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Olaf Theis (freikirchlich)
über:
Johannes 5, 1-9Köln, am 15.07.2007 Sonstige Ansprache |
In diesem 5ten Kapitel des Johannesevangeliums heilt Jesus einen Mann der 38 Jahre nicht gehen konnte. Das erinnere ich mich an ein Lied von Paul Joung: "Hope for a hopeless world", d.h. "Hoffnung für eine hoffnungslose Welt!". Jesus heilt einen Mann, für den es keine Hoffnung mehr gab.
5, 1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
5, 2 Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen;
5, 3 in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte.
Bei diesem Teich handelt es sich um einen historischen Ort, der in den 60er Jahren, in Jerusalem, ausgegraben wurde, ebenso wie die Hallen, die sich dort befunden haben. Viele Menschen sind an diesen Ort gekommen, weil sie hier noch ihre letzte Hoffnung hatten geheilt zu werden. Dieser Ort hieß "Betesda" (Haus der Barmherzigkeit).
Dass Menschen dorthin gehen, wo sie sich Heilung erhoffen, dann wenn alles andere nicht mehr hilft, ist nichts neues. Es passiert heute noch. So pilgern Kranke z.b. nach Lourdes, einem Wallfahrtsort in Südfrankreich, an dem ein 14jähriges Mädchen ab 1858 mehrere Marieenerscheinungen gehabt hat. Sie pilgern dorthin, weil sie sich Heilung erhoffen, von einem bestimmten Wasser, welches, wenn es im Glauben und im Gebet getrunken wird, wie Medizin wirken soll. Von den fast 7.000 Fällen von Heilungen, die dort in den letzten 120 Jahren, gemeldet wurden, hat die Katholische Kirche bis heute 67 als Wunder anerkannt. D.h. es gibt bzw. gab dort tatsächlich Heilungen.
Und doch scheint Betesda, dieses "Haus der Barmherzigkeit", eher eine Karikatur von Barmherzigkeit zu sein, denn worin bestand diese Barmherzigkeit? Wir lesen:
Sie warteten darauf, dass sich das Wasser bewegte.
5, 4 Denn der Engel des Herrn fuhr von Zeit zu Zeit herab in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst hineinstieg, nachdem sich das Wasser bewegt hatte, der wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.
Wir lesen hier das Heilung von Zeit zu Zeit geschah und das nur diejenigen welche zuerst in das Wasser gelangten, wenn sich dieses durch einen Engel bewegte, gesund wurden. Dies macht deutlich wie unwahrscheinlich es gewesen ist dass jemand, der dorthin kam, geheilt wurde. Würden wir in ein Krankenhaus gehen in dem nur von Zeit zu Zeit ärztliche Betreuung vorhanden ist und wo nur der/die zum Arzt vorgelassen wird der/die, sagen wir, zuerst da gewesen ist? Ich kann mir nicht vorstellen dass wir in solch ein Krankenhaus gehen würden, da es mehr als unwahrscheinlich ist das uns geholfen würde. Ein deutsches Dienstleistungsunternehmen hatte eine Zeit lang mit dem Slogan "Hier werden sie geholfen!" geworben. Aber von Bethesda konnte man dies nun wirklich nicht sagen, zumindest nicht von dem Groß der Kranken, das sich dort befand.
Denn nur wer zuerst in das Wasser gelangte, wenn sich dieses bewegte, wurde geheilt. Wart ihr schon mal der Erste bei irgendwas? Dann seid ihr zu beneiden. Ich war nie der erste bei irgendwas. Den 75m-Lauf, vorletzten Donnerstag, habe ich z.b. gegen Eberhard verloren. Er hatte den besseren Start und ich konnte das nicht mehr aufholen. Ich habe es einfach nicht mehr geschafft! Es ist das sog. "Highlander-Prinzip", d.h. es kann nur Einen geben, einen Ersten bzw. eine Erste. Und hier gilt nicht wie beim Sport das Motto "Dabeisein ist alles" - obwohl ich mir nicht wirklich sicher bin ob dies beim Sport heute überhaupt noch so ist. Nur der/die Erste schaffte es gesund zu werden und niemand sonst. Barmherzig ist dies für diesen Einen/Eine. Die anderen sind alle leer ausgegangen. Für diese war dieser Ort buchstäblich gnadenlos und unbarmherzig, weil sie nicht zu den Ersten gehörten.
Heilung in Betesda gab es nur für diesen sehr exklusiven Personenkreis, für den "Kreis der Ersten". Die anderen hatten leider Pech. Pech für sie, könnte man sagen. Wenn das Barmherzigkeit ist, dann ist es eine Karikatur davon.
Eine Eigenschaft des Evangeliums von Jesus Christus ist das dieses Evangelium für alle Menschen da ist, für alle Menschen gilt und für alle Menschen erfahrbar ist und dies nicht nur von Zeit zu Zeit und nicht nur für jene die Erste sind.
3, 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Alle die an Jesus Christus glauben werden nicht verloren gehen. Wie gnädig ist dies, in einer Welt in der nicht Alles für alle da ist. Der G8 Gipfel in Heiligendamm hat uns evtl. eindringlich daran erinnert, das dies so ist.
Das Evangelium von Jesus Christus ist für alle Menschen erfahrbar. Alle die an Jesus Christus glauben gehen nicht verloren. Niemand unter uns muss zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort und der/die Erste sein. Jeder von uns kann Jesus erfahren.
