Mittwoch, der 8. September 2010
Predigt herunterladen als PDF, als Text oder per eMail versenden

Olaf Theis (freikirchlich)
über: Markus 5, 1-20

Köln, am 27.10.2007
Sonstige Ansprache

Wir alle haben Fragen, auf welche wir gerne eine Antwort hätten – Fragen die uns wichtig sind. Eine junge Frau hatte eine wichtige Frage an ihre tote Mutter (sie stand vor deren Grab und fragte): "Bist du stolz auf mich?" Andere Fragen könnten sein: "Habe ich es richtig gemacht?" "Habe ich richtig gelebt?" "Habe ich mich für das richtige Studium entschieden?" "Hast du mich lieb?" "Wofür lebe ich?" "Habe ich richtig gepredigt?" usw. Es sind nicht die Fragen danach was wir anziehen sollen oder was es zum Mittagessen gibt. Es sind dies manchmal ganz existenzielle Fragen, auf welche wir eine Antwort brauchen. Es sind Fragen wie sie jeder von uns hat.

Wir lernen den Schlüssel zu einem sinnvollen Leben in den Antworten kennen, welche Jesus gibt. Viele wissen was es bedeutet zu existieren aber sie wissen nicht was es bedeutet zu leben. Das ist ein großer Unterschied. Jesus gibt uns die Antwort wie wir wirklich leben können.

Die heutige Frage kam von einem Mann der so von Dämonen (bösen Geistern) besessen war das er in Grabhöhlen lebte, herumschrie und sich mit Steinen schlug. Er muss eine erschreckende Erscheinung gewesen sein, bevor Jesus ihn traf, aber das waren manche unter uns auch. Die Frage, welche er stellte, betraf ihn direkt.

5, 7 Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?

Die Frage wurde von dem Mann und den Dämonen gestellt, welche den Mann als ihren Kommunikationskanal mit Jesus benutzten. Sie hatten einen anderen Grund zu fragen, als der Mann. Aber sie haben darin übereingestimmt das Jesus in einen Herrschaftsbereich (den Mann) eingedrungen war, welchen sie für sich beanspruchten, der Mann und die Dämonen.

5, 7 Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?

Hier war ein Mann mit einer Frage. Hier sind wir mit unseren Fragen. Wir sind real. Der Mann und Jesus, sie waren es auch. Es ist wirklich geschehen was wir hier lesen. Sonst ist es ein Muster ohne Wert. Genauso wirklich war die Präsenz des Bösen in diesem Mann.

Nach heutiger christlicher Lehre sind Dämonen, in diesem Zusammenhang auch unreine Geister genannt, einst gefallene Engel gewesen. Der Engelfürst, welcher als Satan bezeichnet wird, lehnte sich gegen Gott auf, da er seine Freiheit dazu nutzen wollte, selbst Gott zu sein. Gott sollte gestürzt werden, damit Satan sich selbst auf den Thron setzen und über die Schöpfung herrschen konnte. Satan nahm seine Anhänger für diesen Plan zur Hilfe. Gott war jedoch stärker, ließ Satan und seine Anhänger aus dem Himmelreich werfen und beschränkte Satans Herrschaftsbereich auf die Erde. Von dieser Zeit an werden viele Menschen auf der Erde von Dämonen unsichtbar, aber nicht "unwirkbar", verführt und bedrängt.

Diese Präsenz des Bösen war so real, dass sie sich nach Kräften bemüht hat das Leben des Mannes körperlich und mental zu zerstören. Er war für sich und andere nicht mehr (er)tragbar.

Es ist deshalb eine gute Frage: Was wollte Jesus von diesem Mann?

Natürlich war Jesus nicht da, um diesem Mann Böses zu wollen. Im Gegenteil – er war gekommen, um ihn zu segnen, um ihm zu helfen, um ihn gesund zu machen, um ihn frei zu machen. Das haben die Dämonen in dem Mann natürlich nicht gerne gesehen, denn sie wussten, dass ihre Zeit, mit dem Kommen von Jesus, vorbei war. Sie würden in Kürze ihre fristlose Kündigung bekommen.

