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Lek. Willy Krüger (evangelisch)
über:
kein konkreter bibl. BezugOsnabrück, am 28.04.2007 (Lutherkirche) Sonstige Ansprache |
Wochenschlussandacht
Psalm einer Pusteblume
Den Duft der Rosen verbreite ich nicht,
köstliche Früchte reifen nicht an mir,
die Größe der Königskerze ist nicht mein Maß,
die Farbenpracht der Lilie nicht meine Zier.
Dennoch schäme und verkrieche ich mich nicht,
lasse mich nicht entmutigen,
mir meine Lebensfreude nicht schmälern,
den Lebensraum durch keinen Gartenzaun begrenzen.
Vielmehr wachse und blühe ich überall,
zahlreich und unübersehbar nach meiner Art,
nein, Herr, nach deiner Art, denn du, mein Gott,
hast mich so und nicht anders gewollt.
Ich wachse auf Wiesen und an Straßenrändern,
auf Müllplätzen und in Gärten.
Ich danke dir, Herr, dass ich überall Heimat finde.
Wer blüht, verblüht und muß welken.
Ich sträube micht nicht dagegen,
nehme das Welken an
und laß mich zu neuem Leben verwandeln.
Ich danke dir, Herr, für das Alt- und Neuwerden.
Nun strecke ich mich dem Wind entgegen,
wachse Blumen und Gräsern über den Kopf.
Der Wind ist mein rauher, aber herzlicher Freund.
Er bläst mir ins Gesicht
und trägt meine winzigen Samenkörner
wie kleine Fallschirme davon.
Ich danke dir, Herr, für meinen Freund den Wind.
Wer mich findet, darf mich pflücken, pusten und lachen,
denn du, Herr, hast mich zum Nutzen der Tiere
"und zur Freude der Kinder erschaffen."
Amen
wir singen:
"Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin,
und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin."
Unsere Pusteblume,
wie leicht sie ihr Leben nimmt,
sie lässt sich nicht entmutigen,
sie lässt sich ihre Lebensfreude nicht schmälern –
ach wenn wir doch auch so unbeschwingt unser Leben meistern könnten.
Kindheitserinnerungen werden wach.
Grüne wiesen –
weite Felder und natürlich überall Pusteblumen.
Pusteblumen so weit das Auge reicht.
Ich denke, die Kindheit.
Sie war für viele solch eine Zeit.
Eine Zeit mit großem Reichtum an Stunden,
Tagen und Wochen:
Und alle noch nicht verplant,
noch nicht vermessen.
Gewiss jeder von uns wird seine Kindheitserinnerungen.
Mit anderen Inhalten füllen,
mit anderen Augen sehen.
Da gab es schöne, unbeschwerte Zeiten,
Zeiten in den wir behütet und umsorgt
von unseren Eltern erleben durften.
Es werden aber auch traurige Erlebnisse auftauchen:
Es gab nicht nur kleine Katastrophen –
ein kaputtes Knie eine schlechte Arbeit in der Schule.
Ja und das Leben ging weiter unaufhörlich,
und wenn wir so darüber nachdenken,
dann fällt im Moment sicherlich so manches wieder ein –
was längst vergessen war.
Was uns aber für's Leben geprägt hat.
Und was uns unsichtbar begleitet.
Weißt du noch...
ein Brief – eine Blume –
ein Ausflug – ein Buch
Weißt du noch?
Lass dich erinnern an einen Spaziergang über die Wiese die uns damals so groß und unendlich weit erschien.
Weißt du noch?
Diese einfachen Pusteblumen,
wie oft haben wir sie gepflückt und unseren Spaß damit gehabt.
Spaß mit den einfachen Dingen in Gottes freier Natur.
Ja, ich glaube wir alle erinnern uns wie glücklich wir waren wie unbeschwert.
Doch auch heute birgt jeder Tag Freude Glück und Zuversicht.
Aber unsere Sichtweise hat sich geändert.
Wir sind keine unbeschwerten kleinen Kinder mehr –
Nein wir sind schon ein paar Generationen weiter.
Doch mal ehrlich –
jede Lebensstufe – jedes Lebensalter birgt so manche Überraschung so manche Freude –
aber auch so manches Leid.
Doch wir sind nicht allein-
da ist einer der mit uns geht –
der uns nicht allein lässt.
Schon im Alten Testament steht bei Jeremia:
Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
so will ich mich von euch finden lassen.
