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Gemeindereferentin Monika Dittmann (katholisch)
über:
2. Mose 3, 1-10Wiesbaden, am 07.09.2007 (Kirche Kohlheck) Sonstige Ansprache |
Vielleicht kennen Sie das ja auch –
Da erwähnt man bei den Kindern oder Enkeln, dass am Sonntag eine Fahrt geplant ist ... die Kleinen sind sofort Feuer und Flamme. Sie lassen sich anstecken von der Begeisterung, beschäftigen sich Tag und Nacht mit dem, was da vor ihnen liegt.
Feuer und Flamme sein – da brennt etwas im Menschen, da lodert etwas auf, jemand wird lebendig und ist total begeistert und nichts ist ihm zu schwer.
Total begeistert, vollständig aus dem Häuschen waren die Apostel damals, 50 Tage nach der Auferstehung Jesu. Sie hatten erlebt, dass Jesus nicht einfach auf und davon war. Gottes Geist hatte sie angesteckt, in ihren Herzen brannte etwas – die Gewissheit der Gegenwart Gottes.
Feuer und Flamm, das ist ein kräftiges Bild für einen Seelenzustand.
Feuer und Flamme – das ist aber auch im biblischen Kontext ein sprechendes Zeichen für die Gegenwart Gottes.
Denken Sie an die Feuersäule, die dem Volk Israel in der Nacht zur Seite steht und ihnen Sicherheit gibt, Gottes Gegenwart verheißt. Denken Sie an den Propheten Elija, der in einer fragwürdigen Aktion verdeutlichen will, wer der wahre Gott ist. Feuer kommt vom Himmel und bestätigte Jahwe.
An die Pfingstgeschichte mit den Feuerzungen habe ich eben schon erinnert.
Eine weitere Geschichte gibt es in der Heiligen Schrift, in der Feuer und Flamme Zeichen für Gott, für seine Gegenwart, für sein wirkmächtiges Handeln am Menschen steht:
Sie steht im Buch Exodus.
Wir wollen uns den Text nun anhören.
(Predigttext)
Moses erlebt bei seinem alltäglichen Job in der Fremde – er war ja geflohen und hatte sich eine neue Existenz aufgebaut bei Jitro; wurde sein Schwiegersohn und weidete dessen Herden – etwas Außergewöhnliches.
Moses überschreitet das gewohnte Areal, geht über die Grenze des bekannten Gebietes hinaus und betritt fremden Boden. Dort erlebt er dann ein merkwürdiges Schauspiel in dessen Folge sich Gott offenbart, und er zu seiner Berufung findet.
In den Flammen spricht ihn Gott an.
Im Feuer scheint ihm ein unlösbarer Auftrag auf.
Gott offenbart sich mit dem wunderbaren Namen "Ich bin da".
... und Mose fängt an, mit Gott zu verhandeln. Er will sich herauswinden, seine Sicherheit nicht aufgeben.
Seine Schwäche, seine Unfähigkeit, seine Ahnungslosigkeit und mangelnde Sprachbegabung ... all das bringt er ins Wort.
Aber das Feuer brennt.
Es verlöscht nicht.
... auch nicht in ihm ....
Es lässt ihn nicht los, was sich da in ihm eröffnet.
Zweifel und Fragen, Ängste und Unsicherheit ... wie weggebrannt wird es in dieser Gottesnähe.
Die innere Auseinandersetzung mit einem so schwierigen Auftrag läutert ihn, wie Feuer Gold läutert, von Unreinheit säubert. Er geht buchstäblich durchs Feuer mit seiner Befindlichkeit ... um dann frei zu sein für die Berufung, die Gott ihm überträgt.
Wer von Gott berufen wird,
ist erst einmal Kämpfen ausgesetzt,
gerät in Not, zweifelt, muss zurücklassen und hat unbekannte Wege vor sich.
Bis er selbst entflammt ist für das Wirken Gottes an sich selbst und durch ihn an anderen, bedarf es heißer Stunden, vielleicht Nächte und glühender Gespräche mit anderen, mit sich selbst oder auch mit Gott.
Mose wird zu einem glühenden Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Feuer und Flamme als sprechendes Zeichen für Gott und seine Gegenwart -
Feuer und Flammen werden besonders sichtbar in dunklen Nächten (Lagerfeuer, Leuchtfeuer an der Küste).
Ich weiß nicht, ob das auch Ihre Erfahrung ist.
