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Pfr. Michael Winkler (evangelisch)
über:
Matthäus 6, 9-13Hamburg, am 28.03.2007 Sonstige Ansprache |
Bibeltexte:
Nach Matthäus (6, 9 - 13)
Nach Lukas (11, 2 - 4)
11, 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. 3 Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. 4 Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn ich meinen Computer anmache, erscheint als erstes die Losung für den jeweiligen Tag, schön groß und deutlich. Und am Montag, als ich wieder frühmorgens den PC anmachte, las ich plötzlich das Thema unserer heutigen Kurzandacht. Heu, dachte ich, das ist ja originell!
Da stand doch der Vers 10 aus Matthäus 6: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Da soll noch einer sagen, das sei reiner Zufall, wo ich persönlich glaube, bei Gott gibt es keine Zufälle.
Nun wir wollen heute ein wenig die zweite Bitte des Vaterunsers bedenken: "Dein Reich komme". Was bietet sich da besseres an, als das wir jedes der drei Worte näher betrachten und dann den Sack gleichsam zubinden und eine Gesamtaussage kurz formulieren.
Doch bevor ich die drei Worte näher beschreiben möchte, erlaubt mir zwei Katechismen zu zitieren: Der eine ist der Katechismus Luthers und der andere ist der Heidelberger Katechismus:
Da lesen wir bei Luther:
Luthers Katechismus
DIE ZWEITE BITTE
Dein Reich komme.
Was ist das?
Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.
Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.
Und der Heidelberger Katechismus schreibt in seiner 23. Frage:
Heidelberger Katechismus
FRAGE 123
Was ist die zweite Bitte?
Dein Reich komme, das ist: Regiere uns also durch dein Wort und Geist, dass wir uns dir je länger je mehr unterwerfen, erhalte und mehre deine Kirche, und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt, und alle bösen Ratschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollkommenheit deines Reiches herzukommt, darin du wirst alles in allen sein.
So, nun könnte ich mich wieder hinsetzen, denn es ist ja alles gesagt. Aber als ich beides las, dachte ich so bei mir, das ist doch erklärungsbedürftig. Deshalb möchte ich jetzt jedes der drei Worte kurz mit euch bedenken.
Dein Reich komme, ... und da lesen wir das erste Wort "Dein". Nun wissen wir, dass Jesus im Matthäus- und Lukas-Evangelium seinen Jüngern und damit auch uns lehrte, wie wir beten sollen. Und dazu gab er auch uns das Vaterunser-Gebet mit an die Hand. Da lesen wir auch bei dieser zweiten Bitte, an wen sich das Gebet richtet, an den Vater im Himmel. Aber ist damit schon alles gesagt, wenn wir das "Dein" in der zweiten Bitte lesen? Dieses Personalpronomen "Dein" beschreibt ja zum einen genau, wessen Reich da kommt, nämlich Gottes Reich und zum anderen die Qualität und Quantität des Reiches. Gott, der Allmächtige, der Vater im Himmel und auf Erden, der Barmherzige und Gütige, der Richtende, der Vollender allen Glaubens, der – und ich könnte jetzt noch mehr Prädikate Gottes hier aufzählen, es bliebe alles in allem Stückwerk.
Auf jeden Fall wird hier sehr bewusst von Jesus das "Dein" gewählt: DEIN Reich komme, DEIN Wille geschehe. Wer also dieses Gebet laut oder leise spricht, muss sich im Klaren darüber sein, dass er sich nicht nur verbal an Gott wendet, sondern dass er sich Gott auch im Glauben hingibt, dass er sich dafür entschieden hat, dass Gott auch zu ihm kommen wird. Hier wird klar und deutlich meine eigene Lebensführung in den Machtbereich Gottes gestellt, und wir sollten es uns gründlich überlegen, ob wir das so aussprechen wollen, denn wie heißt es einmal ausgesprochen, ist es ausgesprochen. Gott nimmt jeden Beter ernst. Und das führt uns zum zweiten Wort: "Reich". Wir bitten also, dass Gottes Reich kommen möge. Nun was stellt man sich darunter vor? Wer von uns kennt sie nicht die Reiche dieser Welt.
