Mittwoch, der 8. September 2010
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Gemeindereferentin Monika Dittmann (katholisch)
über: Amos 8, 4-7

Wiesbaden, am 22.09.2007 (St. Josef Kirche Dotzheim)
Sonstige Ansprache

Amos (Prophet im Nordreich um 760) nennt die sozialen und wirtschaftlichen Missstände seiner Zeit beim Namen: rücksichtsloses Gewinnstreben auf Kosten derer, die nicht mithalten können oder sich nicht wehren können.

Gott steht diesem Treiben nicht unbeteiligt gegenüber.
Es ist gegen ihn selbst gerichtet.

Der Gott des Bundes verlangt ein Verhalten untereinander, das der rettenden und erwählenden Zuwendung Gottes zu Israel entspricht.

Damals wie heute sorgt der Mensch für sich selbst; oft ohne Rücksicht auf Verluste setzt er sich ins rechte Licht, an die besten Geldtöpfe und den ersten Platz.

Ich meine nicht zuerst oder nur die Großen unserer Gesellschaft.

Ich denke, wir alle sind immer wieder in der Versuchung, uns selbst zuerst abzusichern, die günstigsten Preise zu ergattern und die billigst Ware zu erstehen.

Konsum von Obst und Gemüse auch dann, wenn es nicht die Jahreszeit danach ist – es wird eingeflogen, weil wir im Überfluss leben wollen – und dabei zerstören wir Umwelt, unterstützen wir ungerechte Hungerlöhne auf der südlichen Halbkugel unserer Erde und tragen wir unmenschliche Arbeitsbedingungen mit.

Der billigste Kaffee ist uns gut genug, aber dass er uns schmeckt, liegt nur daran, dass wir uns nicht informieren, woher der Kaffee kommt und unter welchen Bedingungen produziert wird. Immer größere Gewinne beim Sparen und für die Konzerne sind nur möglich, wenn Konkurrenten pleite machen und die Schwachen auf der Strecke bleiben.

Ich könnte die Beispiele weiterführen, die uns deutlich machen: auch wir sind in die ungerechten und von Menschen verursachten Stricke der Armut und der Not, des Unfriedens und der Flüchtlingswellen verwoben.

Ein Zeitgenosse hat einmal gesagt:

"Erst, wenn der letzte Hungernde krepiert,
die Umwelt ruiniert,
die Familie weit fort,
die Seele verdorrt,
werdet ihr erstaunt feststellen,
dass Euer Geld nicht glücklich macht."

Amos trieb es auf die Barrikaden.

Für ihn ist die Stunde der Enttarnung gekommen, die Zeit, die Mentalität derer zu entlarven, die das gesellschaftliche Leben bestimmen. Wer im Buch Amos einmal nachliest, wird feststellen, dass es sich nicht nur um diese wenigen heute für die Lesung ausgewählten Worte handelt.

Es ist eindringliche Sozialkritik, die er verbindet mit der Gerichtsdrohung.
Amos kommt nicht als Wirtschaftsweiser oder Sozialreformer.
Er kommt nicht als Klassenkämpfer oder Neidprediger.
- er kommt als Prophet des lebendigen Gottes.

Die Gerichtsrede mahnt zur sofortigen Gesinnungsänderung.
Er drängt zu einer Entscheidung, die im Heute und Jetzt ihre Auswirkungen hat.
Nur dann kann der Gott des Lebens, der mit seinem Volk verbunden ist, erkannt und geglaubt werden.

Nichts anderes beinhaltet die spätere Verkündigung Jesu:

Aufruf zur Überprüfung des eigenen Lebens, Anstoß, seinen Lebenswandel in Frage zustellen.
Immer wieder hat er deutlich gemacht:
Das Reich Gottes beginnt im Hier und Jetzt.
Es ist nicht Vertröstung der Armen und Unterprivilegierten auf ein heiles Jenseits.
Wer den Himmel predigt und den Menschen die Hölle auf Erden beschert, ist nicht glaubwürdig.

Deshalb hören wir heute im Evangelium in einer Parabel erstaunliche, aufrüttelnde Worte.
Es wird deutlich:

vor Gott muss jeder einmal Verantwortung für sein Leben, sein Tun und Lassen übernehmen. Was immer uns zur Verfügung steht, wir müssen es dankbar annehmen und fruchtbar werden lassen

für das Leben –
für ein Leben, das lebenswert ist und wird,
für ein Leben, das heute schon verkündet, was Gott verheißen hat: Leben in Fülle.

Wer sich in der rastlosen Gier nach Leben (Konsum, Wohlbefinden, Bequemlichkeit, Event und Superlativen aller Art) verliert, der erfährt letztlich sein Leben als Wüste, in der nicht wirklich Leben und Wachstum Platz haben.

Genuss wird zum Verdruss,
Gewinn wird zum Verlust,
Besitz macht armselig.

Hören wir die Worte Jesu heute als einen Anstoß, zu überprüfen, wie wir mit dem uns reichlich anvertrauten Gut umgehen.

Nehmen wir es ganz neu wahr:
Wir können nicht Gott und dem Mammon dienen.

© Monika Dittmann 2007
http://www.st-josef-dotzheim.de/

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