In dunklen Zeiten, in großen Nöten und unendlicher Finsternis, wenn nichts in Sicht ist ... dann irgendwann leuchtet es mir oft besonders deutlich ein, dass Gott gerade mitten in dieser Lebenssituation gegenwärtig ist. Oft muss ganz viel in mir erst verbrennen und geläutert werden; die Asche der Bequemlichkeit und der Selbstsicherheit muss ausgeräumt werden; oft entdecke ich den ersten Funken der Erleuchtung und Klarheit gar nicht. Aber irgendwann wird mir deutlich:
Du bist durch das Feuer gegangen – und genau in diesem Prozess hat dir Gott neue Wege gewiesen, neue Aufgaben zugedacht, andere Menschen anvertraut. Und ER selbst hat mir das Herz gewärmt, mich neu entfacht; meine Mutlosigkeit und Kraftlosigkeit ist wie ausgelöscht.
Feuer und Flamme für das Gottesreich – so hat sich Gott auch uns gedacht.
Wir sind zwar oft nur erloschene Vulkane.
Wir sind oft nur noch ein glimmendes Etwas.
Aber vom Grund unserer aller Berufung her sind wir berufen, das Feuer der Liebe Gottes in uns und weiter zu tragen.
In Jesus wurde die ungeminderte Glut der Liebe Gottes deutlich.
In Jesus erkennen wir, wie ein Mensch ist, lebt und handelt, der Feuer und Flamme für Gott und sein Reich ist. Aber auch, wie das göttliche Feuer niederreißt, damit neues Leben aufbrechen kann.
Nicht umsonst gibt es in der katholischen Kirche den guten Brauch der Osterkerze.
Jesus ist die Glut Gottes, das göttliche Feuer, das nicht vernichtet und erstickt werden kann.
Nicht Tod und Not, nicht Mächte und Gewalten können ihn auslöschen.
Deswegen wird an Ostern die Osterkerze entzündet. Christus ist auferstanden.
Er ist nicht tot zu kriegen.
Gott ist lebendig.
ER ist da,
er ist der Ich-bin-da ... auch in der größten menschlichen Not: dem Tod.
Osterkerze anzünden
Und das Großartige ist:
Wir dürfen daran Teil haben.
In der Taufe wird nicht nur die Taufkerze an der Osterkerze entzündet.
Unser Leben bekommt Anteil am göttlichen Feuer.
Wir sind angesteckt,
ansteckt zur Liebe.
Angesteckt, damit wir Licht und Wärme sind - auch für andere.
Entzündet, damit in dieser Welt immer wieder Leuchtfeuer der Hoffnung auflodern.
Taufkerze anzünden
Das ist unsere Berufung:
Wie die dann persönlich aussieht ... das ist die
je eigene Lebens- und Glaubensgeschichte.
Wie Sie und ich von Gott durch das Feuer geführt, geläutert, oft schmerzhaft vorbereitet werden, das nehmen wir oft erst im Nachhinein wahr. Wie sich mir Gott offenbart, hat zu tun mit meiner Fähigkeiten und Begabungen, aber auch mit meiner Unfähigkeit, wenn ich sie denn zulassen, damit Gott an mir anfangen kann, zu wirken.
Lassen wir uns heute einmal einige Fragen gefallen:
Was ist mit meiner Gottesbeziehung?
Bin ich noch Feuer und Flamme für Gott?
Glüht in mir noch das göttliche Feuer?
Was erstickt meine Glut?
An wem kann ich mich neu entfachen, wer ist mir hilfreich für mein Glaubensleben?
Wo finde ich einen Ort, wo die Wärme des Gottesreiches auch mir weiterhilft?
Aber auch:
Was muss in mir geläutert werden, damit ich wieder Feuer und Flamme sein kann – gespeist von der göttlichen Glut der Liebe und der Begeisterung für das Leben? Welche Altlasten, Schmerz, Enttäuschung und Frustrationen ersticken wie Asche das innere Feuer in mir?
Wer wartet schon lange auf Wärme und Licht, das ich ihm hätte geben können?
Dieser gemeinsame Gottesdienst kann uns ermutigen.
Lassen wir uns neu entfachen.
Lassen wir die Sehnsucht nach Gottes Nähe, die in uns vielleicht nur noch glimmt, zu
und wenden wir uns neu hinzu dem Gott,
der auch uns sagt:
Ich bin da.
Ich sende Dich.
Ich habe dich beim Namen gerufen.
Wo Du bist, lebst, wirkst, ist heiliger Boden.
Dein Leben ist mir kostbar und wertvoll.
Ich rufe Dich heraus aus dem all zu alltäglichen.
Überschreite Deinen Grenzen und eingefahrenen Wege und du wirst ganz neu erleben:
Ich bin da.
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