Mittwoch, der 8. September 2010
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Olaf Theis (freikirchlich)
über: 1. Mose 18, 1-33

Köln, am 23.03.2007 (UBF)
Sonstige Ansprache

Dass Abraham Gottes Freund gewesen ist bedeutet dass wir sagen können das er Gott nahe stand, der Gott ihn achtete und mit ihm einige seiner Gedanken geteilt hat. Freundschaft mit Gott bewirkt verschiedene Privilegien im Leben eines Christen, wie wir anhand von Abrahams Leben erkennen können. Dies sind u.a. die Gemeinschaft mit Gott, die Kommunikation mit ihm und die Barmherzigkeit für andere.

1. Gemeinschaft mit Gott (1 - 18)

(Predigttext: 1. Mose 18, 1 – 5)

Aus Vers 1 ist klar ersichtlich wer zu Abraham gekommen ist.

18, 1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre,

Gott kam zu Abraham.

18, 6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen. 18, 7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. 18, 8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

Abraham hat nicht erkannt, wer da zu ihm gekommen ist, zumindest nicht sofort. Er reagiert wie ein Gastgeber es im Nahen Osten tun sollte. Alles was er gesehen hat waren drei müde Wanderer, die aus der Wüste kamen. Ob es ein Test bzgl. Abrahams Gastfreundschaft gewesen ist weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist Gott hier ganz unvermittelt vorbeigekommen.

Wie wir wirklich sind zeigt sich daran wenn wir unvorbereitet sind, wenn wir es nicht erwarten. Dann zeigt sich unser wahres "Ich". Wenn wir uns darauf vorbereiten können, dann können wir alles sein, dann ist es uns z.b. möglich unendlich fromm und gastfreundlich zu sein. Ich will damit niemandem zu nahe treten, aber wie wir sind zeigt sich nicht in den wenigen Stunden, welche wir am Gottesdienst teilnehmen oder in der Gemeinde sind. Es ist das alltägliche Leben, wo wir unser wahres "Ich" zeigen, wo oft Dinge auf uns einstürmen und wir keine Zeit haben uns vorzubereiten.

Tatsächlich zeigt diese Begebenheit wie Abraham war. Er hat diese Männer, von denen er ja zunächst nicht wusste wer sie waren, aufgenommen, nicht weil er sich davon einen Vorteil für sich selber erhofft hat. Er wollte niemanden beeindrucken. Er wollte keine Anerkennung. Er wollte nicht zeigen wie geistlich er war. Alles was er wusste war das es drei Männer waren, die zu ihm kamen, Männer die er vermutlich nie mehr wieder sehen würde. Trotzdem hat er sie wie Könige behandelt. Selbst wenn er gewusst hätte um wen es sich handelte, hätte er sie nicht besser bewirten können.

2. Kommunikation mit Gott (9 - 21)

a. Ein Wort an Sarah (9 - 15)

(Predigttext: 1. Mose 18, 9 – 12)

Der Herr versicherte Sarah dass sie einen Sohn haben würde. Ihre Antwort war ein Lachen. Realistisch betrachtet war sie zu alt, um noch Kinder zu bekommen. Und doch steht geschrieben:

Hebräer 11, 11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte.

Wie kann das sein, wo Sarah dies doch zum Lachen fand, d.h. daran zweifelte, was Gott gesprochen hatte? Dieselbe Frage hat Gott auch an Sarah gestellt.

18, 13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich doch alt bin? 18, 14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.

Glaube fängt da an wo wir nicht mehr können. Im Hebräerbrief steht das der Glaube eine feste Zuversicht auf das ist was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem was man nicht sieht. Glaube fängt dort an wo wir mit dem was wir wissen und können am Ende sind. Es ist der Glaube dabei kein billiger Ersatz oder Fatalismus. Es ist eine feste Zuversicht und ein Nichtzweifeln auf das was man hofft und auf das was man nicht sieht. An Gott zu glauben bedeutet mit diesem zu rechnen, dort wo wir nicht mehr weiterkönnen, dort wo wir am Ende sind. Es bedeutet mit ihm zu rechnen, so als wäre es wahr was er uns gesagt hat, so als würde es ihn tatsächlich geben! Dort fängt Glaube an. Es gibt vieles das wir tun können, ohne Glauben zu haben. Es gibt unzählige Studenten die ihre Prüfungen bestehen ohne Glauben an Gott zu haben. Für die meisten Dinge benötigen wir keinen Glauben, weil wir sie können oder weil wir jemanden kennen der sie kann.

Sarah konnte keine Kinder mehr bekommen. Es ging einfach nicht mehr. Sie war zu alt. Und deshalb hat sie auch gelacht.

18, 14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.

Gibt es etwas das Gott nicht tun kann? Der einzige Grund für solchen Unglauben ist der Zweifel daran das Gott in uns und durch uns wirken kann. Sarah wird eingesehen haben dass für Gott nichts unmöglich ist. Sie wird sich zum Glauben durchgerungen haben. Sie wird sich, bildlich gesprochen, in die geöffneten Arme Gottes fallen lassen haben.

