Donnerstag, der 9. September 2010
Predigt herunterladen als PDF, als Text oder per eMail versenden

Gemeindereferentin Monika Dittmann (katholisch)
über: Matthäus 4, 12-23

Wiesbaden, am 26.01.2008 (St. Josef Dotzheim)
Sonstige Ansprache

Der Prophet Jesaja spricht diese hoffnungsvollen Worte in schlimmen, finsteren Zeiten. Israel ist in Bedrängnis; die Assyrer haben den Norden des Landes erobert, Samaria zerstört und alle Glaubens- und Lebensgrundlagen kurz- und klein gehauen.

Nicht klein zu kriegen ist die Hoffnungsbotschaft des Propheten.

Immer wieder macht er Mut. Dabei stellt er sich vor, Gott wird die Gegner niederstrecken und seine Göttlichkeit an seinem auserwählten Volk beweisen. Ein wenig abenteuerlich ist dabei sein Blick schon: auch das heidnische Gebiet jenseits des Jordan wird bei Gott Ansehen erhalten...

Aber Gottes Handeln ist noch viel abenteuerlicher als es für den Propheten vorstellbar war:
Gott schreitet nicht ein mit militärischer Stärke und mit kriegerischen Strategien.
Gott wählt eine sehr liebenswerte Weise, sich den Menschen zu zeigen:
In einem Kind offenbart er sich.
In seiner Menschwerdung wendet er sich ein für alle Mal den Menschen zu.
Gottes Handeln ist gewaltfrei, nicht zerstörerisch.
Im Lächeln eines Kindes will er die Herzen der Menschen erobern.
... und dann später auch in Worten, die mobilisieren!

Da ist sein Ruf zur Umkehr.
Da ist der Hinweis, dass das Himmelreich nahe ist.

Nicht in den Zentren der Macht und nicht in den herrschenden Kreisen, sondern unter den Menschen wie Sie und ich fasst er Fuß. Nicht bei denen, die das Sagen haben, mischt er mit, sondern die Sprachlosen und all jene, die keine Stimme haben, liegen ihm am Herzen.

Mehr noch ... er erreicht und verwandelt die Herzen der Menschen. Er scheucht auf.
Und sein Ruf zur Nachfolge wird gehört.
Die ersten sind Fischer.
Sie spüren, dass dieser Jesus keine Barrikaden aufrichtet, sondern niederreißt.
Dass er keine Grenzen zieht, sondern verbindet.
Dass er nicht ausgrenzt, sondern Gemeinschaft stiftet.

Dort,
wo Existenzangst herrscht und die Not am größten ist,
dort hat er seinen Platz.
Er ist Freund der Armen und Sünder,
er ist Helfer der Hilflosen und Kritiker der Überheblichen und Mächtigen.
Sein Wirken in der Provinz macht deutlich:
Gerade den Randständigen gilt seine Aufmerksamkeit,
Gerade denen, die kein Licht am Ende des Tunnels sehen, geht er entgegen.

Aber mehr noch:
Er ruft in seine Fußstapfen.
ER will, dass Menschen wie Sie und ich es IHM nachtun ... ihm nachfolgen.

Nachfolge Jesu meint,
an die Seite der Armen treten,
den Schrei der Verstummten wahrnehmen,
das Dunkel des Alltages nicht länger geschehen lassen.

Nachfolge meint,
gerade die nicht übersehen, die sonst übersehen werden.
Und all die, denen keiner zuhört, das Ohr leihen.
So beginnt Reich Gottes.

Es hört sich so leicht an,
"Jesus nachfolgen"
Auch die Fischer, denen wir im Evangelium begegnen, entscheiden sich schnell für eine Lebenswende.

Jesus nachfolgen meint aber auch:
liegen lassen,
loslassen,
hinter mir zurücklassen und Gewohntes auch aufgeben.

... meint
- dorthin gehen, wo nicht die Mächtigen und Starken sind.
- dorthin, wo keiner das Sagen hat und unser Wort gebraucht wird,

- dorthin, wo wir nicht nachreden können, sondern eine Botschaft von uns erwartet wird, die Licht ins Dunkel bringt.

- eine Botschaft, die wirklich aufrichtet und keine billige Vertröstung ist,
- eine Botschaft, die nicht fordert, sondern einnimmt für die Liebe Gottes.

Da müssen wir uns heut schon fragen lassen,
uns ganz persönlich,
und uns als Gemeinde hier in Dotzheim mit was gehen wir auf die Menschen zu?

- wenn wir überhaupt gehen:
Wozu laden wir ein?
Wovon sind wir erfüllt?
Wovon läuft uns das Herz über?
Sind unsere Einladungen nicht eher banal?
Kann ich sagen:
Ich habe Jesus gefunden.
Er ist mein Licht.
Er stillt meine Sehnsucht...?

Kann ich sagen:
Ich habe Jesu entdeckt.
Er gibt meinem Leben Richtung und Orientierung.
Er bringt meiner Seele Heilung.
Er stillt meine Sehnsucht nach wirklichem Leben...?

Erst, wenn ich das von mir ganz persönlich sagen kann,
erst, wenn ich mich auf die Botschaft Jesu selbst eingelassen habe und IHN selbst gefunden habe,
bin ich glaubwürdig.
Mehr noch:
Dann wird Reich Gottes wachsen.
Dann finden die Menschen Antwort auf ihre Lebensfragen.
Dann kann (!) ihre Sehnsucht beantwortet werden.

(Bezug auf die Einleitung)

Erst wenn Jesus den eigenen Lebensweg durchkreuzt hat,
weiß ich,
was es wert ist,
vieles zu lassen um das eine zu erleben:
Reich Gottes.

Erst wenn ich nicht mehr darum bemüht bin, nach Schuldigen für die Finsternis zu suchen und nach Verantwortlichen, die die Ängste schüren und anderen die Schuld zuweisen ... erst wenn ich selbst erfüllt bin von einer persönlichen Begegnung mit Jesus in meinem Leben, und deshalb auf dem Weg mitten hinein in die Finsternis dieser Welt bin, dann gehe ich wirklich in den Fußstapfen Jesu ...

Jesu Leben hat sich nicht in etablierten Kreisen und auf sicheren Plätzen abgespielt.
ER nahm wahr, wo die Sehnsucht am größten war,
ER sorgte sich nicht um sich.
ER nahm es mit der Finsternis auf –
und so erlebten die Menschen mitten in ihrer Dunkelheit das Licht, das ihnen Orientierung gab,
das sie ermutigte.
Sie konnten neu anfangen.

Christ sein,
Gemeinde sein...
das meint mehr als für wahr halten,
dass es diesen Jesus wirklich gegeben hat.
Das meint,
hinter Jesus hergehen,
vieles zurücklassen Neues wagen,
das drückende Joch und die Last wegnehmen,
und vermitteln, dass in der Nähe Jesu Freude aufkommt und die Finsternis ein Ende hat...
also "das Himmelreich nahe ist"

© Monika Dittmann 2008
http://www.st-josef-dotzheim.de/

Weitere Predigten
 von: Gemeindereferentin Monika Dittmann 
 zu: Sonstige Ansprache 
 über: Matthäus 4  
Predigt im PDF-Format herunterladen
Predigt als Textdatei herunterladen
Predigt als Doc-Format für den PalmPilot
Predigt als eMail versenden

 

Powersearch  Die Bibel  Startseite  NEPOMUK  Impressum  Zurück