Donnerstag, der 9. September 2010
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Olaf Theis (freikirchlich)
über: Johannes 3, 1-16

Köln, am 01.06.2007
Sonstige Ansprache

Jeder von uns ist mit dem Ausdruck "wiedergeboren" vertraut, der jedoch für alle möglichen Dinge benutzt wird, welche mit der biblischen Bedeutung nichts zu tun haben. Wenn dieser Begriff heute gebraucht wird, dann ist damit meist eine Art von Erneuerung gemeint, welche wir selbst herbeiführen können, z.b. durch unsere eigene Leistung. Wenn die Bibel von "Wiedergeburt" spricht, dann ist damit aber etwas gänzlich anderes gemeint.

In diesem Text finden wir den Begriff "Wiedergeburt" in Zusammenhang mit dem nächtlichen Besuch von Nikodemus bei Jesus.

3,1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

Johannes schreibt hier wer Nikodemus gewesen ist und was dieser gesagt hat.

Nikodemus war ein Pharisäer und ein Oberer der Juden. Er war ein Mitglied des Sanhedrin. Dieses Gremium bestand aus 70 Männern, welche über die religiösen Anliegen der Juden entschieden und welche religiöse Autorität über die Juden weltweit hatte. Dieser Rat war fast ausschließlich von Pharisäern besetzt.

Es ist wichtig dass wir verstehen wer die Pharisäer waren. Wenn es eine Gruppierung gab, welche wir als religiös und fanatisch bezeichnen würden, dann waren es die Pharisäer. Es war eine ausgewählte Gruppe von Männern, nie mehr als 6000 von ihnen, welche einen feierlichen Eid schworen (vor 3 Zeugen), das sie jeden Moment ihres Lebens widmeten den 10 Geboten zu gehorchen, mit dem Ziel Gott zu gefallen. Sie nahmen das sehr ernst. Wie wir wissen sprechen die 10 Gebote davon den wahren Gott anzubeten, keine Götzen im Herzen zu tragen, Vater und Mutter zu ehren, nicht falsch Zeugnis zu geben, nicht die Ehe zu brechen und anderem. Die 10 Gebote sind sehr allgemein gehalten. Um genauer zu sein wurde die Notwendigkeit gesehen diese Gebote auf alle Bereiche des Lebens anzuwenden und genau zu konkretisieren.

Deshalb gab es die Gruppe der Schriftgelehrten, welche ihr ganzes Leben damit verbrachten die 10 Gebote zu betrachten und diese auf alle Situationen des alltäglichen Lebens anzuwenden.

Die Schriftgelehrten nahmen ihre Arbeit sehr ernst. Sie hatten ein sehr dickes Buch welches die Juden noch heute haben, die Mischna, welches sich damit beschäftigt die 10 Gebote auf das tägliche Leben anzuwenden.

2. Mose 20, 8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. 20, 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 20, 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

Dutzende von Kapitel in diesem Buch beschäftigen sich mit dem Thema was am Sabbat alles als Arbeit galt und somit nicht erlaubt war. Daneben gab es den Talmud, welcher ein Kommentar, also eine Auslegung, der Mischna ist. Im Talmud gibt es hunderte von Seiten welche sich mit dem Leben am Sabbat beschäftigen.

Man durfte am Sabbat z.b. keinen Knoten machen, weil das als Arbeit galt. Natürlich gab es Ausnahmen. Wenn es lebensnotwendig war, durfte man am Sabbat einen Knoten machen. Einen Knoten, welcher mit einer Hand gemacht werden konnte, war erlaubt – wer das schon mal versucht hat wird festgestellt haben dass es gar nicht so einfach ist einen Knoten mit einer Hand zu machen. Wurden dazu beide Hände gebraucht war er verboten. Eine Frau durfte einen Knoten an ihrem Gürtel oder ihrem Halstuch machen. Dies war für Frau wichtig, also war es erlaubt.

