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Prediger Klaus Kükenshöner
über:
1. Mose 47, 1-12Woltersdorf b. Erkner (Kreis Oder-Spree), am 02.07.2007 Sonstige Ansprache |
Rundfunkandacht im Evangeliumsrundfunk unter der Rubrik: "Bibel heute".
Liebe Hörer von Bibel heute!
Hätte Jakob seinerzeit schon die Möglichkeit gehabt, Ägypten zu überfliegen oder – noch besser – sich per Satellit im Internet das Land anzuschauen, bevor er die Reise antrat, wäre er sicher froh gewesen, als sein Sohn Joseph beim Pharao darum bat, ihm und seiner ganzen Sippe ausgerechnet das Land Goschen als künftigen Aufenthaltsort zu überlassen. Genau dieser Teil Ägyptens, das Nildelta, erscheint bis heute als ein einziger großer grüner Fleck auf dem Satellitenbild. Also: das Filetstück!
Ja, Joseph hatte auf seinen Dienstherren großen Einfluss. Schließlich war es ihm und seiner Klugheit zu verdanken, dass die Ägypter in der Zeit der großen Dürre nicht verhungern mussten. Und nicht nur das: die Völker rund herum füllten durch den Kauf des gespeicherten Korns dem Pharao gewaltig die Taschen. So einem Mann konnte der Pharao keinen Wunsch abschlagen. Im Gegenteil: es galt, ihn seiner Klugheit entsprechend für die Interessen des Landes einzusetzen.
Da kam es Pharao gerade recht, dass Josephs Vater und seine Brüder ausgerechnet Viehhirten waren. Dieser Beruf war einem Ägypter zuwider und so lag die Qualität der Viehherden in Ägypten auf keinem besonders hohen Niveau. Was lag also näher, als auch den Vater und die Brüder Josephs mit ihren riesigen Viehherden auf höflichste willkommen zu heißen und ihnen möglichst jeden Wunsch zu erfüllen?!
Als Jakob viele Jahre zuvor seinen Sohn Joseph losschickte, um nach seinen Brüdern zu sehen, konnte er nicht ahnen, welches Leid auf ihn und Joseph wartete. Quälende Ungewissheit des Vaters über das Schicksal seines geliebten Sohnes, als dieser nicht nach Hause zurückkehrte und furchtbare Zeiten des Sklavenlebens hinnehmen musste. Dann das Wechselbad der Ereignisse zwischen höchster Anerkennung und tiefster Verachtung für Joseph im Hause Potiphars. Für beide, Vater Jakob und Sohn Joseph höchst schmerzhafte Lernprozesse: Jakob lernte im Laufe der Jahre, dass es nicht gut war, einen seiner Söhne den anderen vorzuziehen und Joseph lernte, das sich Klugheit nur dann segensreich auswirkt, wenn sie mit Demut gepaart ist.
Alle Kinder Jakobs entsprachen der Verheißung, die Gott seinem Vorfahren Abraham gemacht hatte. Alle Kinder waren von Gott dafür gleichermaßen vorgesehen, Mütter und Väter eines großen Volkes zu werden, das Gott selbst als seinen Augapfel bezeichnete. Joseph und Benjamin machten da keine Ausnahme. Das war Jakobs Lektion.
Alle Gaben, die Gott Menschen verleiht, sollen dazu dienen, dass sein Name erhöht wird. Gott selbst will durch diese Gaben geehrt werden. Sei es besondere Klugheit, z.B. die Fähigkeit, vorauszuschauen oder auch die Fähigkeit, Gottes Reden im Traum zu deuten. Als Joseph als Jugendlicher zum ersten Mal feststellte, das er über diese Gabe verfügte, setzte er sie zu seiner eigenen Ehre ein: In hochmütiger Weise teilte er seinen durchweg älteren Brüdern mit, dass sein Traum nur eine Deutung zuließ: er, Joseph, würde eines Tages über sie herrschen. Das wurde ihm zum Verhängnis. Jahrelanges Sklavenleben war die Folge.
