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Lek. Willy Krüger (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugOsnabrück, am 12.05.2007 (Lukaskirche) Sonstige Ansprache |
Ökumenisches Männerfrühstück
Meine Zeit – deine Zeit – keine Zeit.
Liebe ökumenische Gemeinde!
Manchmal halte ich inne und denke daran,
wie ich eigentlich leben möchte.
Eigentlich möchte ich auch mal Zeit haben,
Zeit für mich,
Zeit für die Menschen mit denen ich zusammenlebe,
Zeit auch für Gott.
Eigentlich möchte ich einmal fröhlich und entspannt sein,
mich freuen können ohne die Sorge,
es könnte doch alles wieder ganz anders kommen.
Eigentlich möchte ich wirklich etwas gutes tun,
ohne Vorurteile und ohne Angst ich könnte mich zu sehr verpflichten.
Eigentlich möchte ich es wagen,
mich über all die Argumente hinwegzusetzen,
die da sagen:
"Dabei kommt nichts heraus.
Das haben wir doch alles schon gehabt,
das haben wir alles schon versucht!"
Oder auch:
"Das hat es bei uns noch nie gegeben!"
Ich möchte mich erheben über Zwänge und Bedenken,
über die eingefahrenen Geleise,
liebgewordene Gewohnheiten und auch über die Grenzen meiner eigenen Müdigkeit.
Diese Gedanken, die kennt doch ein jeder hier von uns.
Immer wieder hören wir die Worte:
"Eigentlich habe ich keine Zeit!"
Wir alle kennen das Bibelwort aus dem Buch des Prediger Salomo:
"Alles seine Zeit"
Aber wir müssen leider ergänzend hinzufügen:
"Nur der Mensch hat sie verloren!"
Mit unserer Zeitvorstellung von Uhr = Stoppuhr,
Terminkalender,
und immer neuen Methoden des Zeitmanagements laufen wir Gefahr,
uns fremdgesteuert zu fühlen.
Wir funktionieren nur noch wie eine Maschine und versuchen doch recht viel in unsere knapp bemessene Zeit hineinzupacken.
Bei solch einem Zeiterleben hören wir dann Sätze wie:
"Ich habe keine Zeit!
Ich muss gegen den Zeitmangel ankämpfen!
Die Zeit arbeitet gegen mich!"
Letztendlich bedeutet dies:
"Die Zeit hat mich!
Ich bin Gefangener meiner Zeit!"
Wir kennen aber auch den Satz:
"Dem glücklichen schlägt keine Stunde!"
Das ist ein völlig anderes Zeitgefühl.
Menschen mit diesen Vorstellungen sagen dann:
"Ich lebe in der Zeit und habe die Zeit,
die ich brauche.
Ich suche mir die Rechte Zeit!
Die Zeit arbeitet für mich!"
Wenn wir diese beiden Zeitvorstellungen mit einander vergleichen, wird deutlich, dass die Zeitknappheit unseren heutigen Alltag weitgehend beherrscht und wir häufig ausgeblendet haben, dass es noch eine andere Zeitperspektive gibt.
Beide Zeitauffassungen sind für unser Zusammenleben wichtig und notwendig,
es kommt darauf an,
sie in der Balance zu halten und zu entscheiden,
wann welche Zeitauffassung angemessen ist.
Wer sich auf die Suche nach seiner Zeit begibt,
wird nicht unbedingt andere Dinge tun,
aber womöglich die Dinge anders tun.
Ich möchte ihnen dazu eine kurze Geschichte erzählen verbunden mit einem Experiment.
Doch vorher nehmen wir uns die Zeit und hören das Hornkollegium mit:
Laudate omnes gentes.
Standortwechsel von Kanzel zum Tisch,
darunter stehen noch unsichtbar 3 vorbereitete Gläser.
Es geht um die großen Steine,
die wichtigen Dinge des Lebens.
Ein alter Professor wurde gebeten, für eine Gruppe von etwa 15 Managern großer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten.
Er hatte 1. Stunde Zeit um sein Wissen zu vermitteln.
Zuerst betrachtete der Professor ein Mitglied nach dem anderen seiner Elitetruppe.