Und Jesus Christus spricht:
Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Und so lasst uns mit Vertrauen singen:
2x
"Ja, ich will euch tragen"
Manchmal,
wenn die Aufregung über Dinge,
die uns wichtig und groß erscheinen,
uns müde und matt werden lassen.
Wenn unsere Begeisterung verschwendet war für eine Sache, die sich später als falsch herausstellte - ja in den Momenten der Enttäuschung – da sind wir bereit uns an die kleinen Dinge des Lebens zu erinnern und wenn es auch nur das spielen mit einer Pusteblume ist.
Dinge die uns reich und glücklich gemacht haben,
Dinge die wir längst vergessen haben,
kleine unscheinbare Erinnerungen,
sie kommen dann ist Bewusstsein zurück und sie machen uns froh und glücklich.
Je älter wir werden –
umso mehr erinnern wir uns an unsere Kindheit –
das ist nicht krankhaft –
das ist ganz natürlich- der Lauf des Lebens.
Kinder haben alle Reichtümer der Erde;
Sie sind uns so sehr überlegen im Guten und im Glück,
das es uns schon bereichert,
wenn wir uns an ihrem Lachen erfreuen oder an den manchmal noch so unbeholfenen Wortspielen.
Welch ein Reichtum ist die Phantasie der Kinder.
Dazu fällt mir ein Text von Max Frisch ein:
Du hast es selber gesagt: dass Dinge,
die wir für Erinnerungen halten,
Gegenwart sind.
Ich hatte noch nie darüber nachgedacht,
ich fühle nur öfter und öfter,
dass die Zeit,
die unser erleben nach Stunden erfasst,
nicht stimmt;
sie ist eine ordnende Täuschung des Verstandes,
ein zwanghaftes Bild,
dem durchaus keine seelische Wirklichkeit entspricht.
Wer es wüsste,
wie die Träume ineinander wurzeln,
auseinander wachsen!
Wir singen 2x
"Ja, ich will euch tragen"
Wie ein Kind
Das wäre doch zu schön,
noch einmal wie ein Kind zu sein.
Ein Kind zeigt seine Gefühle:
Ohne Hemmungen kann es weinen.
Das wäre doch zu schön,
noch einmal wie ein Kind zu sein.
Ein Kind freut sich ohne Ende,
lacht und hüpft und klatscht dabei in seine Hände.
Und seine Augen glänzen –
wie die Kugeln am Weihnachtsbaum.
Das wäre doch zu schön,
noch einmal wie ein Kind zu sein.
Und nicht immer so beherrscht und berechnend,
nicht immer so vernünftig und klug,
wie wir Erwachsenen es –
angeblich sein müssen.
Das wäre doch zu schön,
noch einmal wie ein Kind zu sein.
Geliebt und behütet –
von der Mutter und vom Vater.
geborgen – und nie allein.
Das wäre doch zu schön,
noch einmal wie ein Kind zu sein.
Ja, wir alle die wir heute Abend hier sind.
Wir müssen nicht werden wie die Kinder,
wir sind Gottes Geschöpfe Gottes Kinder.
Er hat uns so gewollt wie wir sind.
Jesus umarmte die Kinder,
ersegnete sie.
Schützend legte er seine Hände auf ihren Kopf.
Das ist der Weg auf dem wir sind.
Wir können als seine Kinder.
Seine Liebe immer wieder neu erfahren.
Von Gott gesegnet das Geheimnis des Glaubens wie ein Kind zu empfangen.
Wir singen 2x
"Ja, ich will euch tragen"
Dieses Lied von Jochen Klepper,
wir haben es nun schon einige Male gesungen –
es hat noch eine paar Zeilen mehr:
Ihr sollt nicht ergrauen,
ohne dass ich's weiß,
müsst dem Vater trauen,
Kinder sein als Greis.
Ist mein Wort gegeben,
will ich es auch tun,
will euch milde heben:
Ihr dürft stille ruhn.
Stets will ich euch tragen
recht nach Retterart.
Wer sah mich versagen,
wo gebetet ward?
Denkt der vor'gen Zeiten,
wie der Väter Schar
voller Huld zu leiten,
ich am Werke war.
Denkt der frühern Jahre,
wie auf eurem Pfad
euch das Wunderbare
immer noch genaht.
Lasst nun euer Fragen,
Hilfe ist genug.
Ja, ich will euch tragen,
wie ich immer trug.
Amen
Wir singen noch einmal die 1. Strophe
Du meine Seele singe.
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