Also trachteten die Menschen danach Schlupflöcher in den Geboten und Satzungen der Schriftgelehrten zu finden. Wenn ein Mann Wasser aus einem tiefen Brunnen schöpfen wollte, war es ihm nicht erlaubt ein Seil an einen Eimer zu binden, weil dies die Sabbatgebote verletzte. Aber wenn er den Eimer an den Gürtel einer Frau befestigte, dann konnte er Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Das Gesetz besagt das man am Sabbat keinen Mörtel machen durfte, weil das Arbeit war. Jemand durfte am Sabbat nicht auf den Boden spucken, weil dies Mörtel herstellte und deshalb verboten war. Aber wenn man auf einen Stein spuckte dann war dies erlaubt.

Auf diese Art und Weise dachten die Pharisäer, das sie Gott gefallen und ihn ehren würden. Und solch ein Mann war Nikodemus. Es ist erstaunlich dass er zu Jesus gekommen ist, weil die Pharisäer sich als anderen geistlich überlegen vor Gott fühlten, wegen ihrer Hingabe dem Gesetz Gottes zu gehorchen.

Nikodemus begann seinen Besuch bei Jesus mit einer höflichen Anrede.

3, 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Er redet Jesus als "Lehrer", als "Meister" an. Auch scheint er für den Sanhedrin, bzw. die Pharisäer zu sprechen, was ebenfalls erstaunlich ist. Er bezeichnet ihn nicht nur als "Lehrer" sondern als einen "Lehrer, von Gott gekommen", wegen der Zeichen die Jesus tat. Nikodemus konnte keine Zeichen tun, ebenso wenig wie die anderen Mitglieder des Sanhedrin.

Die Vorstellung dieses Mannes war das es der richtigen Lehre bedarf um Gott zu gefallen und Gott zu gehorchen – eine gute Unterrichtung und ein fester Wille reichen aus. Wenn man beides hatte, dann reicht dies aus um Gott zu gefallen – so dachte er. Diese Denkweise war und ist weit verbreitet. Man muss nur hart genug an sich selber arbeiten, dann reicht das, um Gott zu gefallen. Man muss die Gebote und Satzungen halten, die andere und man selber sich auferlegt haben, um Gott zu gefallen. Was hat Jesus dazu gesagt?

3, 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Jesus hat das ganz anders gesehen. Eine neue Geburt ist notwendig, um in das Reich Gottes zu kommen, bzw. dieses zu sehen. Wisst ihr was Jesus hier zu Nikodemus sagt? Könnt ihr das in seiner tatsächlichen Bedeutung abschätzen? Ihr habt es sicherlich schon oft gehört, aber versteht ihr auch was Jesus hier zu Nikodemus sagt?

Jesus sagt das alles was Nikodemus bisher getan hat, das wirklich alles – nicht nur ein Teil, sondern buchstäblich alles was er bisher in seinem Leben getan hat, das das alles umsonst gewesen ist. Alles was er bisher getan hat, war vergeblich. Es war umsonst. Oh, es war nicht umsonst was sein Ansehen vor seinen Kollegen im Sanhedrin oder sein Ansehen vor dem einfachen Mann auf der Straße betraf. Aber vor Gott war all das was er getan hat umsonst – umsonst wenn er nicht von neuem geboren worden ist. Was würden wir empfinden wenn uns Gott selber sagen würde das alles was wir bisher in unserem Leben getan haben, getan haben um ins Reich Gottes zu kommen, um sicherzustellen das wir hineinkommen, das das umsonst gewesen ist, das es umsonst gewesen ist wenn wir nicht aus Wasser und Geist geboren sind - das es umsonst gewesen ist wenn wir nicht Jesus haben? Was würden wir dazu sagen?

Vielleicht haben wir ja das ganze Programm durchlaufen:

- KBF (Kinder-Bibel-Freundschaft) – das ist gut aber es reicht nicht.
- JBF (Jugend-Bibel-Freundschaft) – das ist gut aber es reicht nicht.
- UBF (Universität-Bibel-Freundschaft) – das ist gut aber es reicht nicht.
- SBF (Senioren-Bibel-Freundschaft) – ist gut aber es reicht nicht.

