen. Von Herzen wünscht er, Hananja hat recht. Das gibt Jeremia öffentlich zu. Aber er ist sich nicht sicher. Wie unterscheidet man rechte und falsche Prophetie. Bis heute sind wir der Antwort immer wieder auf der Spur?
Was gibt es da für Kriterien?
(Predigttext: Jeremia 28, 10 + 11)
2 : 0 für Hananja. Ein Joch zu zerbrechen braucht Kraft. Mehr Kraft als ein Mensch natürlich haben kann. Jeremia geht schweigend. Er verteidigt sich nicht. Er hat Gottes Weisheit auch nicht in der Tasche. Er weiß nichts mehr zu sagen. Deshalb tritt er den Rückzug an.
Kennen Sie solche Momente? Reden hat seine Zeit und Schweigen hat seine Zeit, schreibt der Prediger Salomos. Manchmal ist Schweigen der einzig richtige Weg. Vielleicht haben wir das verlernt.
Heilige Männer und Frauen haben immer wieder Orte des Schweigens aufgesucht, um Gott zu begegnen. Welche Rolle spielen Zeiten des Schweigens in unseren Glaubensleben? Ehrlich gesagt, bei mir kamen sie bisher kaum vor. Liegt an ihren Fehlen vielleicht ein Grund für mangelnde Vollmacht. Vielleicht kann uns die Fastenzeit wieder neu helfen, dies für uns zu entdecken.
Jeremia scheute die Zeiten des Schweigens nicht. Obwohl sie fast wie ein Eigentor scheinen. Er ist bereit zum Rückzug, da er sich nicht sicher ist, wo es weiter hingeht. Er nimmt in Kauf, das andere ihn jetzt erst recht als Loser sehen.
Schweigen und Warten. Aushalten, dass die anderen das als Schwäche und Scheitern ansehen. Haben wir den Mut dazu?
(Predigttext: Jeremia 28, 12 – 17)
Gott redete in der Stille. Jeremia bekommt wieder Gewissheit. Er stattet Hananja einen erneuten Besuch ab. Diesmal sind seine Worte fest und sicher. Er lässt Hananja gar nicht erst zu Wort kommen. Eisen war das damals härteste Material. Babylon ist keine vorübergehende Zeit.
Eisige Zeiten eiserner Unterdrückung warten auf Juda. Wer etwas anderes behauptet ist ein Traumtänzer. Katastrophal, wenn ein solcher noch im Namen JHWH auftritt. Juda sitzt im falschen Zug, wenn es auf ein schnelles Ende der babylonischen Unterdrückung hofft. Diese Wahrheit ist unbequem, den sie erfordert ein Umsteigen auf der ganzen Linie. Doch Jeremia hat den Mut zu dieser Wahrheit. JHWH bestätigt ihn, im selben Jahr ist Hannaja tot.
Propheten sind Boten Gottes. Sie haben heiligen Mut. Er macht sie völlig abhängig von Gott und unabhängig von Menschen. Jesus fordert uns heraus, heute seine Boten zu sein. Kleingruppen - Wo sitzen wir heute im falschen Zug als Christen, als Volk? Welche Botschaft wäre nötig?
Ich weiß das oft genau, aber Hananja liegt mir näher als Jeremia. Genug Situation persönlicher Feigheit fallen mir ein.
Evtl. Bsp. Schule
Heiliger Mut ist keine natürliche Eigenschaft irgendeines Menschen. Sie ist Gabe Gottes. Zu ihr gehört die Bereitschaft des Hörens der Stille, das mit beiden Beinen im Leben stehen und die Bereitschaft sich Gott völlig auszuliefern.
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