Warum hat Jesus diesen Mann nicht alleine gelassen? Nun, ich denke wenn wir seine Situation vorher mit der nachher vergleichen dann wissen wir warum. Warum lässt Gott uns nicht alleine? Warum lässt er uns nicht das Leben leben welches wir wollen? Warum sagt er uns was wir tun und was wir nicht tun sollen? Warum sagt er uns wie wir leben sollen, wie wir andere behandeln sollen, wie wir sie lieben sollen - wie wir ihn lieben sollen? Warum fordert er uns heraus andere Menschen zu sein, Menschen zu seinem Bilde? Warum hat der CEO Gottes (Jesus) diesen einen Mann nicht in Ruhe gelassen? Warum sucht er ihn und warum sucht er uns und vor allem: WARUM LÄßT ER UNS NICHT IN RUHE?

Nun, die Antwort bekommen wir bei Jesus. Das war er tut und sagt gibt uns eine Antwort auf diese Frage. Gott lässt uns nicht alleine, weil: wir das Böse nicht alleine überwinden können. Wir können nicht alleine mit dem Bösen fertig werden.

5, 1 Und sie kamen ans andre Ufer des Sees in die Gegend der Gerasener.
5, 2 Und als er aus dem Boot trat, lief ihm alsbald von den Gräbern her ein Mensch entgegen mit einem unreinen Geist,
5, 3 der hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen. Und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit Ketten;
5, 4 denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen.
5, 5 Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen.
5, 6 Als er aber Jesus sah von ferne, lief er hinzu und fiel vor ihm nieder
5, 7 und schrie laut: Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht!
5, 8 Denn er hatte zu ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, von dem Menschen!

Jesus hat mit dem Bösen nicht über den Mann verhandelt. Er hat diesem befohlen den Mann zu verlassen. Dies war ein Befehl welchem dieser gehorchen musste. Wie bei diesem Mann, gibt es ein Ringen auf geistlicher Seite – ein Ringen um uns. Es ist da, auch wenn wir es nicht wahrnehmen können oder wollen. Es ist ein Ringen welches wir ohne die Hilfe Gottes nicht gewinnen können. Wahrscheinlich wusste der Mann das. So lief er Jesus entgegen, als dieser aus dem Boot gestiegen ist und fiel vor ihm nieder. Das hätten die Dämonen in dem Mann vermutlich nicht getan. Sie wären am liebsten nicht zu Jesus hingelaufen, sondern von diesem weg – weit, weit weg.

Die Dämonen schrien. Aber der Mann fiel vor Jesus nieder!

Wären wir auch zu Jesus hingelaufen, wenn wir ihn gesehen hätten? Wären wir auch vor ihm niedergefallen, wie dieser Mann? Hätten wir das auch getan? Hätten wir Jesus, wie dieser Mann, um Hilfe gebeten, allein indem wir zu ihm hingelaufen wären (er hat ja nicht verbal um Hilfe gebeten)?

Weiter können wir sagen: Jesu Präsenz, seine Gegenwart, störte die Dämonen in dem Mann. In dieser Hinsicht ist Jesus, ist Gott, ein Störenfried. Er stört uns mit seiner Gegenwart, weil seine Gegenwart, auch wenn sie gnädig und heilsam ist, doch gleichzeitig unbequem für das Böse, für die Sünde, in uns ist.

Gott kann uns so richtig auf die Nerven gehen. Haben wir uns nicht schon oft gewünscht diesen lästigen Störenfried in unserem Leben loszuwerden. Wir haben uns so schön eingerichtet, d.h. die Dinge so geregelt wie wir es wollen. Wenn Gott wenigstens so wäre, wie wir ihn uns vorstellen, wie wir ihn uns wünschen. Was will er eigentlich von uns? Wir haben ihn doch nicht gerufen. Wir brauchen ihn nicht. Er stört uns einfach nur. Das Böse in dem Mann hat Jesus auf jeden Fall gestört.

Es gibt unterschiedliche Gründe warum uns die Gegenwart Jesu, bzw. die Gegenwart Gottes stört.

