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Prediger Klaus Kükenshöner
über:
Ijob 19, 21-29Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 29.10.2007 (Ev. Krankenhaus) Sonstige Ansprache |
Im Zuge der Gesundheitsreformen - mir sind seit den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts mindestes 10 Reformen bekannt - wurde immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand die Frage gestellt: Sollten wir nicht doch mal nach dem Verursacherprinzip vorgehen? Also: die Frage der selbstverschuldeten Krankheit?
Wenn ja, was ist denn dann eine selbstverschuldete Krankheit?
Dazu zitiere ich aus dem Internet:
"Voraussetzung für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung ist, dass die Krankheit unverschuldet eingetreten ist. Sofern der Arbeitnehmer ein Verschulden zu vertreten hat, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern.
Wann liegt 'Verschulden' vor?
Ein Arbeitnehmer hat eine Krankheit selbst verschuldet, wenn ein gröblicher Verstoß gegen das von einem verständigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartende Verhalten gegeben ist und das Abwälzen dessen Folgen auf den Arbeitgeber unbillig wäre (Rechtsprechung).
Dies ist z.B. der Fall, wenn der Arbeitnehmer die Sorgfalt verletzt hat, die ein verständiger Mensch normalerweise im eigenen Interesse anzuwenden pflegt, er sich also die Arbeitsunfähigkeit durch unverständiges, leichtfertiges oder gegen die guten Sitten im Rechtssinne verstoßendes Verhalten zugezogen hat."
Soweit der Kommentar zum Gesetz über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Und dann gibt es im Internet noch ein paar Beispiele, ich zitiere:
"Verschulden liegt vor
- Bei einem Unfall durch übermäßigen Alkoholmissbrauch
- Der Arbeitnehmer hat sich von einem Fahrer befördern lassen, von dem er weiß, dass dieser Alkohol getrunken hat.
- Der Arbeitnehmer hat sich in einer seine Kräfte und Fähigkeiten deutlich übersteigenden Weise sportlich betätigt.
- Der Arbeitnehmer hat die Straße überquert, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten.
- Der Unfall ist passiert, weil der Arbeitnehmer bei Rot über die Ampel gegangen ist.
- Weil er den Sicherheitsgurt im PKW nicht angelegt hatte, ist der Arbeitnehmer bei einem Unfall verletzt worden.
- Die Verletzungen sind aufgrund einer Schlägerei eingetreten." Zitat Ende
Dem geneigten Leser wird auffallen, dass Alkoholmissbrauch nur dann als Verschulden eingestuft wird, wenn daraus unmittelbare Verletzungsfolgen auftreten - nicht aber bei allen anderen, ebenfalls durch Alkoholmissbrauch möglichen Erkrankungen, wie z.B. die Leberzhirrose. Und Nikotinmissbrauch zählt schon erst recht nicht zu den selbstverschuldeten Krankheiten; logischerweise dann auch nicht die Folgeerkrankungen, wie Kehlkopf- und/oder Lungenkrebs, Raucherlunge, Raucherbein.
Obwohl es doch spannend wäre, ein paar von den 17 Milliarden Euros einsparen zu können, die der Versichertengemeinschaft jährlich allein durch die Folgen des Aktiv- und Passivrauchens entstehen. Zum Vergleich: die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen macht im Jahr die Summe von 14 Milliarden aus. Und wegen dieser Familien-Kosten sollte irgendwann einmal während der zurückliegenden Gesundheits-Reformgespräche der Steuerzahler zusätzlich belastet werden. Kein Berliner Volksvertreter traute sich, den Raucher selbst in Regress zu nehmen.
Verlassen wir den Boden unverständlicher politischer Entscheidungen und schauen wir auf dieses Häufchen Elend namens Hiob. Ich merke immer wieder, wenn ich die klugen Ratschläge seiner Freunde nachlese, wie sehr ich dazu neige, ihnen Recht zu geben. Wüsste ich es nicht besser, weil ich die Geschichte von Anfang an gelesen habe.
Dagegen ziehe ich wieder einmal vor diesem Mann Hiob meinen Hut. Denn: er selbst hatte ja keine Ahnung, warum ausgerechnet ihm in diesem Drama zwischen Himmel und Erde die Hauptrolle zugedacht wurde!
Und, wenn ich dann wieder zum Anfang dieser Geschichte zurückkehre, wird das Leid, was Hiob getroffen hat, umso unverständlicher:
"Hast du auch meinen Diener Ijob gesehen? So wie ihn gibt es sonst keinen auf der Erde. Er ist ein Vorbild an Rechtschaffenheit, nimmt Gott ernst und hält sich von allem Bösen fern"
Das sind Gottes Worte! Es kann doch nicht sein, dass Gott nicht verhindert, was nun geschieht. Also: ich habe keine Wahl: ich muss so wie seine Freunde denken. Irgendwas muss da mal gewesen sein! Von nix kommt nix!
Mobbing bis hin zum Rufmord haben oft die gleichen Wurzeln. Wenn z.B. im Betrieb eine Umbesetzung notwendig wurde und damit sogar eine Umgruppierung nach unten verbunden ist. Da mögen die Gründe dem betroffenen Mitarbeiter noch so einleuchtend sein und bei ihm Verständnis hervorrufen. Das Getuschel hinter seinem Rücken über mögliches Versagen oder Fehlverhalten nimmt seinen Lauf.
Weil auch ich es mir gern einfach mache: Schuld - Strafe. Basta!
Jesus hat einen anderen Blick: Ein überdeutliches Beispiel ist uns in Johannes 9, 1 - 3 überliefert:
"Im Vorbeigehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt blind war. Die Jünger fragten Jesus: 'Rabbi, wer ist schuld, dass er blind geboren wurde? Wer hat hier gesündigt, er selbst oder seine Eltern?' Jesus antwortete: 'Weder er ist schuld noch seine Eltern. Er ist blind, damit Gottes Macht an ihm sichtbar wird'".
Ich habe keine Wahl: ich lebe in einer Welt, in der sich Krankheiten aller Art ausbreiten können. Ich kann noch so gesund leben: ich kann trotzdem krank werden. Und dann? Was hilft mir dann weiter? Kluge Sprüche oder Pflege und Gebet?
Gott beabsichtigt nicht, mich krank zu machen. Und Krankheit ist auch kein Kreuz, das ich in der Nachfolge auf mich nehmen soll. Krankheit kann mich treffen. Und Gott kann mich heilen. So versuche ich es zu verstehen.
Amen
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