Mittwoch, der 8. September 2010
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Olaf Theis (freikirchlich)
über: Markus 10, 35-45

Gerolstein (bei Köln), am 29.07.2007 (Jugendherberge)
Sonstige Ansprache

Freizeit

10, 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
10, 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;

Das generelle Thema dieser Freizeit hat mit "Leben" zu tun: "Leben in der Welt" und "Leben vor Gott". Ich hoffe wir haben Anregungen gefunden wie wir in der Welt und vor Gott leben können, bzw. sollen. Heute haben wir als Thema "Leben in der Gemeinde". Dazu möchten wir über den heutigen Text nachdenken, den die meisten von uns sicherlich kennen, insbesondere Vers 45. Wenn wir diesen Text betrachten liegt der Fokus zumeist auf diesem Vers. Dort steht das Jesus gekommen ist, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Das der Fokus auf diesem Vers liegt ist sicherlich richtig, weil es ein wichtiger Vers ist, durch welchen wir Jesus näher kennenlernen können. Jesus hat in diesem seinem Ausspruch auf sein eigenes Beispiel verwiesen. Er wollte seine Jünger, er wollte die Christen, auf einen wichtigen Punkt hinweisen. Er tat dies durch die folgenden Worte:

10, 42 Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
10, 43 Aber so ist es unter euch nicht;

Mit diesen Worten weist Jesus darauf hin, dass unter den Christen ein anderes System von Autorität/Herrschaft vorherrschen muss, anders als es in der Welt verwendet wird. Autorität unter Christen ist nicht vom gleichen Ursprung abgeleitet, wie weltliche Herrschaft - noch wird diese Herrschaft auf dieselbe Weise ausgeübt, wie in der Welt. Die weltliche Vorstellung von Herrschaft setzt Menschen übereinander. Sie gleicht einer Machtpyramide, in welcher die Macht zur Spitze hin immer mehr anwächst. Dieses Modell von Herrschaft finden wir in militärischen Befehlsstrukturen, Firmen, Behörden, Regierungssystemen, überall – leider auch in Gemeinden und Kirchen. Das ist so und es ist wohl, für weltliche Organisationen, auch notwendig dass es so ist.

Die Welt kann wegen des durch den Sündenfall geschaffenen Konkurrenzdenkens und angesichts der Aufsässigkeit und Rücksichtslosigkeit der sündigen menschlichen Natur nicht ohne den Gebrauch von Befehlsstrukturen und Führungsentscheidungen auskommen. Sie würde ohne diese im Chaos enden.

Aber Jesus betont ausdrücklich das das Verhältnis, das Autorität unter Christen anders sein soll.

10, 43 Aber so ist es unter euch nicht;

Anders soll es sein, das Zusammenleben in der Gemeinde, das Zusammenleben unter Christen. Anders soll das Leben in der Gemeinde sein – anders als in der Welt. Das ist es was Jesus seine Jünger damals und uns heute lehren möchte.

1. Eine einfache Bitte (35 - 41)

Jesus und seine Jünger sind auf Jerusalem zugegangen. Er hat ihnen neben seinem Tod auch seine Auferstehung angekündigt. Der Text berichtet dass diese sich fürchteten (32). Nach dem Lukasevangelium verstanden sie auch nicht was er zu ihnen sagte (Lukas 18, 34). Zweimal hatte Jesus zuvor davon zu ihnen gesprochen. Auch beim 2ten mal wird im Markusevangelium berichtet das seine Jünger ihn nicht verstanden und sich davor fürchteten ihn zu Fragen. Jetzt standen die Ereignisse unmittelbar bevor, von denen Jesus gesprochen hatte. Es ist etwas anderes ob angekündigte Ereignisse in ferner Zukunft liegen oder unmittelbar bevorstehen, zumal wenn davon sehr viel abhängt. Jeder der vor einer Prüfung steht, einen schwierigen Vortrag zu halten hat oder vor einer entscheidenden Situation steht weis wie das ist. Kurz zuvor kann dies manchmal zu einer richtigen Lebenskrise werden.

Vor allem wenn ein Scheitern abzusehen ist oder die Dinge nicht so ausgehen wie wir uns dies vorgestellt haben, stellt sich ein Verlustgefühl ein. Wir meinen zu kurz zu kommen. Das ist nicht besonders angenehm. Ich habe einen bestimmten Kurs an der Uni dreimal besuchen müssen, nur um dann am Ende, als Einziger, doch nicht zu bestehen. Die Teilnahme war letztlich, wenn man sich am Erfolg orientiert, vergeblich. Da stellt man sich schon mal die Frage nach dem Sinn, bzw. dem "Warum?" oder "Was habe ich davon?".

