Mittwoch, der 8. September 2010
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Prediger Klaus Kükenshöner
über: Psalm 33, 0

Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 30.12.2007
Sonstige Ansprache

Rundfunkandacht im Evangeliumsrundfunk unter der Rubrik: "Bibel heute".

Als Kind fand ich eine Geschichte äußerst spaßig und wollte sie immer wieder hören. Sie handelte von einem Vater, seinem Sohn und einem Esel: Der Vater war mit seinem Sohn auf einen Markt gegangen, um dort einen Esel zu kaufen. Nachdem das Geschäft getätigt war, machten sich alle drei auf den Weg nach Hause. Unterwegs trafen sie auf jede Menge Leute, die dem Vater und seinem Sohn immer neue, angeblich kluge Ratschläge erteilten. Es ging darum, wer auf dem Esel sitzen darf und wer zu Fuß nebenher gehen sollte. Dabei ließen sich Vater und Sohn immer wieder von neuem von einer anderen Möglichkeit überzeugen. Das ging so:

1. Möglichkeit: keiner reitet auf dem Esel
2. Möglichkeit: der Sohn reitet auf dem Esel
3. Möglichkeit: der Vater reitet auf dem Esel
4. Möglichkeit: Vater und Sohn reiten gemeinsam auf dem Esel und
5. Möglichkeit: Vater und Sohn tragen gemeinsam den Esel

Worüber ich mich immer wieder "schlapp lachen" konnte, war die Dummheit der beiden, auf die tollen Ratschläge herein zu fallen. So dass sie am Ende tatsächlich den Esel trugen, um allen Leuten den Widersinn des Eselkaufs vor Augen zu führen.

Heute lache ich nicht mehr über diese kluge Geschichte. Zeigt sie mir doch, wie unmöglich es ist, so zu leben, dass alle Menschen um mich herum mit mir zufrieden sind. Irgendwann muss ich eine Entscheidung treffen, die nicht der Meinung der anderen entspricht. Dazu hat mir Gott meinen Verstand geschenkt!

Und wenn ich dann mit meiner Meinung allein da stehe? Einsam und gemieden, weil ich nicht "im Trend" liege?

Zum Beispiel meine persönliche Auffassung von Familie und Kindererziehung: spreche ich sie öffentlich aus, werde ich schnell als spießig, konservativ oder gar fundamentalistisch betitelt. Und das nur, weil ich persönlich davon überzeugt bin, dass meine Frau und ich unseren Kindern in den ersten Lebensjahren nichts besseres anbieten konnten, als das sich einer von uns ganztägig um sie kümmerte und für sie da war.

Oder: nach wie vor bin ich der Meinung, dass es für den Bestand einer Beziehung zwischen Mann und Frau gut ist, wenn sie erst ab der Hochzeit sexuelle Gemeinschaft haben. Und dann: die Macken des anderen mal aushalten, ohne gleich an Trennung zu denken.

Ist das nun biblisch oder einfach nur moralisch?

Der Psalmdichter hat es kapiert: letztlich gibt es für uns Menschen nur eine unbeeinflusste Instanz - unabhängig von jedem Trend und moralischer Auffassung: Gott selbst. "...das Wort des Herrn ist wahrhaftig, all sein Tun ist verlässlich."

Der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau drückte es 2004 in seiner letzten "Berliner Rede" so aus: Ich zitiere: "...nichts stärkt das Vertrauen der Menschen mehr als die Übereinstimmung von Wort und Tat. Das ist der einfachste Weg, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen - und der ist schwer genug: Sagen, was man tut, und tun, was man sagt." So Johannes Rau.

Wankelmütigkeit oder Unentschlossenheit ist keine Erscheinung unserer Zeit. Das gab es schon immer unter den Menschen. Unter den "Normalbürgern" und unter den "Promis". Auch Bestechlichkeit oder das Einschleimen. Schon Jesus hat diese menschlichen Schwächen gekannt und uns auf die negativen Folgen hingewiesen. Zum Beispiel sagt er in Matthäus 5, 37: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen." Oder er sagt in Matthäus 23, 3 wo er seine Zuhörer und die Jünger vor dem Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten warnt: "...richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen." So Jesus.

Im Psalm 33 werden wir auf Gottes Einstellung zum Handeln hingewiesen: "Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn."

Wenn ich dazu beitragen will, dass die Erde von der Huld Gottes erfüllt wird, beginnt es auch für mich damit, Gerechtigkeit und Recht zu lieben.

Das sind "hehre Worte", "große Begriffe". Alltagstauglich?
Ich bin davon überzeugt, dass das für mich nicht unmöglich ist. Denn:

"Der Herr blickt herab vom Himmel, er sieht auf alle Menschen. Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde. Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten."

Ich bin also nicht auf mich allein gestellt, wenn ich im Guten handeln will. Wenn ich Gutes sagen und Gutes tun will. Wenn ich ein Segen sein will.

Manchmal gerate ich in die Versuchung, mich auf meine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu verlassen. Das sind die Momente, wo ich schnell mal "Ich weiß!" sage. Um dann oft genug zu erleben, dass all mein Wissen, all mein guter Wille nicht ausreichen, um zu helfen oder um einfach nur Mut zu machen. So erlebt mein Nächster eine Enttäuschung und ich selbst mein Versagen.

Warum soll ich anderen und mir das Leben so schwer machen? Warum soll ich es zulassen, dass mich die Not des anderen "runter zieht"? Warum suche ich nach Mitteln und Wegen, um nicht zu versagen? Um als "Held" dazustehen? Nach dem Motto: "Wie's da drinnen aussieht, geht niemand was an!"? Dabei könnte ich es doch besser haben: Gottes Angebot an Sie und mich durch seinen Sohn Jesus Christus lautet: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen."

Daher auch meine Meinung: "Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat." Für mich heißt das: Was für ein Glück, dass ich mich auf Gott verlassen kann.

© Klaus Kükenshöner 2007
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