Es ist gut wenn wir dies tun, wenn wir daran teilnehmen. Aber es reicht nicht aus, wenn wir nicht von neuem geboren worden sind. Es reicht nicht aus, um in das Reich Gottes zu kommen. Wir werden dereinst, bildlich gesprochen, vor der Himmelstür stehen (jeder von uns) und was werden wir dann vorzuweisen haben? Werden wir Ordner voller Stellungnahmen vorzeigen, die wir geschrieben haben? Werden wir uns all die Zeit, welche wir gegeben haben, all die Zeit die wir religiöse Aktivitäten gegeben haben, werden wir die vorweisen wollen, in der Hoffnung das wir diese angerechnet bekommen? Es ist gut dass wir das alles getan haben. Es ist gut dass wir zum Gottesdienst gehen. Es ist gut dass wir Bibelfreizeiten veranstalten. Es ist gut das wir andere einladen (in selber bin eingeladen worden). Es ist gut dass wir unseren Zehnten geben. Aber es reicht alles nicht.

3, 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Eine neue Geburt bedeutet nicht das wir uns z.B. Silvester viele gute Vorsätze für das neue Jahr machen, es bedeutet nicht das wir uns etwas vornehmen, es bedeutet nicht das wir uns noch mehr und härter bemühen Dinge zu tun, es bedeutet nicht das wir uns äußerlich ändern, uns modischer anziehen, eine modischere Brille tragen. All das bedeutet es nicht! Die "neue Geburt" von der Jesus hier spricht können wir nicht aus uns selbst bewirken.

Ein Kind z.B. tut nichts zu seiner Geburt dazu. Es lässt diese einfach an sich geschehen. Etwas anderes kann es auch nicht tun. Es wird geboren und es kann nichts dazu tun.

3, 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 3, 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 3, 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 3, 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Die neue Geburt geschieht aus Wasser und aus Geist. Ersteres ist das was wir tun können. Aus Wasser geboren werden bedeutet das wir erkennen dass wir Jesus brauchen. Wann haben wir je zugegeben dass wir Jesus brauchen? Nicht nur so ein bisschen brauchen – hier und da, sondern völlig brauchen, in allen Bereichen unseres Lebens? Wann haben wir je zugegeben dass wir Jesus brauchen? Wann haben wir ihn je gebeten die Herrschaft in unserem Leben zu übernehmen? Wann haben wir je bekannt dass wir Sünder sind. Dass wir Sünder sind bedeutet dass nichts Gutes in uns ist. Das, und nichts anderes bedeutet es. Wenn wir meinen das noch etwas Gutes in uns ist, dann meinen wir auch das wir Jesus nicht wirklich brauchen, weil wir meinen das wir uns selber haben, das wir meinen wir könnten es selber schaffen. Aber dann kann Jesus nichts für uns tun.

Wir können nicht von neuem geboren werden wenn wir meinen dass wir Jesus nicht brauchen, bzw. nur so ein bisschen brauchen. Es gibt genügend unter uns die von neuem geboren werden wollen. Sie wollen sich jedoch nicht von Jesus helfen lassen. Sie wollen diese neue Geburt selber bewerkstelligen, sie wollen diese selber herbeiführen und scheitern daran.

3, 13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. 3, 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 3, 15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

3, 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Jesus zeigt uns den Weg wie wir von neuem geboren werden können. Diese neue Geburt ist für jeden erfahrbar. Jeder kann von neuem geboren werden, wenn er anerkennt dass er Jesus braucht und an diesen glaubt, glaubt was dieser am Kreuz für uns getan hat. Wenn wir dies tun, werden wir von neuem geboren werden. Und dies ist es was Gott selber tut. Und an dieser Stelle beginnt das ewige Leben.

3, 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

© Olaf Theis 2007

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