Diese oder ähnliche Fragen werden die Jünger auch gehabt haben. Petrus hat stellvertretend für diese gefragt (an anderer Stelle):

Matthäus 19, 27 Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?

Jesus hat darauf geantwortet:

Matthäus 19, 28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

Jesus hat ihnen versichert das ihr Einsatz, das das was sie für ihn freiwillig aufgegeben haben, und das war sicherlich nicht wenig, das das letztlich nicht unbelohnt bleiben wird. Sie werden eine besondere Stellung in seinem Reich einnehmen, auf zwölf Thronen sitzen und über die zwölf Stämme Israels richten. Dies hat Jesus ihnen zugesichert. Das ist wirklich ein großartiges Versprechen.

Vor diesem Hintergrund steht deshalb u.a. auch die folgende Bitte:

10, 35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden.
10, 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?
10, 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.

Bingo! Da war es also endlich heraus:

10, 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.

Johannes und Jakobus beanspruchten die beiden Plätze zur Rechten und Linken von Jesus. Dies sind die Ehrenplätze, wo die wirklich wichtigen Leute sitzen. Wenn bei unserer Firma Festivitäten stattfinden, dann gibt es Platzkarten die sicherstellen dass die wirklich wichtigen Mitarbeiter zusammen sitzen. Andere dürfen dort nicht Platz nehmen. Wo wir sitzen, bzw. neben wem ist oft ein Zeichen unseres Sozialstatus, unserer Beliebtheit, unseres Ansehens, unserer Wichtigkeit, unserer Macht. Und das ist uns wichtig, glaubt es mir! Es spiegelt den Wert wieder welchen wir im gesellschaftlichen Kontext haben. Wir können deshalb vielleicht auch die Bitte der beiden Jünger verstehen, direkt neben Jesus, in seinem Reich, sitzen zu können. Hätten sie diese Plätze sicher, wären sie noch etwas wichtiger, noch etwas mächtiger und noch etwas einflussreicher als die übrigen zehn Jünger. Und das macht eine Menge aus. Die Reaktion der übrigen Jünger, auf diese Bitte, finden wir in Vers 41:

10, 41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

Sie waren unwillig über die Bitte der beiden – wohl auch weil jeder von den übrigen sich insgeheim auch einen der beiden Plätze neben Jesus beanspruchte. Nur hatten sie sich nicht getraut zu fragen! Das war nun wirklich falsche Bescheidenheit. Sie waren auch nicht besser und schlechter als Johannes und Jakobus, nur weil sie nicht gefragt hatten. An anderer Stelle wird berichtet:

9, 33 Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er daheim war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg verhandelt?
9, 34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei.

Auch hier ging es schon darum wer der Größte unter ihnen war. Wir werden hier also nicht mit einem punktuellen Anliegen konfrontiert, sondern einem permanenten. Jeder von ihnen wollte der Größte sein und dies u.a. in seiner Stellung zu Jesus, für alle sichtbar, manifestieren. Und jetzt da es dem Ende zuging ging es darum sich die besten Plätze zu sichern – weil: es gibt nur einen rechten und nur einen linken Platz neben Jesus.

Wir würden ja nie eine solche Bitte äußern, nicht wahr? Oder doch? Stellt euch doch mal vor was wir in solch einer Position alles für Möglichkeiten und Vollmachten hätten? Wir könnten es allen mal zeigen wie man es richtig macht. Was könnten wir da nicht alles für die Weltmission tun, in solch einer Position? Morgen wäre die Uni Köln evangelisiert, übermorgen alle Hochschulen Deutschlands, dann Europas usw.

Nun, ich denke wir würden diesen Wunsch nicht öffentlich äußern. Aber in unseren Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen da tun wir es schon. Da sind wir den Jüngern gleich!

Wie hat Jesus auf ihre Bitte reagiert?

10, 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?
10, 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;
10, 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

Wir sehen hier dass Johannes und Jakobus der Meinung gewesen sind die Richtigen für diesen Posten zu sein. Sie waren überzeugt dass sie die Richtigen waren und dass ihnen natürlicherweise die Plätze neben Jesus zustanden. Sie waren nur "höflich" genug dies in eine direkte Bitte zu kleiden.

Ich weis nicht was wir geantwortet hätten. Vielleicht hätten wir sie für ihre "unverschämte" Bitte getadelt. Nun, Jesus hat sie erstaunlicherweise nicht getadelt. Er hat ihre Bitte ernst genommen. Zu seiner Rechten und Linken zu sitzen steht denen zu denen es bestimmt ist. Es ist Gnade zu seiner Rechten und Linken zu sitzen. Wir können uns dies nicht erarbeiten und wir haben auch keinen Anspruch darauf. Es wird denen zuteil werden die dafür bestimmt sind, unabhängig davon was diese geleistet haben bzw. bereit sind zu leisten. Es ist alleine Gnade!