Denken wir an längst vergangene Weltreiche, und die Bibel nennt uns auch etliche, das Ägyptische Reich, Reich der Hethiter, das Reich der Babylonier das imperium romanum oder das Römische Weltreich z. Zt. Jesu, das Deutsche Reich mit all seinen Kaisern und Königen und Fürsten und dann das Reich aus der jüngeren Vergangenheit, das noch so mancher von euch miterlebt hat, das großdeutsche Reich oder das 1000-jährige Reich, das bereits nach 12 Jahren, und Gott sei Dank dafür, vernichtet war, oder denken wir an manche Länder der Gegenwart, die sich gern sehr mit den Insignien einer Atomweltmacht oder der Weltpolizei schmücken. Liebe Schwestern und Brüder, solche Reich meint, Gott sei Dank, Jesus nicht.
Es ist Gottes Reich, in dem Gott alle Tränen abwischen wird von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen, denkt an die Offenbarung Kapitel 21, 4. Und in seiner Vision sieht Johannes das himmlische Jerusalem als einen neuen Himmel und eine neue Erde, ...bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann, und diese Stadt mit ihrem Mauerwerk ist aus purem Gold und vielen Edelsteinen und die Herrlichkeit Gottes erhellt die ganze Stadt.
Es muss wohl gigantisch sein, das Reich Gottes. Gelehrte Theologen haben diese zweite Bitte auch sehr stark endzeitlich interpretiert, denn wie sagt Jesus in Johannes 18, 26: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, ... Ja, ok, hier ist unser Reich also nicht gemeint, und es ist ja auch nicht zu sehen, das himmlische Jerusalem. Dann leben und glauben wir also auf Hoffnung, wie Paulus das in dem 8. Kapitel seines Römerbriefes und auch anderswo dezidiert darstellt und betont? Die Antwort darauf gibt uns das drittel Wort der zweiten Bitte: "Dein Reich komme". Das Wort "komme", macht zweierlei deutlich: erstens hier wird tatsächlich in großer Hoffnung des Glaubens gebetet, damit es (das Reich) kommen möge und zweitens ist dieses Kommen für die Bibel ein Prozess des Werdens. Die endgültige Herrlichkeit dürfen wir jetzt noch nicht schauen, aber und hier zitiere ich nochmals Paulus, wir dürfen schon jetzt ein Stück oder stückweise dieses Reich hier und jetzt schauen und zwar im Glauben an Christus, der diese Welt überwandt und durch seinen Tod und Auferstehung das Kommen des Reiches Gottes auf den Weg gebracht hat. Das erinnert uns an das Gleichnis mit dem Feigenbaum aus Lukas 21
Vom Feigenbaum – Lukas 21
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. 31 So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
Und damit uns das auch noch verständlicher wird, darf ich abschließend zu dem Wort „komme“ eine Geschichte wiedergeben, die ich dazu fand:
Ein junger Mann wartet auf eine junge Frau. Sie hat ihr Kommen versprochen, aber sie bleibt aus. Ungeduld, Zweifel, Angst, Zorn jagen sich in ihm, während er scheinbar ruhig dasteht - bis er sie endlich kommen sieht Allerdings wird sie von ihrem Vater begleitet, und der darf zur Zeit noch nichts von dieser Verbindung wissen. Also spielt der Wartende den Gleichgültigen, der nur zufällig hier steht. Auch sie ändert nicht den Schritt, unterbricht nicht das Gespräch. Nur ihr strahlender Blick trifft blitzhaft den seinen, und das ist ihm für jetzt genug. Noch ist sie nicht da für ihn. Und doch weiß er selig: sie hat ihr Versprechen gehalten, ich habe nicht vergebens gehofft.
Binden wir nun die drei Worte wieder zusammen, so heißt das, dass das Reich Gottes, wie Jesus es ausdrückt, als er Kranke heilte (Lukas 10, 9) nahe zu euch also uns bereits gekommen ist. Und wer als Christ in dieser Verbindung zu Christus bleibt und lebt, der wird wie Jesus es in Lukas Kapitel 21, 31 sagte, schon jetzt sehen, was in dieser Welt, und sei sie noch so gefallen, im Namen Jesu geschieht, und dann wird er oder sie wissen dürfen, dass das Reich Gottes nahe ist. Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus ist Gottes Reich bereits in dieser Welt angebrochen, und wir sind es die davon Zeugnis geben, wenn wir das Doppelgebot der Liebe leben: "Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." So dürfen wir als die Kinder Gottes und Erben Seines reiches am Bau des Reiches Gottes mitwirken und damit selbst reich gesegnet werden. Dazu komme Gottes Reich zu einem jeden von uns.
Denn wie sagt Jesus im Matthäus-Evangelium: "Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt." (Matthäus 25, 34).
AMEN
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