Donnerstag, der 9. September 2010
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Pfr. Josef Ernst
über: kein konkreter bibl. Bezug

Arzbach (bei Koblenz), am 15.12.2007 (St. Norbert-Kirche)
Sonstige Ansprache

Sie kennen die Situation.
Die Geschenke liegen unterm Tannenbaum, die Familie ist gespannt, was es denn gibt.
Ein großes Paket ist dabei - in buntem Weihnachtspapier.
Die Mutter beginnt es aufzuschnüren.
Noch ist nichts zu sehen außer schönem Seidenpapier.

Schicht um Schicht wird es abgewickelt, bis endlich das Geschenk herauskommt: ein großer goldener Rahmen.

Alle staunen: toll, wunderbar, super!
Auf einmal ruft der Jüngste: Wo ist denn das Bild?

Der großartige weihnachtliche Rahmen. Wer möchte ihn missen? Das Fest muss doch einen Rahmen haben.

Aber wo ist denn das Bild?

Antwort gibt uns der heilige Franziskus -im Herbst 1226, vom Tod gezeichnet:
Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes.
Im Bild des unsichtbaren Gottes erkennen wir nicht nur uns selbst.
Weihnachten ist keine Veranstaltung nur für Kirchenleute.

Hier geht es um alle Menschen, ja um alle Tiere, um alle Dinge, um die Schöpfung, um das Ganze - denn in ihm wurde alles erschaffen. Weihnachten geht es um die ganze Schöpfung. Dem heiligen Franziskus geht es um die ganze Schöpfung.

Das schönste Beispiel ist sein "Sonnengesang".
Franziskus als Poet, mehr noch ist er Prophet.
Er besingt die Natur und die Geschöpfe, weil er sie liebt.

Er findet in der Schöpfung Spuren Gottes und findet sie schön. Deshalb geht er schonend damit um, hat er Ehrfurcht vor allem, was lebt. Alles ist ihm Bote, Zeichen, Symbol für Gott. Und deshalb steht er mit allen Geschöpfen in geschwisterlicher Beziehung: Bruder - Schwester - Geschwister, ist ihm die Erde Mutter.

Der unsichtbare Gott kommt ihm in allem Sichtbaren entgegen. In allem, was ist, will er sich suchen und finden lassen.

Und wie ist das bei uns?

Bauen unsere Beziehungen noch auf der Fähigkeit, im anderen ein Abbild Gottes zu sehen und damit eine Schwester und einen Bruder? Gilt dies auch, wenn wir es mit völlig fremden Menschen aus anderen Kulturen, mit Menschen anderen Glaubens oder gar mit "Feinden" und "Gegnern" zu tun haben?

Ich begreife die Haltung des heiligen Franziskus als eine schwierige, aber heilsame Mahnung für unseren Umgang miteinander. Dass Gott gefunden werden kann - im Vertrauten wie im Fremden.

Wenn wir als Suchende auf andere zugehen und bereit sind, in ihnen etwas Staunenswertes zu finden.

Bild des unsichtbaren Gottes.
Das ist der Ursprung und Angelpunkt der Menschenwürde.
Personalität, Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit aller sind hier begründet.
Jeder Mensch - Ebenbild Gottes.
Das ist seine wahre Größe.
Gott im wahrsten Sinn des Wortes hautnah.

Gott steckt in unserer Haut. Der Unsichtbare ist faszinierend sichtbar geworden und in die Welt gekommen.

Die Weihnachtsgeschichte erzählt von den Alltäglichkeiten unseres Lebens:
Herbergssuche, Kinderkrippe, Kind wickeln, Flucht.
Sichtbarer, hautnaher geht's nicht.

Durch Christus steht die ganze Schöpfung für den heiligen Franziskus unter göttlichem Vorzeichen.

"Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut" so singen wir an Weihnachten.
Da reichen Worte nicht, da gilt es zu singen, Gott zu loben und zu preisen, ihm zu danken.

Und dieses Bild verdient einen goldenen Rahmen, damit wir es nicht aus den Augen verlieren,
und nicht aus dem Herzen.

© Josef Ernst 2007

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