2. Aber so ist es nicht unter euch (41 - 45)

10, 41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

Die Reaktion der Zehn hatten wir schon gesehen. Sie waren ungehalten, weil sie sich diese Plätze auch insgeheim gewünscht hatten und ihnen Johannes und Jakobus lediglich, mit ihrer Bitte, zuvorgekommen waren.

Wir sehen hier ein, nach Jesu Ansicht, ernsthaftes Problem, welches unter ihnen erwachsen ist. Es ist dabei mehr ein Zustand als ein Problem. Es ist ein Zustand um den wir alle wissen. Es geht um Macht, Ansehen, Prestige. Es geht ums Herrschen. Das ist es was Jesus sagt.

10, 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

Jesus spricht vom Herrschen und davon dass Gewalt angetan wird. Jesus hat hier nichts neues erzählt. Er wusste es und sie wussten es und er wusste dass sie es wussten und sie wussten dass er es wusste. Jesus hat diesen Zustand nicht angeprangert und nicht dagegen geklagt. Es ist einfach so wie er es sagt. In dieser Welt gibt es Herrscher und diese sind mit Macht und Autorität ausgestattet. Paulus schreibt im Römerbrief:

Römer 13, 1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.

In der Barmener theologischen Erklärung (Die Barmer Theologische Erklärung, auch Barmer Bekenntnis genannt, war das theologische Fundament der Bekennenden Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus) (1934) lesen wir in Punkt 5:

"Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt."

Wir lesen dort aber auch, im gleichen Atemzug:

"Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. ..."

Stattliche Ordnung hat ihre Berechtigung, weil wir in dieser unerlösten und gefallenen Welt sonst im Chaos leben würden. D.h. nicht das jede Staatsform und jede Herrschaft gut ist. Oft, und das sagt Jesus, halten deren Herrscher ihre Völker nieder und tun ihnen Gewalt an.

10, 42 Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

Und dann kommt das was uns nachdenklich machen sollte, denn Jesus sagte zu ihnen, zu seinen Jüngern, nicht etwa das es bei ihnen nicht so ist. Er hat ihnen nicht bestätigt dass bei ihnen alles in Ordnung ist. Das hat er ihnen nicht gesagt.

10, 43 Aber so ist es unter euch nicht;

Unter ihnen, den Jüngern, den Christen, soll es anders sein – nicht nur so ein bisschen anders, sondern völlig anders. Während der letzten 2000 Jahre hat die Kirche und mit ihr die meisten christlichen Organisationen und Gruppierungen diese Worte praktisch ignoriert. Vielleicht mit den besten Absichten, haben sie dennoch wiederholt im Großen und Ganzen die autoritären Strukturen der Welt entliehen, die Namen der Führer von Königen, Generälen, Kapitänen, Präsidenten, Statthaltern, Sekretären, Leitern und Chefs geändert in Päpste, Patriarchen, Bischöfe, Verwalter, Diakone, Pastoren, Älteste und Hirten und sind ihren Weg gegangen, über die Brüder zu herrschen und so das Modell der Dienerschaft zu zerstören, dass Jesus im Sinn gehabt hat.

Christen haben so sehr Jesu Worte vergessen, dass sie häufig die Muster der weltlichen Herrschaft kopiert haben, ohne sich um die Änderung der Namen zu scheren, und haben Kirchen, Missionsgesellschaften, Jugendorganisationen, Schulen, Akademien und Seminare, alle im Namen von Jesus Christus, aber mit Präsidenten, Direktoren, Managern, Leitern und Chefs, die sich in keiner Weise von weltlichen Strukturen unterscheiden und auch deren Macht ausüben. Wir lesen schon im 3 Johannesbrief:

3. Johannes 1, 9 Ich habe der Gemeinde kurz geschrieben; aber Diotrephes, der unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht auf.
1, 10 Darum will ich ihn, wenn ich komme, erinnern an seine Werke, die er tut; denn er macht uns schlecht mit bösen Worten und begnügt sich noch nicht damit: er selbst nimmt die Brüder nicht auf und hindert auch die, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde.

Dieser Mann, Diotrephes, hat seine Position "er wollte der Erste sein" dazu benutzt Macht und Autorität über andere, nach seinem menschlichen Ermessen auszuüben. Aber Leitung in einer Gemeinde, das weiden von Schafen, das sich um sie kümmern soll anders sein. Petrus schreibt:

1. Petrus 5, 2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;
5, 3 nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.