Und: indem er als Sklave seine Klugheit unter Beweis stellte und so von seinem Dienstherrn Potiphar mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurde, reifte er zum Manne und vertiefte seinen Glauben an seinen Gott. Dieser Glaube wurde auf eine harte Probe gestellt: Fast unmenschliche Beherrschung bei dem Verzicht, dem unmissverständlich vorgetragenen Angebot der Frau des Potiphar auf Ehebruch zu widerstehen. Dann als Folge erleben zu müssen, dass diese Frau dafür sorgt, dass er ins Gefängnis kommt. Dennoch hält Joseph an seinem Glauben an den Gott Israels fest und lässt sich nicht beirren.
So betraut ihn Gott mit einer Aufgabe, in der er erneut seine Fähigkeit der Traumdeutung unter Beweis stellen kann. Aber: jetzt geht es nicht um eigene Träume, sondern um die anderer Gefängnisinsassen. Als Joseph ihre Not und Angst sieht, die ihnen ihre Träume verursacht haben, bietet er seine Hilfe an mit den Worten "Nur Gott weiß, was Träume bedeuten..." So gibt er Gott die Ehre. Und nun beginnt sich langsam, aber sicher, sein Schicksal zu wenden. Als er zwei Jahre später vor den Pharao gerufen wird, um dessen Träume zu deuten, gibt er sich nicht der Versuchung hin, seine Begabung bei Hofe als Kunststück vorzuführen. Mit den Worten: "Nicht ich kann deine Träume deuten, das kann nur Gott..." bekennt Joseph sich zu diesem Gott und gibt ihm erneut die Ehre. Das war Josephs Lektion.
Es sind nicht immer die geraden Wege, die ich als Christ mit meinem Herrn gehe. Viele krumme und abwegige Schlenker und Verirrungen begleiten meinen Weg. Da tauchen plötzlich Berge auf, die unüberwindbar scheinen. Und wenn ich mich an den Aufstieg mache, geht mir unterwegs die Luft aus und ich ringe nach Atem. Der Zweifel nagt an mir, jemals diesen Berg überwinden zu können. Diese Berge haben in meinem Leben Namen: z.B. plötzliche Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen finanziellen Sorgen.
Oder: ich stelle plötzlich fest, das ich auf einem falschen Weg bin. Und ich habe keine andere Wahl, als den falschen Weg wieder zurück zu gehen. Bis zur letzten Kreuzung, um mich neu orientieren zu können. Diese falschen Wege haben in meinem Leben auch Namen: z.B. unüberlegter Kauf eines Autos, überschnelle Bereitschaft für die Übernahme einer Aufgabe, die mich überfordert und anderes mehr. Sie können jetzt im Rückblick auf ihr Leben ihre Berg- und Wegenamen vergeben.
Und dennoch: mein Weg bleibt gerade. Weil ich ihn mit Jesus gehe. Jesus hat mir und meinen Angehörigen schon seit langem unser Goschen, unser fruchtbares Land, zugewiesen. Immer, wenn ich wieder eine Lektion gelernt habe und Jesus dankbar dafür die Ehre gebe, keimt und blüht es neu in meinem Leben. Ich lerne Menschen kennen, die mich segnen und mir weiterhelfen. Ich entdecke Gaben an mir, von denen ich früher nur träumen konnte. Und nicht zuletzt: ich werde mit Gelassenheit gesegnet, wenn sich wieder einmal ein Berg oder eine Kreuzung in meinen Weg stellen will. Durch Jesus habe ich eine andere Dimension meines Weges kennen gelernt: Nichts ist so hoch oder so schwer, dass ich es nicht mit Jesu Hilfe erklimmen oder überwinden könnte. Danke, Herr Jesus!
Auf wiederhören!
Die Andacht kann auch im Internet im sogenannten "Live-Stream" angehört werden. Oder unter den unten genannten Frequenzen im Radioprogramm.
Sendetermin ist der 2. Juli 2007 um 10.30 Uhr im "Evangeliums-Rundfunk e. V. (ERF)" (www.erf.de)
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Evangeliums-Rundfunk e. V. (ERF) hören können.
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