Mittwoch, der 8. September 2010
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Lek. Willy Krüger (evangelisch)
über: kein konkreter bibl. Bezug

Osnabrück, am 04.08.2007 (Lutherkirche)
Sonstige Ansprache

Wochenschlussandacht

"Das Leben beginnt mit einer Begegnung"
Dieser Satz stammt vom jüdischen Theologen Martin Buber.
Das Kind, der neue Erdenbürger,
begegnet seiner Mutter, seinem Vater.
Sicherlich wird es mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt.
Jemand sagt "Du",
und das ist der Anfang zum eigenen "Ich".
Jemand spricht mich an, nimmt mich als Mensch wahr.
Ich bin nicht einfach Luft, ich bin wer,
ich bin wertvoll, denn sonst würde ja niemand mit mir reden.

Klar, biologisch fängt mein Leben schon vorher an.
Kommunikation braucht nicht unbedingt "Sprache".
Aber wo ich mein Leben bewusst wahrnehme,
brauche ich andere Menschen, brauche ich die Begegnung.

Je älter ich werde, umso deutlicher spüre ich den Drang zur Begegnung.
Als erstes sind es Mutter und Vater.
Im Laufe des Lebens werden es immer mehr Menschen.
Jahre später, wenn man das erste Mal verliebt ist freut man sich auf jede weitere Begegnung.
Unser ganzes Leben ist eine einzige Stätte der Begegnung.

Es sind Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.

"Das Leben beginnt mit einer Begegnung"
und das ist die Begegnung mit Gott –
er hat mich nach seinen Vorstellungen gemacht.
Gott nennt mich bei meinem Namen,
und ich beginne zu Leben.
Gott spricht mich an,
und das Leben beginnt.
In der Bibel lesen wir:
"Am Anfang war das Wort
und das Wort ward Fleisch,
und alles ist durch das Wort geschaffen."
(Johannes 1, 1 - 3)

Wenn ich persönlich in der Bibel nach einer großen Begegnung suche,
dann fällt mir als vielleicht folgenreichste Begegnung "Paulus" ein.
Er erzählt in der Bibel mehrfach von seinen Bekehrungs- und Berufungserlebnissen.

In der Apostelgeschichte finden wir drei solche Beschreibungen seiner Christuserscheinungen bei Damaskus.

Auch Paulus brauchte eine Begegnung,
um dem Leben bewusst zu begegnen:
"Saul, Saul, warum verfolgst du mich?"

Mit dieser Frage wurde Saul aus der Bahn geworfen.
Plötzlich mit einem Schlag sah er nichts mehr.
Plötzlich wusste er nichts mehr.
Er entdeckte für sich:
Ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht was ich tue.

Er stellt nur die Frage:
"Wer bist du, Herr?"

Auch uns geht es oft so,
wenn wir mit Christus unterwegs sind.
Viele Fragen begleiten uns,
entscheidend ist aber, dass wir sie überhaupt stellen.
Wenn Gott uns seine Herrlichkeit zeigt,
dann können wir durch diese seine Schöpfung,
Antworten erfahren,
wer wir sind, und was wir können.
Das bedeutet:
An Gott kommt keiner vorbei.
Jesus Christus ist es, der uns führt und leitet.
Von ihm geht unser Lebensstrom aus von einer Begegnung zur anderen.

Paulus erkannte:
"Ich muss nicht besser sein,
um Gott zu gefallen.
Ich muss nichts leisten,
ich muss nur empfangen.
Ich kann so, wie ich bin,
ein Werkzeug Gottes werden.
Ich bin von Gott angenommen,
er will mich so wie ich bin."

Das Leben beginnt mit einer Begegnung.
Das Leben wächst an den Aufgaben die uns Gott aufträgt,
es wächst also auch mit und durch unsere Begegnungen.

Lass dich bei deinem Namen rufen,
lass dich in seinen Dienst nehmen.
Dann wird dein Leben wirklich Leben sein,
und du wirst mit immer wieder neuen,
aufregenden Begegnungen neues lebendiges Leben erfahren.

Wir singen EG 564
Wo zwei oder drei

Wo zwei oder drei
in meinem Namen versammelt sind
da bin ich mitten unter ihnen.


Die Begegnung muss keine Massenveranstaltung sein,
nein, Jesus Christus ist im kleinsten Kreis unter uns.

Die vielleicht größte Begegnung,
sie findet statt in meiner ganz persönlichen Begegnung mit Gott.
Im Gebet.
Wir alle wissen, beten ist nicht gleich zu setzen mit Reden.
Mit Gott kann ich auch schweigend kommunizieren,
ich muss nicht immer reden,
manchmal muss ich nur zuhören.

Diese kleinste Form der Begegnung führt uns immer wieder zu neuen großen Begegnungen.