Glaube bedeutet dass wir nicht auf unsere begrenzten Ressourcen blicken, sondern auf die unbegrenzten Ressourcen unseres himmlischen Vaters.

b. Ein Wort an Abraham (16 - 21)

(Predigttext: 1. Mose 18, 16 – 21)

Abraham ist mit den Männern mitgegangen. Dies war mehr als reine Gastfreundschaft. Es ist das Verlangen mit Gott zu sprechen. Das wir das Verlangen nach einem Freund haben, ist nicht weiter erstaunlich. Wir brauchen Freunde wenn wir mit unserem Leben nicht mehr zurechtkommen. Aber Gott kommt nicht in diese Situation. Es ist wohl so dass Abraham Gott braucht, aber nicht umgekehrt das Gott Abraham braucht! Gott braucht keine Freunde, weil er alles weiß. Warum also hat Gott sich Abraham anvertraut? Weil Gott Liebe ist und weil er geliebt werden möchte. Er möchte von uns geliebt werden. Und das ist es was wir Gott geben können. Kinder können ihren Eltern nicht bei deren Problemen helfen. Das ist nun einmal so. Meine Kinder können mir keine Ratschläge geben, weil sie meine Probleme nicht verstehen, die Dinge die mich beschäftigen und die mir oft den Schlaf rauben.

Trotzdem rede und lache ich mit ihnen und spreche mit ihnen über manche Dinge die anliegen. Ich möchte ihre Liebe haben. Ich kann mich noch gut daran erinnern wir ich 2001 nach einer Woche aus Moskau zurückgekommen bin. Mein Sohn David war damals ein Jahr alt und wollte, als er mich wiedersah, nicht mehr von meinem Arm runter. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Manchmal vermisse ich das, wie sehr könnt ihr nicht einmal erahnen. Gott will unsere Liebe und unser Vertrauen, ihm gegenüber. Deshalb spricht er u.a. mit uns.

Wie Abraham, haben wir als Gottes Kinder, allein durch Gnade eine besondere Stellung vor Gott erhalten.

3. Barmherzigkeit für andere (22 - 33)

(Predigttext: 1. Mose 18, 22 – 33)

Einer der Höhepunkte in Abrahams bisherigem Leben war nicht die Bewirtung des Herrn und seiner Begleiter, sondern seine Fürbitte für die Menschen in Sodom. Für uns ist Sodom nichts, eine Stadt in der weit zurückliegenden Geschichte. Eine Stadt zu der wir keinen Bezug haben. Aber für Abraham bedeutete dieser Name Menschen, Menschen aus Fleisch und Blut. Er kannte den König von Sodom persönlich. Es war die Stadt in welcher sein Neffe Lot lebte. Dort lebten Leute die er kannte – von denen er viele aus der Kriegsgefangenschaft gerettet hatte.

Es ist ein bemerkenswertes Beispiel für Fürbitte, das erste in der Bibel. Es ist bemerkenswert, von Gottes Seite aus, das Abraham ihn herausfordern kann, das er es zulässt. Es zeigt wie Abraham in seinem Vertrauen und Glauben zu Gott gewachsen bzw. gereift ist.

Durch das Gebet haben wir eine partnerschaftliche Beziehung zu Gott. Das Gebet gibt uns diese unvergleichliche Gelegenheit. Das Gebet hilft uns dem Charakter Gottes ähnlicher zu werden. Abraham war nie näher an Gott dran, als er für die Menschen in Sodom gebetet hat. Sein Gebet hat zwar die Stadt und die Menschen darin nicht gerettet, was aber nicht an ihm gelegen hat. Aber es hat ihn mit der Barmherzigkeit Gottes erfüllt.

Abraham hat an Gottes Ehre appelliert. Er bat für Sodom, für die Menschen darin, für die Gerechten wie für die Ungerechten. Die Welt hat durch die Gegenwart von Christen mehr erhalten, als sie sich es bewusst ist. Das Gesellschaftssystem, in dem wir z.B. leben, das Grundgesetz welches wir haben, sie basieren auf christlichen Werten, auch wenn nichts unversucht gelassen wird das zu leugnen, bzw. zu untergraben. Das unser Leben, das jeden einzelnen unter uns, einen absoluten Wert hat, haben wir aus der Bibel. Wegen der Kinder Gottes, wegen Männern und Frauen, die geglaubt haben und die glauben und die glauben werden, ist vielen der Segen Gottes unverdient gegeben worden. Aber nichts desto trotz ist er gegeben worden und das Gericht welches sonst gekommen wäre hat sich nicht ereignet, bzw. Menschen haben deshalb einfach überlebt. Labans Herde wuchs und wuchs weil Jakob für ihn arbeitete (1. Mose 30). Während einer 7jährigen Dürre überlebten die Menschen in Ägypten, weil Josef ihr Premierminister war.

Abraham stand zwischen Gott und der Stadt Sodom, und hat für diese gebeten, als würde sein eigenes Leben davon abhängen. Diese Dringlichkeit müssen wir für uns wiederentdecken. Wann haben wir zuletzt mit dieser Dringlichkeit für unsere Familie gebetet, für unsere Gemeinschaft, für unsere Stadt, für unser Land? Wann haben wir zuletzt dafür gebetet dem Gott einen Menschen verschont? Gott gebe uns diesen Sinn, für die zu beten die noch ferne von ihm sind.

© Olaf Theis 2007

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