Sie alle waren bereit,
gewissenhaft zu notieren,
was der Fachmann ihnen nun beibringen würde:
"Wir werden ein kleines Experiment machen!" sagte er.
Also lassen wir uns darauf ein.
Ich hole ein großes Glas mit dicken Steinen gefüllt unter dem Tisch hervor und fülle es bis über den Rand.
"Ist der Glaskrug jetzt voll?"
alle antworten: "JA!"
"Wirklich?"
Ich hole ein 2. großes Glas mit dicken Steinen und feinem Kies gefüllt unter dem Tisch hervor und fülle es bis an den Rand.
Der Kies verteilt sich zwischen den dickeren Steinen.
"Ist dieser Glaskrug jetzt voll?"
Einer antwortet: "Wahrscheinlich nicht!"
"Gute Antwort!"
Ich hole ein 3. großes Glas mit dicken Steinen, feinem Kies und Sand gefüllt unter dem Tisch hervor und fülle es bis an den Rand.
Und stelle wieder die Frage:
"Ist dieser Glaskrug jetzt voll?"
"Nein!"
kommt da die Antwort
"Gut!"
Ich hole eine Flasche Bier unter dem Tisch hervor und gieße sie in den Krug.
"Was können wir aus diesem Experiment lernen?"
Es geht nicht darum einen gefüllten Zeitplan noch mehr zu straffen und weitere Termine einzuschieben.
Nein wahrhaftig nicht!
Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist folgendes:
"Wenn man die großen Steine nicht als 1. in den Krug legt,
werden sie später niemals alle hineinpassen."
Was bedeutet denn die Flasche Bier:
Kenne Sie das nicht?
Die Arbeit ist getan – Mensch ist die Zeit schnell rumgegangen.
Ja, aber für 1 Bier hat Mann doch immer Zeit!
Lassen sie uns über die großen Steine unseres Lebens nachdenken,
dabei hören wir noch einmal das Hornkollegium mit:
Laudate omnes gentes.
Experiment beendet – zurück zur Kanzel
Was sind die großen Steine in unserem Leben?
Unsere Gesundheit?
Unsere Familie?
Freunde?
Realisierung unserer Träume?
Das tun, was uns Spaß macht?
Dazulernen?
Entspannung?
Sich Zeit nehmen?
Oder was ganz anderes?
Wirklich wichtig ist,
die großen Steine in unserem Leben an die erste Stelle zu setzen!
Wenn nicht,
laufen wir Gefahr,
es nicht zu meistern – unser Leben.
Wenn wir zu allererst auf die Kleinigkeiten achten, den kleinen Kies oder den Sand, dann verbringen wir unsere Leben mit Kleinigkeiten und wir haben nicht genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, und wir haben buchstäblich Sand im Getriebe.
Wie war das noch bei Beppo unserem Straßenfeger:
"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehen Sie?
Mann muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein."
Und die Geschichte mit dem Löwenzahn:
"Wenn denn alles,
was ich dir empfohlen habe,
nichts genützt hat,
dann gibt es nur einen Ausweg:
Lerne den Löwenzahn zu lieben."
Jeder Mensch hat seine eigene Zeit und seinen eigenen Zugangsweg.
Ein in der Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt,
warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sei.
Er antwortete.
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich...
Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
Das tun wir auch,
aber was machst du noch darüber hinaus?
Er antwortete:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich...
Wieder sagten die Leute:
Das tun wir auch.
Er aber sagte zu ihnen:
Nein,
wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
wenn ihr lauft,
dann seid ihr schon am Ziel...
Von uns Europäern wird behauptet,
es gebe nur wenige Menschen,
die wirklich Zeit haben.
Vielleicht gar keine.
Daher würden die meisten von uns durchs Leben rennen wie ein geworfener Stein.
Wir würden geradeso tun,
als ob ein Mensch, der schnell geht,
mehr wert sei, als der,
welcher langsam geht.
Kann das sein?
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
Amen.
Singen wir jetzt dieses wunderschöne Lied.
Die Predigt wurde frei bearbeit nach der Arbeitshilfe zum Thema: Atempause.
Herausgeber: Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH
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