Begegnung mit Gott, dazu lesen wir im Alten Testament:

Und ich will ihnen en Herz geben,
dass sie mich erkennen sollen,
dass ich der Herr bin.
Und sie sollen mein Volk sein,
und ich will ihr Gott sein;
von ganzem Herzen werden sie sich zu mir bekehren.
Jeremia 24, 7

Wenn wir die Bibel lesen,
hat auch das mit Begegnung zu tun.
Durch die "Heilige Schrift" wird Gott in Christus für uns "sichtbar".

Wir werden in eine vollkommene Beziehung zu Gott in Verbindung mit der ganzen Schöpfung eingebunden.

Wir werden immer wieder ermutigt in der Schrift zu lesen.
Das setzt eine innere Haltung der Offenheit gegenüber dem Anderen voraus und die Bereitschaft,
das Risiko einer Begegnung einzugehen,
bei der wir nicht von vorneherein wissen können,
wie sie sich entwickeln wird.

Bei einer Begegnung mit einem mir bis dahin fremden Menschen,
muss ich auch das Risiko eingehen,
diesen Menschen erst einmal kennen zu lernen,
er wiederum muss ja auch die Gelegenheit haben,
mich kennen zu lernen.

Begegnungen sind auch Geschenke.

Damit meine ich nicht das physikalische Aufeinandertreffen zweier Menschen, nicht das Sich-Gegenüberstehen zweier Körper.

Ich meine das Treffen zweier Herzen,
die Begegnung zweier spiritueller menschlicher Wesen.

Menschen können sich begegnen auf der Basis ihres Ichs,
ihrer Persönlichkeit. Da treten sie dann als Einzelwesen auf.
Jeder steht für sich, spielt eine Rolle,
grenzt sich dem anderen gegenüber ab,
und diese Begegnung bleibt oberflächlich.
Das ist das, was wir in unserer Gesellschaft als den üblichen Kontakt ausdrücken.

Gelegentlich passiert es aber,
dass sich zwei Menschen von Wesenskern zu Wesenkern begegnen.
Solch eine Begegnung geht tief,
ist ein spüren in den anderen hinein –
hier sprechen wir von einer Begegnung,
die von Herz zu Herz geht.

Das kennen wir doch,
werden Sie jetzt denken, richtig,
Liebe breitet sich aus, und beide wissen,
dass sie sich gleichen.
Trotz alles Unterschiede,
die eventuell in ihrer Persönlichkeit zum Ausdruck kommen.

Begegnung wird zur Verbundenheit, ja zur Verschmelzung.
Bei einer solchen Begegnung haben wir dann den Wunsch,
noch tiefer zu gehen, wir möchten festhalten auf ewig,
was im Moment so einzigartig scheint.

Ich fand dazu einen wunderbaren Text von Ute Schmadalla:

Wenn ich gen Himmel schaue,
sehe ich dieselbe Sonne.
Ich spüre die eine Kraft,
höre den gleichen Ton.

Dein Bild vor mir,
fühle ich das starke Band,
das uns in Liebe verbindet,
wo immer wir sind.

Erinnere dich:
Wir kommen von einem Ort,
leben in einem Raum.
Nichts kann uns trennen.
Wir sind niemals weit entfernt.

Wir beide sind ein liebevoller Teil des anderen,
und im Grunde sind wir eins.
Jenseits, hinter dem Regenbogen,
erträumen wir uns eine andere Welt:

Berge, so hoch das Auge reicht,
weiße Vögel am blauen Himmel,
Wälder, Seen und Flüsse,
Nahrung im Überfluss,
Liebe, Wärme, Freiheit.

Tief in uns drin,
unter dem Regenbogen,
finden wir, wonach wir suchen
wird der Traum vom Paradies zur Wirklichkeit.

Amen.

Wir singen:
Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn

Refr.:
Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn,
voneinander lernen miteinander umzugehn.
Aufstehn, aufeinander zugehn und uns nicht entfernen,
wenn wir etwas nicht verstehn.

1.
Viel zu lange rumgelegen,
viel zu viel schon lamentiert.
Es wird Zeit, sich zu bewegen,
höchste Zeit, dass was passiert.

2.
Jeder hat was einzubringen,
diese Vielfalt wunderbar.
Neue Lieder wolln wir singen,
neue Texte laut und klar.

3.
Diese Welt ist uns gegeben,
wir sind alle Gäste hier.
Wenn wir nicht zusammenleben,
kann die Menschheit nur verliern.

4.
Dass aus Fremden Nachbarn werden,
das geschieht nicht von allein.
Dass aus Nachbarn Freunde werden,
dafür setzen wir uns ein.

Text und Melodie: Clemens Bittlinger

© Willy Krüger 2007
http://willykrueger.de/

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