Leitung, bzw. Führung hat mit Vorbild zu tun und nicht mit Macht, wie es in der Welt der Fall ist. Ich zitiere nochmals aus der Barmener Erklärung, Punkt 4:

"Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen."

Der Weg zu wirklicher Größe führt, nach Jesus, nicht darüber über wie viele Menschen man herrscht, über wie viele man Autorität ausübt. Hitler, Stalin, Kim Il Sung, Herodes d. Große, Napoleon Bonaparte, Augustus und wie sie alle heißen, haben mit Gewalt geherrscht, mit Blut, mit Schweiß und mit Tränen und denen über die sie herrschen Gewalt angetan.

Kennt ihr Susanna Heng (23) oder Peter Heng (22) oder Barbara Heng (19)? Ich kenne sie nicht. Außer dem gemeinsamen Nachnamen, welcher sie als Geschwister ausweist haben sie gemeinsam das sie alle am 29.12.1944 gestorben sind. Ihre Grabsteine finden sich auf dem nahegelegenen Friedhof, und liegen nebeneinander. An einem Tag sind diese drei gestorben und einer Familie ist unermessliches Leid zugefügt worden, Leid das von einem Krieg herrührt welchen ein Diktator, in seinem Streben nach Macht, angefangen hat, ohne zu fragen was dies für Millionen von Menschen bedeutet. Wo herrschen auf diese Weise geschieht ist es so wie Jesus es sagt, da tun die Mächtigen und Herrschenden den Menschen Gewalt an.

Wahre Größe geht jedoch nicht diesen Weg. Wahre Größe besteht, laut Jesus, darin zu dienen.
...sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
10, 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
10, 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Jesus selber ist uns das beste Beispiel. Er zeigt uns dass es funktioniert. Er erlangt unseren freiwilligen Gehorsam durch seine Liebe, indem er uns dient. Der Schlüssel dazu auf andere Einfluss auszuüben, sie zur Nachfolge zu motivieren, besteht darin ihnen zu dienen und nicht über sie zu herrschen.

Wie hat Jesus gedient? Die vier Evangelien bezeugen wie Jesus seinen Jüngern und den Menschen, die zu ihm gekommen sind, gedient hat. Jesus hat ihnen gedient, indem er sie geheilt hat. Er hat ihnen gedient indem er sich um ihre körperlichen Bedürfnisse gekümmert hat (Speisung d. Fünftausend). Er hat einer Mutter den toten Sohn wiedergegeben. Er hat seinen Jüngern gedient, indem er sie über den Weg zu Gott gelehrt hat. Er hat ihnen gedient indem er ihnen Gott als ihren Vater bekannt gemacht hat. Er hat ihnen gedient indem er für sie gebetet hat, insbesondere für Simon Petrus, dass dessen Glaube nicht aufhöre. Er hat ihnen gedient indem er ihnen die Füße gewaschen hat und nicht etwa die Leviten gelesen. Er hat ihnen gedient indem er seine Jünger in Schutz gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten genommen hat. Er hat ihnen gedient, indem er für sie gestorben ist.

Jedem von uns hat Jesus gedient. Für jeden von uns hat Jesus Zeit gehabt. Mit jedem von uns hat Jesus Geduld gehabt. Jedem von uns hat Jesus Schuld vergeben, bzw. möchte dies tun. Jeden von uns hat Jesus so angenommen wie er ist. Bei ihm mussten wie nie jemand anderes sein. Jeden von uns hat Jesus getragen, wenn wir keine Kraft mehr hatten und nicht mehr weiter wussten. Jedem von uns hat Jesus einen absoluten Sinn in unserem Leben gegeben und einen Platz wo wir ihm dienen können. Jeden von uns hat Jesus geliebt. Für jeden von uns hat Jesus gebetet. Für jeden von uns hat Jesus sein Leben gelassen, damit wir wieder zu Gott können. Jedem von uns hat Jesus bis zum Ende gedient weil er uns liebt.

Deshalb ist Jesus das beste Beispiel, wie wir untereinender in der Gemeinde leben sollen. Und dieses Zusammenleben soll sich, nach Jesus grundsätzlich von dem Leben in der Welt unterscheiden. Wir sollen nicht herrschen sondern dienen, wie Jesus gedient hat und der Welt eine gänzlich neue Form der Autorität zeigen, die mit Gnade einhergeht und nicht mit dem Gesetz.

10, 42 Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
10, 43 Aber so ist es unter euch nicht;

© Olaf Theis 2007

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