5, 5 Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank.
An diesem Ort befand sich ein Mann, der seit 38 Jahren krank war. Ob er diese ganze Zeit dort gelegen hatte, ist aus dem Text nicht ersichtlich. Von den vielen Menschen, welche sich an diesem Ort befanden, ging Jesus gerade zu diesem Mann. Jesus stellte diesem Mann eine einzige Frage.
5, 6 Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
Es ist sicherlich überflüssig, einem Kranken diese Frage zu stellen. Es scheint so zu sein als ob man sich über ihn lustig machen würde. Natürlich gibt es Kranke die sich an ihre Krankheit gewöhnt haben und fast schon nicht mehr wissen wie es ist wenn man gesund ist. Trotzdem scheint es eine überflüssige Frage zu sein. Ein Onkel von mir hatte Krebs. So eine Frage hätte ich ihm nicht stellen können. Nun, Jesus tat es.
Was hat der Kranke geantwortet!
5, 7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.
Der Kranke antwortet nicht mit "Ja" und auch nicht mit "Nein", was man ja eigentlich auch vermuten würde. Denn welcher Kranke würde schon verneinen gesund werden zu wollen. Dennoch antwortet er nicht mit einem direkten "Ja". Er gibt Jesus eine indirekte Antwort. Und was er sagt ist die Wahrheit. Wir können natürlich diese Antwort interpretieren, aber wenn wir deren Wahrheitsgehalt betrachten finden wir dass der Mann tatsächlich, nichts als die Wahrheit sagt. Sein Dilemma ist das er immer zu spät kommt, wenn sich das Wasser bewegt. Er ist immer zu spät da, um zuerst in das Wasser zu gelangen, nachdem es sich bewegt hat. Es ist immer ein anderer schneller als er – 38 Jahre ist er immer zu spät! Seine Antwort drückt einerseits die Wahrheit aus und andererseits seine Hoffnungslosigkeit.
Dieser Mann hat sich bemüht, durch die Hilfe anderer und auch aus eigener Kraft gesund zu werden. Er hat sich bemüht zuerst im Wasser zu sein, wenn dieses sich bewegte. Aber er hatte es nicht geschafft. Schlimmer noch, er wusste dass er es nicht mehr schaffen würde. In dieser Hinsicht hat er sich nichts mehr vorgemacht. Er würde es nicht mehr alleine schaffen und es würde ihm auch niemand mehr helfen. Aus und vorbei!
Es gibt Menschen die haben einen, ich möchte ihn als unbegründeten Optimismus bezeichnen, haben. Es gibt Menschen die sich und anderen etwas vormachen und meinen: "Ich schaffe das schon!" Im Grunde leben sie aus ihrer eigenen Kraft heraus. Dies können auch gläubige Menschen sein. Sie glauben an Gott, aber sie vertrauen auf sich selber.
Sicherlich ist dies bei diesem Mann nicht mehr der Fall gewesen! Er hat sich nichts mehr vorgemacht. Er hat seine Situation ganz nüchtern betrachtet und sich nichts mehr vorgemacht. Er wusste dass der Zug für ihn abgefahren gewesen ist. Wenn wir je so weit sein werden das wir erkennen müssen das uns nichts und niemand mehr helfen kann, dann werden wir so sein wie dieser Mann, nämlich ohne Hoffnung.
Was tat Jesus?
5, 8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
5, 9 Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.
Jesus hat nicht an den Glauben des Mannes appelliert. Der Mann wusste ja nicht einmal wer Jesus war. Er hat ihm einfach geholfen. Er hat ihn nicht ermutigt: "Versuch es noch einmal" oder "Ich bringe dich ans Wasser!" oder "Gib nicht auf!" oder "Wo ein Wille ist da ist auch ein Weg!" Vor allem letzteres ist die Meinung vieler Menschen, das wo ein Wille ist da ist auch ein Weg! Oder anders ausgedrückt: "Man kann alles schaffen, wenn man sich nur wirklich darum bemüht!" Aber das ist eine Illusion.
Jesus hat diesem Mann nicht mit so was geholfen. Das hatte dieser Mann sicherlich schon von anderen gehört. Und so hat Jesus diesem Mann ohne eine Hoffnung geholfen, indem er diesem befahl aufzustehen und nachhause zu gehen. Jesus half diesem Mann, so dass dieser wieder gesund wurde. Jesus hat diesem Mann mit einer praktischen Anweisung geholfen. Er hat ein Machtwort gesprochen. Er hat nicht an seinen Willen appelliert oder an den Intellekt des Mannes. Er hat ein Machtwort gesprochen, so wie er es bei Lazarus oder dem Jüngling zu Nain getan hat. Der Gelähmte hatte keine andere Wahl als die an sich geschehen zu lassen.
An diesem Mann sehen wir dass es keine hoffnungslose Situation gibt. Wir sehen das Jesus jedem Menschen helfen kann, auch denen die ein hoffnungsloser Fall sind, denen die alleine sind, die niemanden haben der sie zum Wasser trägt, so wie bei diesem Mann. Jesus kann helfen. Er kommt zu uns. Er steht vor unserer Herzenstür und würde gerne helfen, wenn wir ihn einlassen würden. Er würde uns gerne wieder gesund machen, wie er es bei diesem Mann gemacht hat.
5, 8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
5, 9 Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.
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