1. Wir wollen unsere Sünden (schlechte Angewohnheiten) nicht aufgeben

Sünden geben uns momentanes Vergnügen. Sie geben uns falsche Erfüllung und falsche Befriedigung. Sie geben uns falsche Freunde. Hinterher sind wir traurig und fragen uns warum wir getan haben was wir taten. Aber im Grunde wollen wir das nicht aufgeben. Jesus hat mal gesagt das die Menschen nicht in sein Licht kommen wollen sondern lieber in der Dunkelheit bleiben möchten.

2. Wir denken, dass wir selber mit unseren Sünden fertig werden

Jesus stört uns manchmal weil wir zu stolz sind zuzugeben, dass wir es alleine nicht schaffen.

Johannes 8, 34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.
8, 35 Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.
8, 36 Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

Jesus brachte dem Mann Freiheit und das ist es was er jedem von uns bringen möchte: Freiheit. Aber dazu müssen wir unseren Stolz loslassen.

3. Wir sind abhängig. Wir können nicht aufhören.

Was wir bei dem Mann sehen ist ein extremes Beispiel. Er war drauf und dran sich selber zu zerstören. Er schlug sich mit Steinen. Er schrie. Niemand konnte ihn ruhigstellen. So sind wir ja äußerlich nicht. Das bedeutet aber nicht das Sünde keinen Anteil an unserem Leben hat. Das beginnt schon viel früher und ist oft unscheinbar. Das fängt ja schon da an wo wir beginnen schlecht über andere zu denken, wo wir über andere schlecht reden. Das kann wie eine Sucht sein. Wir kommen davon nicht mehr los. Wir schaffen das nicht alleine. Wir brauchen Jesus Christus, um davon freizuwerden. Wir haben evtl. mehr mit diesem Mann gemeinsam als wir denken. Wir laufen nur nicht so rum wie er. Wir alle brauchen Gottes Gnade. Wir können ohne diese nicht so leben wie Gott es sich von uns wünscht. Der Mann konnte es auch nicht. Als Jesus ihn fragte wie er heißt antwortete er:

5, 9 Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er sprach: Legion heiße ich; denn wir sind viele.

Eine Legion entspricht ungefähr einem Kontingent von 6000 römischen Soldaten. Eine stattliche Anzahl von Dämonen, die von dem einen Mann Besitz ergriffen hatte. Er hatte gegen sie keine Chance.

480 v. Chr. fand die sog. Schlacht bei den Thermopylen statt. 300 Spartaner verteidigten einen Engpass gegen mehrere tausend Perser. Alle Spartaner wurden getötet. Sie hatten nie eine Chance. Der Mann hatte nie eine Chance gegen das Böse. Er wäre nie und nimmer damit fertig geworden. Er brauchte Jesus.

5, 8 Denn er hatte zu ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, von dem Menschen!

Jesus ließ diese Menge an Dämonen in eine Herde von 2000 Schweinen fahren, welche in den See liefen und kollektiv Selbstmord begingen. So groß war die zerstörerische Kraft, welche von dem Mann Besitz ergriffen hatte. Es ist ein Wunder das er bis zum Kommen von Jesus überhaupt überlebt hatte. Wir erkennen das wir alleine keine Chance gegen das haben was uns zerstören möchte. Selbst wenn wir wollen, schaffen wir es nicht. Der gute Wille alleine reicht nicht aus. Wir brauchen Gottes Hilfe. Wir brauchen Jesus Christus.

Die gute Nachricht ist: Gott will zu uns kommen, so wie Jesus zu diesem Mann gekommen ist. Er will uns helfen. Er will uns segnen. Er will uns von dem frei machen was uns zu zerstören droht.

Wir können mit dem was uns zerstören droht nicht alleine fertig werden. Wir brauchen Gott.
Gott hat diesen Mann nicht in Ruhe gelassen, weil dieser Mann ihn brauchte.

5, 7 Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?

"Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?" Nun, Jesus wollte von diesem Mann nichts haben. Er wollte dem Mann Freiheit geben, Freiheit von dem was ihn zerstören wollte, was ihn zugrunde richtete. Er wollte ihm Freiheit geben und Frieden - Frieden für seine Seele.

Jemand den ich kenne, konnte diesen Frieden in Jesus finden. Er hat zu ihm gebetet und hatte in dem Moment, wo er betete, wie als eine Erhörung seines Gebets Frieden im Herzen. Und nicht nur so ein bisschen Frieden, sondern völligen Frieden.

Aber das war nicht alles was Jesus von dem Mann wollte. Er wollte ihm nicht nur helfen. Er wollte ihn auch gebrauchen. Wir lesen in den Versen 18 bis 20:

5, 18 Und als er in das Boot trat, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm bleiben dürfe.
5, 19 Aber er ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Wohltat dir der Herr getan und wie er sich deiner erbarmt hat.
5, 20 Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, welch große Wohltat ihm Jesus getan hatte; und jedermann verwunderte sich.

Jesus hat diesen Mann als Zeugen in seine Heimat zurückgeschickt.

Es mag sein das wir denken, dass wir nicht qualifiziert genug sind Zeugen für Jesus zu sein, Zeugen für das was er an und für uns getan hat. Nun, der Mann hatte keinen akademischen Grad als Theologe. Er hatte auch keine Ausbildung als Bibellehrer. Sein Zeugnis war sein verändertes Leben. Die Leute wussten ja wie er vorher gewesen war. Sie hatten ja sein Schreien und Toben miterleben müssen. Sie hatten ja Angst vor ihm gehabt. Sie hatten gesehen wie er sich mit Steinen geschlagen hatte. Er hat ja auch nicht mit einem Male anders ausgesehen. Seine Wunden, Beulen und Kratzer waren ja immer noch zu sehen und sicherlich noch nicht ganz verheilt. Sein verändertes Leben war seine Qualifikation. Unser Zeugnis von Jesus besteht nicht so sehr in dem was wir wissen, sondern darin wie unser Leben von Jesus verändert wurde.

Vielleicht denken wir auch, dass die Botschaft von Jesus niemanden interessiert.

Ernest Hemingway erzählt die Geschichte von einem spanischen Vater der sich mit seinem Sohn namens Paco versöhnen wollte. Dazu inserierte er in einer lokalen Zeitung. Die Anzeige lautete: "Paco, triff mich am Hotel soundso Dienstag Mittag. Alles ist vergeben. Ich liebe dich. Papa." Paco ist im Spanischen ein häufiger Name. Als der Vater zum vereinbarten Treffpunkt gegangen ist waren da 800 junge Männer namens Paco, welche auf ihren Vater warteten. Sie alle warteten auf die Vergebung ihres Vaters.

Wir sind, als seine Zeugen qualifiziert genug und es gibt einen Bedarf für die Botschaft von Jesus Christus. Es ist die Botschaft vom Leben, von der Wahrheit, von Frieden, von Vergebung. Gott hat diesen Mann nicht alleine gelassen weil er ihn brauchte. Er brauchte ihn damit die Menschen in seiner Heimat erfuhren wer und was Jesus ist. Vielleicht hatte diesen Mann noch nie jemand gebraucht. Es ist gibt fast nichts schlimmeres wie das Gefühl nicht gebraucht zu werden. Aber Jesus brauchte diesen Mann. Für diesen Mann ist er über den See gefahren, weil er ihn brauchte.

Die Frage war:
5, 7 Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?

Die Antwort ist das Gott etwas von uns will weil wir alleine nicht mit dem was uns kaputt machen will klarkommen. Wir brauchen ihn. Und des weiteren braucht er uns, als seine Zeugen.

© Olaf Theis 2007

Weitere Predigten
 von: Olaf Theis 
 zu: Sonstige Ansprache 
 über: Markus 5  
Predigt im PDF-Format herunterladen
Predigt als Textdatei herunterladen
Predigt als Doc-Format für den PalmPilot
Predigt als eMail versenden

 

Powersearch  Die Bibel  Startseite  NEPOMUK  Impressum  Zurück